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Wenn Mensch Gott spielt – Jetzt im Museum für Kommunikation

«SUPER – Die zweite Schöpfung» ist bis am 10. Juli 2022 im Museum für Kommunikation in Bern zu sehen

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Macht uns die künstliche Intelligenz bald überflüssig? (Bild: Museum für Kommunikation)

Immer schneller entwickeln sich Biotechnologie, künstliche Intelligenz und Digitalisierung. Wohin führt dieser Weg? In der Ausstellung «SUPER – Die zweite Schöpfung» im Museum für Kommunikation trifft Fortschrittsglaube auf Untergangs­stimmung, Wissenschaft auf Gesellschaft. Eine innovative Ausstellungskonzeption verschmilzt die Stärken von Ausstellung und Theater.

Wohin bringen uns Wissenschaft und Technologie? Wird bald ein Fötus ausserhalb eines weiblichen Körpers wachsen können? Können wir Kinder zeugen, die gegen HIV immun sind? Diesen Fragen widmet sich die neue Ausstellung «SUPER – Die zweite Schöpfung», die bis zum 10. Juli im Museum für Kommunikation in Bern zu sehen ist.

Die soeben erwähnten Beispiele sind nicht aus der Luft gegriffen. Beim Schaf wurde die «Schwangerschaft» in einer künstlichen Gebärmutter bereits erfolgreich getestet. Auch die Zeugung eines HIV-resistenten Kinds soll es bereits gegeben haben.  Der chinesische Forscher He Jiankui wurde für diesen Menschenversuch allerdings zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Fall zeigt die Sprengkraft und Ambivalenz der neuen Technologien. Es ist ein schmaler Grat zwischen Wunschwelt und Frankenstein.

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In der Ausstellung geht es auch um Upgrades am Körper: Brille, Exoskelett, Ritalin und Gehirnimplantat. Wann bin ich gut genug? (Bild: Museum für Kommunikation)

COVID-19 hatte die Eröffnung dieser Ausstellung fast vier Monate lang verhindert. Pandemie, Lockdown, langfristige Einschränkungen im Alltag – mit einem Schlag wurde unserer hochentwickelten Gesellschaft die eigene Verletzlichkeit schmerzhaft vor Augen geführt.


Das steht im starken Kontrast zu all den unglaublichen technologischen Fortschrittsmeldungen, die wir regelmässig eher stoisch zur Kenntnis nehmen. Was eben noch unmöglich schien, rückt plötzlich in den Bereich der Realität.

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Eine Ausstellung bringt die Gesellschaft ins Spiel
Biotechnologie, Künstliche Intelligenz und Digitalisierung verschaffen uns heute nie dagewesene Möglichkeiten der Selbstoptimierung und Neuerfindungen. Das Tempo dieser Entwicklungen ist schwindelerregend und beispiellos in der Geschichte der Menschheit. Diese neuen Technologien werden in Fachkreisen intensiv diskutiert und fortlaufend weiterentwickelt. Bisher stehen allerdings die möglichen Auswirkungen auf die Gesellschaft kaum im Fokus, wir Durchschnittsbürger*innen mischen uns kaum in diesen Diskurs ein.

Hier setzt die Ausstellung an. Sie stösst eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesen gesellschaftlichen Herausforderungen an. Denn irgendwann wird uns das alle betreffen. Das führt die Ausstellung bildhaft vor Augen. Ein alltägliches Beispiel: das Internet. In den Ursprüngen wurde es als grosse Befreiung gefeiert, Wissen und Kommunikation würden grenzenlos zugänglich sein. Mittlerweile bewegen wir uns öfter als uns lieb ist am Gängelband einiger wenigen schwer durchschaubaren Algorithmen. Wird auch die künstliche Intelligenz bald zur Bedrohung, weil sie uns überflügelt? Oder hilft sie uns die grossen Probleme der Menschheit zu lösen, weil sie eben kein Machtstreben antreibt, sondern nüchterne Analyse?


Ausstellung und Theater verschmelzen zu einem neuen Erlebnis
Die Ausstellung «SUPER – Die zweite Schöpfung» ist weit mehr als interessante, aufwühlende Information, die über Objekte, Texte und Bildschirme vermittelt wird. Erstmals kombiniert das Museum für Kommunikation systematisch Theater und Ausstellung; in dieser Konsequenz ein Novum. Immer wenn die Ausstellung geöffnet ist, bringen Schauspieler*innen die Unmittelbarkeit der Theaterbühne in den Ausstellungsraum. Das Schauspiel gibt der Ausstellung eine direkte emotionale Komponente und schafft einen zusätzlichen Zugang zum Thema. Ein überraschend bereichernder Kunstgriff, der das Repertoire des 2019 mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichneten Museums für Kommunikation ideal erweitert. Die Ausstellung ist bis zum 11. Juli 2021 zu sehen.

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Innovative Verschmelzung von Theater und Museum: während den Öffnungszeiten verleihen Schauspieler*innen der Thematik eine emotionale Komponente. (Bild: Museum für Kommunikation)

Möglich wurde die Ausstellung dank Post und Swisscom, welche das Museum tragen, und der grosszügigen Unterstützung der Gebert Rüf Stiftung. Zusätzlich hat die UBS Kulturstiftung das Projekt unterstützt.


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