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Nach 17 Jahren wieder eine Pride in Bern

Die Pride Ouest findet dieses Jahr in Bern statt. Nach einer langwierigen Sponsorensuche kann das Organisationskomitee nun ein vielseitiges Rahmen­programm an mehreren Stand­orten auf die Beine stellen.

Eigentlich findet die Pride Ouest jedes Jahr in einer anderen Stadt der Romandie statt. Für die diesjährige Durchführung haben die Romands ihre Pride an Bern ausgeliehen und die Organisation somit an Hände jenseits des Röstigrabens übergeben. Ein Komitee, bestehend aus Mitgliedern der Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern (HAB) und des Gay Lesbian Sports Bern (GLSBe), zeichnet für die Planung und Realisation der Berner Pride vom 25. bis 27. August 2017 verantwortlich. Es ist das erste Mal seit 2000, dass in der Hauptstadt wieder eine Pride über die Bühne geht. Das in den letzten Jahren jährlich stattfindende Gaywest-Festival fällt heuer aus.

Sechs Umzüge gleichzeitig
Für den Event will das Organisationskomitee unter dem Motto «The Power of Diversity» das klassische Konzept einer Prideveranstaltung aufmischen. Statt eines grossen einheitlichen Demonstrationsumzugs, wie man ihn von der Zurich Pride oder der letztjährigen Pride Ouest in Fribourg kennt, soll am Samstag, 27. August, ein Sternmarsch zum Bundesplatz führen. An sechs Standorten starten sechs verschiedene Gruppen mit farbigen Bannern, um diese dann bei ihrer Ankunft am Bundesplatz gegen 17 Uhr zu einer riesigen Regenbogenfahne zusammenzuführen.

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Die Stadt Bern hat sich sehr kooperativ gezeigt.

Ob keine Gefahr besteht, dass die sechs individuellen Umzüge im Trubel der Berner Innenstadt untergehen und die Veranstaltung an Sichtbarkeit verliert? «Keineswegs», sagt Co-Präsident René Stamm gegenüber der Mannschaft. Unterwegs treffen individuelle Märsche aufeinander und werden so grösser und auffälliger. «Bei der Kreuzgasse in der unteren Altstadt vereinen sich die Umzüge vom Bärengraben, dem Rathausplatz und der Münsterplattform und ziehen gemeinsam weiter Richtung Zytglogge und Bundesplatz.»

Auch infrastrukturtechnisch sollte alles reibungslos klappen. Stamm lobt die Zusammenarbeit mit den Behörden: «Die Stadt Bern hat sich sehr kooperativ gezeigt.»

Um die Teilnehmenden gleichmässig zu verteilen, hat das OK die sechs verschiedenen Umzüge gemäss unterschiedlichen Anliegen der LGBT-Community unterteilt. So steht zum Beispiel der grüne Strahl, der in der Matte startet, für Sport sowie gegen Homo- und Transphobie im Sport. Der violette Strahl, der vom Progr losmarschiert, steht für die Öffnung der Ehe, die Legalisierung der Adoption für gleichgeschlechtliche Paare und für Regenbogenfamilien. So würden sich Sportvereine wie der GLSBe und LGBT-Fangruppen wie die WankdorfJunxx dem grünen Strahl anschliessen, während zum Beispiel der Dachverband Regenbogenfamilien mit der Farbe Violett startet. «Das ist aber kein Muss», präzisiert Stamm. «Auf unserer Website kann man seinen Verein bei einer beliebigen Farbe anmelden, egal, welche Anliegen er vertritt.»

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An der Pride 2016 in Fribourg kündigten die Berner den nächsten Austragungsort der Pride Ouest an.

Festlichkeiten an verschiedenen Standorten
Nach Ende des Sternenmarsches und der Zusammenführung der Regenbogenfahne beginnt ab 17 Uhr auf dem Bundesplatz das Hauptprogramm. Politische Ansprachen werden unter anderem erwartet von Bundesrätin Simonetta Sommaruga und dem Berner Gemeinderat Reto Nause.

Die Berner Pride soll nicht nur im Zeichen der «Power of Diversity», sondern auch in jenem des Sports stehen. Ehrengast ist Manuel Picaud, Präsident der Gay Games in Paris, der ebenfalls zu den Rednern auf dem Bundesplatz zählt. Im alten Bärengraben organisiert der Gay Sport Zürich ein schweisstreibendes Bootcamp und lässt Ringer gegeneinander antreten. In der Matte wird ein Badmintonturnier stattfinden.

Nebst dem Hauptprogramm auf dem Bundesplatz soll die Pride auch an anderen Plätzen der Stadt zelebriert werden. Im Erlacherhof, auf der Münsterplattform und auf dem Rathausplatz finden diverse musikalische und theatralische Darbietungen in Zusammenarbeit mit der Hochschule der Künste Bern statt. Auf dem Waisenhausplatz bildet das Pride Village mit Ständen und Sitzgelegenheiten den ruhigen Gegenpol zum Bundesplatz mit seinen Show-Acts und politischen Ansprachen. Bei der Kleinen Schanze hat man die Gelegenheit, bei Latino- und Standardtänzen mitzumachen.

Zwei Drittel des Budgetziels erreicht
Ein Event in diesem Format kostet Geld. Die Pride Bern hat für den ganzen Anlass 130 000 Franken budgetiert, zwei Drittel können mit Sponsorengeldern und Beiträgen des GLSBe und der HAB gedeckt werden. Im Juli wurden mit Swisslos und der BKW zwei neue Sponsoren gefunden.

Die Pride in Bern soll einen stark politischen und kulturellen Charakter haben.

Barbara Stucki, Kommunikationsverantwortliche der Pride Ouest, versichert, dass der Durchführung des Events jetzt nichts mehr im Weg steht. «Die grundlegenden Kosten sind gedeckt, die wichtigsten Infrastrukturauslagen wurden uns von der Stadt Bern zugesichert.» Das fehlende Geld soll durch den Verkauf von Getränken, Standplätzen und Merchandise generiert werden.

Auch das Rahmenprogramm an den verschiedenen Standorten ist gesichert, das meiste durch das Engagement vieler LGBT-Vereine und -Organisationen. Ziel sei es, sowohl die Community als auch Passant_innen und Tourist_innen der Stadt Bern aktiv miteinzubeziehen. Dabei soll aber der Ur-Gedanke der LGBT-Bewegung nicht vergessen gehen. «Die Pride in Bern soll einen stark politischen und kulturellen Charakter haben», sagt Barbara Stucki. «Wir wollen Menschen aufeinandertreffen lassen, die sich sonst nicht begegnen würden.»

Freiwillige Helfer gesucht
Das Organisationskomitee ist noch auf der Such nach engagierten Helfer_innen, die sowohl für den Auf- und Abbau als auch während dem Festival im Einsatz stehen. Interessierte finden auf der Website der Pride Ouest weitere Informationen und das Anmeldeformular.

pride2017.ch

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