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Terror an 9/11 – Schwuler Kaplan soll heiliggesprochen werden

Mychal Judge starb, als er für Retter*innen und Opfer betete

9/11
Foto: Screenshot/ America - The Jesuit Review

Am 11. September 2001 hatten islamistische Terroristen drei gekaperte Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon gesteuert. Ein weiteres entführtes Flugzeug stürzte in Pennsylvania ab. Damals starb auch ein schwuler Kaplan, der nun heilig gesprochen werden soll.

Den Anschlägen fielen etwa 3000 Menschen zum Opfer. Am 20. Jahrestag, am Samstag, sind zahlreiche Gedenkveranstaltungen geplant, unter anderem auch mit US-Präsident Joe Biden.

Foto: Pentagon/dpa

Unter den Toten war auch Mychal Judge, der schwule  Kaplan des New York City Fire Department (FDNY). Er soll nun heilig gesprochen werden. Judge sei kurz nach dem Einschlag des ersten Flugzeugs an jenem Morgen im World Trade Center angekommen, heisst es einem Bericht des Portals NPR.

Der Kaplan ging mit Feuerwehrleuten und anderen Ersthelfer*innen in den North Tower, um Überlebende des schrecklichen Angriffs zu finden und zu retten. Als er in der Lobby für die Retter*innen, die Opfer und die Toten betete, wurde er von Trümmern des einstürzenden Turms getötet. Er gilt als erstes Opfer der Anschläge von 9/11.


Am 20. Jahrestag fordern seine Anhänger*innen, dass er heilig gesprochen wird. Etwa der Jesuitenpriester James Martin. Er ist in den USA für sein soziales Engagement und seine offene Haltung gegenüber der queeren Community bekannt und beliebt. Er sagte im Vorfeld des Jahrestages gegenüber der Associated Press: Mychal Judge habe gezeigt, «dass man schwul und heilig sein kann».

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Der schwule Mönch widmete ein Leben den Schwächsten von New York City. Er half Obdachlosen ebenso wie Menschen mit HIV und AIDS auf dem Höhepunkt der Pandemie in den 80er Jahren.

«Die Selbstlosigkeit von Vater Judge ist eine Erinnerung an die Heiligkeit, die die Kirche bei LGBTIQ-Menschen oft übersieht», sagte Martin. «Der Himmel ist voller LGBTIQ-Menschen. Alles, was die Kirche tun muss, ist, dies zu erkennen.»


Der Prozess der Heiligsprechung ist langwierig und komplex. Es kann mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern. Doch hat im Jahr 2017 Papst Franziskus einen neuen Weg zur möglichen Heiligkeit für Menschen hinzugefügt, die ihr Leben für andere geopfert haben – dies galt als eine der bedeutendsten Änderungen in den Verfahren der römisch-katholischen Kirche zur Heiligsprechung seit Jahrhunderten. Die Person musste vor und nach ihrem Tod christliche Tugenden verkörpern und sie musste ein Wunder vollbracht haben.

Reverend Luis Escalante, der mögliche Heiligsprechungsfälle für den Vatikan untersucht hat, erklärte gegenüber AP, dass er nach dieser Ankündigung im Jahr 2017 mehrere Aussagen von Zeug*innen erhalten habe, die für eine Heiligsprechung von Mychal Judge sprächen. Laut Escalante werde er in mehreren Berichten als die «beste Ikone» der Menschheit beschrieben.

Aktuell gilt die Terror-Gefahr wieder als hoch, seit die Taliban in Afghanistan die Macht zurückerobert haben: Sie töten und vergewaltigen auch Schwule (MANNSCHAFT berichtete).


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