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Italien: Regierung stoppt Studie über Homophobie

Bildungsminister Marco Bussetti stoppt die Umfrage, weil sie «sexuelle Fluidität» fördere

Bild: iStockphoto

Forscher der Universität von Perugia wollten über eine wissenschaftliche Umfrage Beispiele von Homophobie, Sexismus und Rassismus sammeln. «Ungeheuerlich» und «gefährlich», finden italienische Politiker – und stoppten die Studie. Doch der Wissenschaftler will nicht aufgeben.

Eine anonyme Umfrage der Universität von Perugia wollte Teenager in der italienischen Region Umbrien zu den Themen Homophobie, Sexismus und Rassismus befragen. Die Befragten sollten unter anderem ihre Nationalität sowie die der Eltern, ihre Religion, politische Einstellung sowie sexuelle Orientierung angeben.

Dabei gab es die Optionen «ausschliesslich heterosexuell», «überwiegend heterosexuell», «bisexuell», «überwiegend homosexuell», «ausschliesslich homosexuell» sowie «asexuell». Dann sollten die Jugendlichen angeben, inwieweit sie Aussagen zustimmen wie: «Frauen fühlen sich zu schnell angegriffen», «Homosexualität ist eine psychische Störung» oder «Ausländer nehmen Italienern den Job weg». Außerdem wurde gefragt, ob die Teenager Mobbing erlebt haben – als Täter wie als Betroffener. An 54 Schulten der Region sollte die Umfrage an Schulen verteilt werden.

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Die Umfrage sei «gefährlich», so ein rechter Senator

«Forschung zu homophobem Mobbing, Rassismus und geschlechtsspezifischer Gewalt hilft, die Atmosphäre besser zu verstehen, mit der die Schüler in der Schule konfrontiert sind. Dazu hilft sie, das Sicherheitsniveau, das jeder Schüler im Vergleich zu Gleichaltrigen hat, zu verstehen», erklärte der Leiter der Umfrage, Professor Federico Batini, gegenüber PinkNews.

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Italienischer Politiker sahen das anders: In der vergangenen Woche sagte Claudio Ricci, Ratsmitglied des Regionalrates von Umbrien, die Fragen verletzten die Bildungsfreiheit der Eltern beim «sehr empfindlichen» Thema der sexuellen Orientierung. Die Studie «impliziert die Botschaft einer unkritischen Anerkennung von sexueller Fluidität (Homosexuelle Pseudo-Bekehrung», zitiert ihn die lokale Zeitung Terni Today.

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Diese Lokalposse hat den Senator Simone Pillon der rechten Partei Lega erreicht. Er lehnt die Studie in ähnlichen Worten ab: «Hinter dem Feigenblatt der Homophobie will die Umfrage eigentlich sexuelle Fluidität fördern», sagte er. Der Senator forderte, die Studie zurückzuziehen. Sie sei «gefährlich» für junge Menschen. Ausserdem wolle er herausfinden, wie viel öffentliches Geld in das «ungeheuerliche» Projekt floss.

Der Forscher wehrt sich gegen die politische Einflussnahme

Am vergangenen Sonntag (9. Dezember) schaltete sich auch der parteilose Bildungsminister Marco Bussetti ein: Er erklärte, die Umfrage sei vorerst gestoppt worden. Die Forscher sollten die Formulierungen überprüfen.

Der Leiter der Untersuchung, Professor Federico Batini, wehrt sich gegen die politische Einflussnahme: «Sie untergräbt die durch die Verfassung geschützte Autonomie der Forschung in Italien», zitiert ihn die Zeitung Corriere dell’Umbria

«Es wurden viele Lügen verbreitet», ergänzt der Professor. So wurde die Umfrage noch gar nicht verteilt. Ausserdem sei die Teilnahme freiwillig. «Diese Kontroverse wurde ausschliesslich wegen politischer und ideologischer Fragen ausgelöst.»

Der Forscher will nicht aufgeben: Er wolle das Projekt bald weiterführen, eine Änderungen daran vornehmen und noch enger mit Schulen zusammenarbeiten.

Im Rainbow-Ranking von ILGA Europe belegt Italien nur den 32. von 49 Plätzen – und ist damit das letzte westeuropäische Land auf der Liste. Das Ranking bewertet die Gesetzgebung der Staaten in LGBTI-Belangen. Allerdings hat die Region Umbrien im vergangenen Jahr laut ILGA-Report ein Gesetz gegen Homo- und Transphobie erlassen. Eine landesweite Datenbank von Hassverbrechen gibt es in Italien nicht.

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