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Barry Humphries – wegen transphober Äusserungen wird Ehrung umbenannt

Das Melbourne International Comedy Festival will 2019 keinen «Barry Award» mehr vergeben, benannt nach dem Darsteller von Dame Edna Everage

Barry Humphries als Dame Edna bei der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton in London (Foto: Royal Wedding / Aurelien Guichard from London, United Kingdom / Wikipedia)

Ist jetzt Schluss mit lustig – oder wie weit darf Comedy gehen? Barry Humphries ist einer der bekanntesten Komiker Australien, der mit seiner Rolle als Dame Edna Everage weltberühmt wurde, jüngere Fans kennen ihn als Originalstimme von Haifisch Bruce in «Findet Nemo» sowie als Grosser Goblin in «Der Hobbit». Zu seiner Ehre hatte das 1987 von ihm gegründete Melbourne International Comedy Festival den Preis in der Kategorie «Beste Show» im Jahr 2000 in den «Barry Award» umbenannt. Wegen anhaltender transphober Äusserungen Humphries soll das nun geändert werden, berichtet die BBC.

Die schillernde Figur der Dame Edna ist Fernsehzuschauern im deutschen Sprachraum auch vertraut aus der Serie «Ally McBeal» oder aus älteren Filmen wie «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band». Humphries trat in Deutschland sogar live als Dame Edna auf, zum Beispiel im Berliner Schlossparktheater. Als Celebrity war er – in seiner Dame-Edna-Rolle – als Gast anwesend bei der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton.

Nach aussen wirkt Humphries als Dame Edna immer freundlich und liebevoll, fast wie die verstorbene Queen Mum. Wegen seiner selbstbewusst-schillernden Anders-als-die-Andern-Aura hatte Humphries viele schwule Fans. Der mehrfach verheiratete Entertainer hatte nie Berührungsprobleme mit Homosexuellen, so hat er vor nicht allzu langer Zeit mit dem bekannten schwulen Pianisten und Sänger Michael Feinstein die Zwei-Personen-Revue «All About Me» aufgeführt. Letztes Jahr war er mit einem Weimarer Kabarettliederprogramm unterwegs, zu dem auch das berühmte «Lila Lied» von Mischa Spoliansky gehörte, eine der bekanntesten Homosexuellenhymnen in deutscher Sprache («Wir sind nun einmal, anders als die andern…»).

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Womit der inzwischen 85-jährige Humphries aber scheinbar durchaus ein Problem hat, ist die moderne Trans*-Bewegung mit ihren (gesellschafts)politischen Forderungen. Statt diese zu unterstützen, nannte Humphries sie erst letztes Jahr eine «Modeerscheinung». In einem Zeitungsinterview mit dem britischen The Telegraph hatte er zuvor von geschlechtsangleichenden Operationen als «Selbstverstümmelung» gesprochen. Die bekannte US-Sportlerin und Trans*-Persönlichkeit Caitlyn Jenner bezeichnete Humphries als «publicity-geile Unruhestifterin» («publicity-seeking rat-bag»).

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Auch wenn Humphries mehrfach betonte, diese Kommentare seien als Teil des Rollenspiels in seiner Show gefallen und wären falsch bzw. aus dem Kontext geholt wiedergegeben worden, haben verschiedene Komikerkollegen und -kolleginnen Humphries deswegen kritisiert, darunter auch Barry-Award-Gewinnerin Hannah Gadsby (bekannt aus der Netflix-Show «Nanette»). Sie sagte bei der Entgegennahme des Barry Awards 2017: «Ich stimme mit vielen Dingen, die Barry Humphries in letzter Zeit gesagt hat, nicht überein. Es sind Dinge, an denen ich nicht einfach vorbeigehen werde. Bei allem Respekt, ich würde diesen Preis gern nur für mich entgegennehmen.»

Am Dienstag dieser Woche gab die Leiterin des Melbourne International Comedy Festival bekannt, dass es an der Zeit sei, den Preis für die aussergewöhnlichste Show unter dem eigenen Namen zu vergeben und damit die Stadt zu ehren, in der das Festival wachsen konnte, ein Festival, das so viele bedeutende Künstler*innen inspiriert habe.

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Susan Provan betonte auch, dass die anhaltenden Äusserungen Humphries zum Thema Trans* «nicht hilfreich» gewesen seien und die Entscheidung zur Namensänderungen befördert hätten.

Genitalien sind wie mexikanisches Essen – es ist immer das Gleiche, es wird nur anders zusammengerollt

Die Erklärung des Festivals kam kurz bevor die diesjährigen Nominierungen bekanntgegeben wurden. Auf der Liste findet sich auch der Name der Trans*-Komikerin Cassie Workman, die ihre Erfahrungen als Trans*-Frau zum Teil ihres Programms macht und damit auf komische und leicht zugängliche Weise einem grösseren Publikum verständlich macht, worum es geht und welche gesellschaftlich-ökonomischen Herausforderungen mit einer Transition verbunden sind. Dabei erklärt sie das Phänomen Geschlecht ganz einfach und plastisch: «Genitalien sind wie mexikanisches Essen – es ist immer das Gleiche, es wird nur anders zusammengerollt.»

Barry Humphries selbst hat sich bisher nicht zu den Vorgangen geäussert.

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