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«Die Krankheit AIDS bekämpfen – und nicht die Kranken!»

Rita Süssmuth wird 85

Rita Süssmuth
Rita Süssmuth (Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Rita Süssmuth war Bundestagspräsidentin von 1988 bis 1998 und Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit  von 1985 bis 1988. Nun wird das Ehrenmitglied der Deutschen AIDS-Hilfe 85 Jahre alt.

Rita Süssmuth war schon Mitte 40 und seit zehn Jahren Professorin für Erziehungswissenschaft, als sie 1981 in die CDU eintrat. Wenige Jahre später machte Kanzler Helmut Kohl sie zur Ministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit“. Damit war sie die erste Frauenministerin der Republik. Mit dem Etikett einer katholischen Feministin konnte sie sich anfreunden.

Die in Wuppertal geborene Christdemokratin hat die Ära Kohl mitgeprägt, obwohl sie manche Kontroverse mit dem Kanzler hatte. Bei einem Festakt in der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Süssmuths 80. Geburtstag wurde vor allem ihr Einsatz für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 hervorgehoben sowie ihr Engagement für AIDS-Kranke. «Wir ernten heute die Früchte ihrer Arbeit als Wegbereiterin für ein modernes Frauenbild», betont die Frauen-Union der CDU.

Was den Umgang mit AIDS-Kranken anging, sorgte ihr Ansatz in der eigenen Partei für Ärger: Während Politiker wie Peter Gauweiler (CSU) sich für eine Art Kasernierung der Erkrankten stark machte, setzte Süssmuth auf eine gross angelegte Aufklärungskampagne. Und liess sich von einem offen schwulen Mann beraten, Siegfried Rudolf Dunde. Auch das sahen ihre Parteifreunde kritisch.


In einem Präventions-Spot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, in dem Hella von Sinnen als Kassiererin mitwirkte, hiess es ursprünglich: «Rita, wat kosten die Kondome?» Doch in einer späteren Fassung wurde aus Rita Tina, um den Bezug zur früheren Gesundheitsministerin zu vermeiden.

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2016 hat die Deutsche AIDS-Hilfe Süssmuth die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Die ehemalige Bundestagspräsidentin erhielt die höchste Auszeichnung ür ihre bahnbrechende AIDS-Politik in ihrer Zeit als Bundesgesundheitsministerin in den 80er Jahren. Süssmuth erklärte in ihrer Rede: «Diese Ehrung ist mir sehr wichtig. Weil sie, bei allem was erreicht worden ist, zu einem Zeitpunkt und in einem gesellschaftlichen Klima erfolgt, zu dem ich sagen muss: Wir befinden uns im Rückwärtsgang. (…) Was ich gegenwärtig an versuchten Rückschritten erlebe, in Bezug auf die Fremdherrschaft über die Körper von Frauen unter den Vorzeichen des Schutzes des ungeborenen Lebens, in Bezug auf die erneute Ausgrenzung von Menschen die anders leben, egal ob sie eine andere Sexualität haben, eine andere Ethnie oder anders anders sind: Wir waren schon einmal weiter.»

Eine unermüdliche Kämpferin für Menschen mit HIV und AIDS.

Mit Blick auf die niedrigen HIV-Neuinfektionszahlen in Deutschland fuhr Süssmuth fort: «Ich möchte den Begriff Neuinfektion heute in einem umfassenderen Sinn gebrauchen und die Frage stellen: Wovon sind wir, als Gesellschaft, schon wieder infiziert?» Süssmuth plädierte dafür, den genannten Entwicklungen entschieden entgegenzutreten.


Die deutsche AIDS-Stiftung würdigte die Politikerin zu ihrem 80. Geburtstag als «unermüdliche Kämpferin für Menschen mit HIV und AIDS». Ihr Credo lautete: Die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken.» (mit dpa)

Weltweit haben sich nach UN-Angaben rund 80 Millionen Menschen seit der Meldung der ersten AIDS-Fälle 1981 mit HIV infiziert, 36,3 Millionen infizierte Menschen sind gestorben. In seinem Gastbeitrag für MANNSCHAFT erinnert sich die ORF-Legende Günter Tolar zurück.


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