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Rod Stewarts schwule Ballade «The Killing of Georgie» wird 45

Der Song basiert auf einer wahren Geschichte.

Rod Stewart
Sir Rod Stewart (Bild: Instagram)

Mit «The Killing of Georgie» schuf Rod Stewart die erste positive, wenn auch letztlich tragische schwule Figur des Pop-Mainstreams. Vor genau 45 Jahren wurde die Single veröffentlicht und schaffte es bis auf Platz zwei der britischen Charts.

Rod Stewart war nicht der erste Pop-Künstler, der in einem seiner Songs eine schwule Figur auftauchen liess. Doch «The Killing of Georgie (Part I and II)» ist wohl das erste ernsthafte und tiefgründige musikalische Porträt eines schwulen Mannes. Der Protagonist Georgie wird dabei nicht ins Exotische, Lächerliche oder gar Abartige gezogen. Ganz im Gegenteil: Rod Stewart zeigt sich als Erzähler der traurigen Ballade offen als Bewunderer Georgies und bezeichnet seinen Freund als den «nettesten Typen, den er jemals kannte».

Ein Faible für Geschichten
Die Homosexualität der Hauptfigur ist für die Story zwar zentral, wird vom Erzähler im Lied jedoch recht beiläufig erwähnt: «Georgie boy was gay I guess / Nothin‘ more or nothin‘ less» («Georgie war schwul, schätz’ ich / nicht mehr und nicht weniger»).


Der mittlerweile 76-jährige Rod Stewart hatte stets ein Faible für Songs, die eine Geschichte erzählen. Das war 1971 bei «Maggie May», einem seiner grössten Hits, nicht anders. Damals erzählte er – basierend auf eigenen Erfahrungen – die Geschichte eines Jungen, der eine erotische Beziehung mit einer älteren Frau einging.

Mit «The Killing of Georgie» brach Rod Stewart erneut ein Tabu und wieder basierte der Liedtext im Groben auf wahren Begebenheiten. Georgie war nämlich ein Freund seiner Band «Faces», der vor allem dem 2014 verstorbenen Keyboarder Ian McLagan nahestand und den das gleiche Schicksal ereilte wie jenen Georgie im Song.

Flucht nach New York
Die Ballade beginnt damit, dass sich Georgie bei seinen Eltern outet, die ihn daraufhin verstossen. Er flüchtet regelrecht nach New York City, wo man ihn akzeptiert. Schnell wird er zum Liebling von Manhattans Elite. Als der Erzähler ihn im Sommer 1975 besucht, gesteht er ihm, dass er sich in jemanden verliebt habe.


Eines Nachts jedoch verlässt er vorzeitig eine Broadway-Vorstellung und wird auf der Strasse von einer homophoben Gang erstochen. Der Erzähler erinnert sich dann an Georgies Worte, das Leben zu geniessen, solange man jung ist.

Danksagungen schwuler Männer
Das tragische Ende des schwulen Lebens ist so ziemlich das einzige Klischee, dessen sich Rod Stewart bei seinem selbstgeschriebenen Song bedient. Er schuf eine positive Identifikationsfigur, die LGBTIQ-Menschen damals im Mainstream vergebens suchten.

Noch heute erhalte er viele Danksagungen von schwulen Männern, denen der Song vor 45 Jahren oder auch später geholfen habe, wie Rod Stewart in einem Interview mit dem Guardian sagte. Zu ihnen gehört etwa Boy George, der die Single im Alter von 15 von seiner Mutter geschenkt bekam.

BBC weigerte sich
Die Plattenfirma des britischen Musikers hatte kein Problem mit dem Song, den Rod Stewart im August 1976 als Single-Auskoppelung herausgab. Anders war es zunächst bei der BBC: Die britische Rundfunkanstalt weigerte sich wegen des Inhalts, den Song zu spielen.

Schliesslich gab man dann aber doch nach. Das trug entscheidend dazu bei, dass die Single zum Hit werden konnte. Bis auf Platz zwei schaffte es die schwule Ballade in den UK-Charts. In den USA kam «The Killing of Georgie» immerhin in die Top 30.

Dann sorgte der Song doch noch für Diskussionen – aber nicht etwa wegen der Lyrics. Es ging um den zweiten Teil des Tracks, in dem der Erzähler Georgie bittet zu bleiben. Die Melodie der gesungenen Bitte weist tatsächlich eine verblüffende Ähnlichkeit mit «Don’t Let Me Down» von den Beatles auf. Aus welchen Gründen auch immer konnte «Georgie Boy» jedoch unter dem Radar der Beatles-Anwälte durchschlüpfen. Das Ganze blieb ohne juristische Konsequenzen.

Hier findest du den vollständigen Liedtext von «The Killing of Georgie (Part I and II)».

Im gleichen Jahr veröffentlichte in Deutschland übrigens Schlagersänger Bernd Clüver ebenfalls ein Lied mit einer tragischen schwulen Story. Anders als zeitgleich bei Rod Stewart in Grossbritannien wurde die Veröffentlichung von «Mike und sein Freund» in Deutschland zum Skandal, der letztlich Clüvers Karriere ruinierte. Die ganze Geschichte kannst du hier nachlesen.

 



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