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Kanadische Kleinstadt feiert Überraschungs-Pride

Der Stadtrat hatte sich zuvor geweigert, den Pride Month anzuerkennen

Ontario
Foto: Borderland Pride

Der Stadtrat einer kanadischen Kleinstadt in Ontario weigerte sich, den Pride Month anzuerkennen. Schliesslich gebe es ja auch keine «Straight Pride». Als Antwort stellten LGBTIQ-Aktivist*innen mit Regenbogenfahnen, Federboas und Luftballons jetzt eine Überraschungs-Pride für die Stadt auf die Beine.

Es war im vergangenen Mai, da stimmte der Stadtrat im 1300-Einwohner*innen-Ort Emo, in der kanadischen Provinz Ontario nahe der Grenze zu Minnesota, mit 2:3 Stimmen gegen eine Resolution, in der der Juni als Pride Month anerkannt werden sollte. Auch Bürgermeister Harold McQuaker war dagegen. Es wäre unfair, sagte er, denn es gebe ja auch keine Straight Pride.

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Am städtischen Fahnenmast werde keine Flagge «für die andere Seite der Medaille gehisst», erklärte er auf der Stadtratssitzung. Denn für Heteros würden ja auch keine Flaggen gehisst. Ausserdem, so erklärte er im Mai, sei Emo eine «gute christliche Gemeinde».

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Nun arbeitete etwa zur selben Zeit Douglas Judson, Co-Vorsitzender von Borderland Pride, einer Organisation, die hinter mehreren Pride-Events in Städten nahe der Grenze zwischen Minnesota und Ontario steht, an einem Plan und heckte mit Anwohner*innen und Unternehmen in der Region eine Überraschungs-Pride aus.

Letztes Wochenende war es dan so weit: Durch Emo zog ein Corso mit 70 Fahrzeugen und Hunderte von Unterstützer*innen. Einige kamen aus der Region; andere sagten, sie seien bis zu drei Stunden gefahren, um bei der Pride mitzumachen. Es wurden Stände aufgestellt, Pride-Flaggen verteilt und Preise verliehen  etwa für die «Emo Fair Queen 2020».

Auf eine traditionelle Parade wurde verzichtet, um die Corona-Richtlinien für ausreichenden Abstand zum nächsten einzuhalten.

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«Es war etwas, das unserer Gemeinde in einer Zeit Freude bereitete, in der wir ehrlich gesagt alle nach ein bisschen menschlicher Verbindung hungern», sagte Judson gegenüber HuffPost Canada. Das gehöre auch zur Pride dazu, in gewisser Weise an die Grenzen zu gehen.

«Unsere wildesten Erwartungen wurden übertroffen», fuhr Judson fort, der in Emo aufgewachsen  ist. «Es war toll, dass es den Menschen so wichtig war, diese Botschaft über die Wichtigkeit der Pride gerade in kleinen Gemeinden zu senden.»

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Darüberhinaus hat das Northern Ontario Pride Network beim Human Rights Tribunal von Ontario eine Beschwerde eingereicht, in der es heisst, dass «Homophobie der einzige Grund für die Entscheidung war, die Resolution abzulehnen».

Schliesslich sei die Resolution im Jahr 2018 in Emo angenommen worden. 2019 habe sie der Stadtrat aber wieder zurückgenommen und auch in diesem Jahr erneut abgelehnt. In der Beschwerde wird argumentiert, dass hier eine Form der Diskriminierung aufgrund von Glaubensbekenntnissen, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck und Familienstand vorliege.

«Heutzutage ist es für eine Gemeinde in Ontario unerhört, sich dem Gesetz zu widersetzen und sich zu weigern, Pride in solch eindeutig diskriminierender Art und Weise anzuerkennen», erklärte das Northern Ontario Pride Network.

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Etwas ähnliches erlebte kürzlich der spanische Ort Villanueva de Algaidas: Dort wurde die Regenbogenflagge aus rechtlichen Gründen vom Rathaus entfernt, worauf sich zahlreiche Einwohner*innen mit der LGBTIQ-Community solidarisierten (MANNSCHAFT berichtete).

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