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Stärkeres Durchgreifen von Facebook bei Hassrede gefordert

LGBTIQ-Organisationen im arabischen Raum verzeichnen eine Zunahme von Hassrede online

facebook hassrede
Wegen dieser Aktion wurde Sarah Hajizi 2017 verhaftet. (Bild: Facebook/HamedZinno)

Nach dem Tod der ägyptischen Aktivistin Sarah Hijazi fordern LGBTIQ-Organisationen von Facebook ein gezielteres Vorgehen gegen Hassrede im arabischen Raum.

In einem offenen Brief bezeichnen 22 LGBTIQ-Organisationen aus Nordafrika und dem Nahen Osten Facebook als «unsicheren Ort für sexuelle Minderheiten». Das Unternehmen mit Sitz in den USA sei «nachlässig» in der Anwendung seiner Gemeinschaftsstandards gegen Hassrede im arabischen Raum.

Nach dem Tod von Sarah Hijazi habe sich das Klima im sozialen Netzwerk für LGBTIQ-Personen zunehmend verschlechtert, bemängeln die Organisationen. Die ägyptische Aktivistin nahm sich vor zwei Wochen in Kanada das Leben, wo sie nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis in Ägypten gelebt hatte (MANNSCHAFT berichtete). Sie wurde 2017 verhaftet, weil sie bei einem Konzert der libanesischen Gruppe Mashrou‘ Leila die Regenbogenfahne geschwenkt hatte. Mindestens 75 Personen seien damals festgenommen worden, schreibt die Egyptian Initiative for Personal Rights. Hijazi hatte von Misshandlungen während der Haft berichtet.

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Unter Hassrede schreibt Facebook in den Gemeinschaftsstandards von einer Nulltoleranz-Politik, sofern Personen aufgrund «bestimmter Eigenschaften» angegriffen werden. Neben der ethnischen und religiösen Zugehörigkeit führt das Unternehmen auch die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität auf.

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In Ägypten, Tunesien und Marokko wurden dennoch Beiträge mit Hassrede, Gewalt- und Todesandrohungen gepostet und geteilt, darunter ein Bild einer regenbogenfarbenen Strichfigur, die getreten wird. In einem Video rechtfertigt eine Frau den Mord an Schwulen und Lesben, ein anderes zeigt Hijazi, wie sie mit animierten Flammen verbrannt wird.

«Obwohl die LGBTIQ-Community in Nordafrika und im Nahen Osten Tausende von Hassbeiträgen in arabischer Sprache gemeldet hat, wurde ein Grossteil der Meldungen abgelehnt, weil der Inhalt ‹nicht gegen die Facebook-Gemeinschaftsstandards› verstosse», schreiben die Organisationen im Brief. Facebook müsse mehr tun, um die Entfernung von Gewalt anstachelnden Beiträgen sicherzustellen.

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«In den USA und Europa gibt es keinen Platz für Hassrede gegen die sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Religion, Sekte oder irgendwelche andere Gruppe», sagt Adam Muhammed vom ATYAF-Kollektiv in Marokko gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. «Wir fordern das Management von Facebook auf, hier die gleichen Richtlinien anzuwenden wie in anderen Ländern auch.»

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In einer schriftlichen Stellungnahme auf den offenen Brief sagt Facebook, dass Teams Meldungen von Hassrede rund um die Uhr und in über 50 Sprachen überprüfe, darunter auch Arabisch. Zudem sei künstliche Intelligenz in der Lage, rund 90% der Hassrede von der Plattform zu entfernen, bevor sie von User*innen gemeldet wird. «Wir wissen, dass wir uns noch stärker bemühen müssen und eng mit Mitgliedern der LGBTIQ-Community in Nordafrika und im Nahen Osten zusammenarbeiten müssen, um unsere Werkzeuge, Technologie und Richtlinien weiterzuentwickeln», so das Unternehmen.

Die französische Menschenrechtsorganisation ANKH hat den offenen Brief ebenfalls unterschrieben. Mitgründer Nicolas Gilles bezeichnet den Tod von Hijazi als Weckruf. Die Aktivistin habe mit Onlinemobbing gekämpft: «Die LGBTIQ-Community im arabischen Raum muss Belästigung und Mobbing über sich ergehen lassen. Alle sagen, dass sie vielleicht die nächste Hijazi sein könnten und das wollen wir nicht.»

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