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Viele hielten ihn für schwul: Mordfall seit 1990 ungelöst

Der Gedenkstein, der an Rafael Blumenstock erinnert, soll nun saniert werden

Rafael Blumenstock
Foto: SWR

Rafael Blumenstock wurde vor über 30 Jahren in der Ulmer Innenstadt brutal ermordet. Er wurde 28 Jahre alt. Bis heute ist der Fall ungelöst.

In den Morgenstunden des 4. November 1990 wurde Rafael Blumenstock mitten in der Stadt ermordet, auf dem Münsterplatz. Sein Gesicht war kaum noch zu erkennen. Offenbar hatten der oder die Täter*innen mit Stiefeln auf ihr Opfer eingetreten, 21 Messerstiche wurden gezählt.

Die Zeit (Artikel hinter Bezahlschranke) sprach kürzlich mit dem ehemaligen Sonderkommissionsleiter Roland Marxer, der erklärte: «Wir haben die ganze Stadt umgedreht, aber eine heisse Spur war nie dabei.»

Kein Mensch habe den ermordeten Rafael verstanden, erklärte die Mutter der Zeit. «Seit er klein war, hat er gesagt, dass er ein Mädchen sei.» Darunter habe er sehr gelitten und sei schliesslich schizophren geworden, darum war er auch in psychiatrischer Behandlung und lebte in einer betreuten WG.


Er habe sich manchmal geschminkt und Frauenkleider getragen, die langen Haare als Pferdeschwanz getragen. Manche hätten ihn deswegen für schwul gehalten, sagt seine Mutter Dolores Blumenstock.

In der Innenstadt von Ulm befindet sich eine Gedenkplatte im Pflaster des Platzes; sie ist sanierungswürdig. 1993 wurde sie im Zuge der Neugestaltung des Münsterplatzes gelegt. Die Meinungen sind geteilt, ob die Erinnerung an Rafael Blumenstock und seinen gewaltsamen Tod mit dieser Platte ausreichend ist, teilte Holger Oellermann, SPD-Fraktionschef im Ulmer Gemeinderat, auf MANNSCHAFT-Anfrage mit. Er hat sich das Thema wegen aktueller Bauarbeiten auf dem Platz für Ende Mai «auf Wiedervorlage gelegt». Vorstellbar wäre etwa, dass die Gedenkplatte bei Nacht von einem Spot angestrahlt werde, jedenfalls soll sie sichtbarer werden.

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Unklar sei, so Oellermann, ob der Riss, der sich durch die halbe Platte ziehe, Absicht des Künstlers oder durch besondere Belastung zufällig entstanden sei. Darüber könnten weder Stadtarchiv, noch Zeitungen aus der Zeit der Münsterplatzgestaltung oder Zeitzeug*innen Auskunft geben.


Klar ist wohl nur, dass die Tat nicht mehr aufgeklärt wird. Der damalige Sonderkommissionsleiter Roland Marxer räumt im Gespräch mit der Zeit ein: «Wir haben damals nicht den richtigen Personenkreis ins Visier genommen, aber jetzt ist es zu spät.»


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