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Sieht so eine «Fach»kommission aus, Herr Spahn?

Der Bundesgesundheitsminister hat im Kampf gegen Konversionstherapien eine Kommission einberufen – dazu der Kommentar von unserem Deutschland-Chefredakteur Kriss Rudolph

Jens Spahn
Jens Spahn (Foto: CDU)

Jeden Samstag gibt es bei MANNSCHAFT.com einen Kommentar zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Konversionstherapien den Kampf angesagt. Im Februar kündigte er in einem taz-Interview an, dass er diese Praktiken in Deutschland verbieten wolle. In dieser Woche nun teilte das Gesundheitsministerium mit, Spahn habe eine Fachkommission berufen, die über die Gestaltung des Verbots beraten soll.

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Die Kommission wird den Angaben zufolge von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld begleitet, zur Mitarbeit eingeladen sind nach Angaben des Ministeriums insgesamt 49 Experten. Die Liste liegt MANNSCHAFT vor. Dass u.a. die Psychotherapeutenkammer an Bord ist ebenso wie der Verband der privaten Krankenversicherung und die Bundesvereinigung Trans*, ist richtig und einleuchtend.

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Welches Fachwissen bringen die Religionsgemeinschaften mit?

Dass aber auch Vertreter der großen Religionen eingeladen sind, verwundert. Die deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche (EKD) sind nämlich ebenso dabei wie die Zentralräte der Muslime und der Juden. Abgesehen davon, dass Staat und Kirche in der Bundesrepublik Deutschland getrennt sind (das lässt sich auch auf der Homepage der EKD nachlesen), frage ich mich: Welches Fachwissen bringen diese Herrschaften mit? Abgesehen von jahrhundertelanger Erfahrung, wie man Homo- oder auch Transsexuelle verfolgt und unterbuttert?

Enthaltsamkeit für Schwule
Es sind vor allem religiöse Gruppen, die Homosexualität als sündig, krank und behandlungsbedürftig bewerten. In New York ist etwa ein jüdischer Arzt tätig, der gegen das Verbot von Konversionstherapien klagt. Die evangelikale Bewegung ist in Deutschland sehr aktiv und fördert Massnahmen wie die «Homoheilung». Beispiel: die christliche Organisation Wüstenstrom. Zu deren Projekten gehört die «Bruderschaft des Weges» – laut Eigenbeschreibung «eine geistliche Gemeinschaft von Männern, die an ihrer gleichgeschlechtlichen Neigung leiden oder die sie aufgrund von eigener Glaubensentscheidung nicht ausleben wollen». Sie wollen Schwule zur Erhaltsamkeit bringen, damit sie ihre Homosexualität nicht ausleben. Einer von ihnen, ein Mann namens Marcel, wird gerne von der homophoben Demo für alle bei ihren Kundgebungen vorgezeigt.

Warum hat man deren Organisatorin Hedwig von Beverfoerde nicht auch noch in die Fachkommission berufen? Oder deren Wegbegleiterin Birgit Kelle, die ist schliesslich auch CDU-Mitglied. In Sachsen durfte die vor ein paar Jahren als Expertin und Sachverständige bei einer öffentlichen Anhörung zur Erarbeitung des «Aktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensweisen» im Landtag dabei sein.

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Nein, Vertreter von Religionsgemeinschaften gehörten nicht in die Fachkommission, die zum Ziel hat, Konversionstherapien zu verbieten. Für eine lebhafte Ausgabe einer Anne Will-Sendung mag das eine gute Besetzung sein. In einer Fachkommission haben Kirchenvertreter nichts zu suchen. Es sei denn, man möchte ergebnisoffen über das Thema reden. Dann aber spräche der Titel «Fachkommission» für eine Mogelpackung und man müsste die Intention des Ministers anzweifeln. Sollen die Religionsgemeinschaften vielleicht Ausnahmegenehmigungen erhalten, weil ein völliges Verbot von «Homoheilungen» die Ausübung ihrer Religionsfreiheit beschneidet? Das wäre ein Skandal!

Abschlussbericht im Herbst erwartet
Minister Spahn ist ja immer wieder für Überraschungen gut: Erst hatte Spahn im Februar verkündet, es würden Vorschläge für ein Verbot «bis Sommer» erarbeitet. Statt der zunächst angekündigten «Schnellstudie» gibt es nun diese «Fach»kommission. Ein Abschlussbericht wird nach Angaben des Ministeriums für den Herbst erwartet. Auf den Anteil der Christen, Muslime und Juden bin ich wirklich sehr gespannt.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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