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Konfetti für alle – Eheöffnung jetzt museumsreif

Im Schwulen Museum wird an die historische Entscheidung im Deutschen Bundestag erinnert

Eheöffnung
Foto: Paul Max Fischer / Schwules Museum. Auf dem Bild zu sehen, von links nach rechts: Ulle Schauws, Volker Beck, Birgit Bosold, Peter Rehberg (vom Konfetti-Glas verdeckt)

Am Mittwochabend hat Grünen-Politiker Volker Beck dem Schwulen Museum (SMU) das Konfetti überreicht, mit dem er am 30. Juni 2017 von seinen Fraktionskolleg*innen im Bundestag überschüttet wurde.

Vor drei Jahren war die Eheöffnung im Parlament beschlossen worden – Becks Herzensprojekt, für das er über 25 Jahre lang an vorderster Front gekämpft hatte. Und an diesem Donnerstag jährt es sich zum 3. Mal, dass schwule und lesbische Paare in Deutschland heiraten können (MANNSCHAFT berichtete).

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Die damalige Mitstreiterin Ulle Schauws, heutige queerpolitische Fraktionssprecherin der Grünen, hatte dafür gesorgt, dass die bunten Schnipsel aus dem Bundestag aufbewahrt wurden. Nun fanden sie im Archiv des Schwulen Museums ein neues Zuhause.

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SMU-Sammlungsleiter Peter Rehberg bedankte sich bei Beck für dessen Lebenswerk und versprach: «Dieses Konfetti wird daran mitwirken, die Geschichte der Ehe für alle auch für zukünftige Generationen weiterzuerzählen, als Forschungsgegenstand im Archiv des Schwulen Museums und als Objekt für künftige Ausstellungen.» Wenig später stand Rehberg mit Beck selbst im Konfettinebel. Zwei Mitarbeiter*innen des Museums hatten die Kanonen gezündet.

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Auch Ulle Schauws bedankte sich in ihrer Rede für Becks «unermüdliche Arbeit» und bei Becks damaligen Büromitarbeiter*innen Charlotte Obermaier und Sebastian Brux, die den Plan ausgeheckt hätten und den Konfetti-Abschuss zuvor ohne dessen Wissen in Becks Büro geprobt hatten. «Es ging darum, das Bild des Tages zu erschaffen», sagte Schauws. «Hätten wir nicht das Konfetti gezündet, wäre vor allem das Bild von Angela Merkel gedruckt worden, wie sie mit ihrer roten Karte für Nein stimmte.» Stattdessen sei ein positives, lebensbejahendes Bild um die Welt gegangen.

Beck selbst bedankte sich bei allen Kolleg*innen für die Unterstützung. 1989 habe sein Kampf für die Ehe für alle begonnen, gemeinsam initiiert mit dem ebenfalls anwesenden Kollegen Günter Dworek. «Es hat dann über 27 Jahre gedauert, den Ball ins Tor zu bekommen», sagte Beck. Es sei das schönste Geschenk gewesen, dass dieses Projekt ausgerechnet an Becks letzten Tag als Abgeordneter im Bundestag seine Vollendung fand (MANNSCHAFT berichtete).

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Insgesamt haben sich gut ein Dutzend von Becks grünen Mitstreiter*innen im Museum versammelt, um Beck und die Konfetti-Übergabe zu feiern, darunter Renate Künast, Sven Lehman und Monika Lazar. Volker Beck sass von 1994 bis 2017 für die Grünen im Deutschen Bundestag und war unter anderem religions- und migrationspolitischer Sprecher der Fraktion. Von 2002 bis 2013 war er ihr Erster Parlamentarische Geschäftsführer. Die Durchsetzung der Ehe für alle wird in grossen Teilen seinem Engagement zugerechnet.

Das Konfetti wird in Zukunft im Archiv des Schwulen Museums aufbewahrt und soll möglichst bald auch im Rahmen einer Ausstellung gezeigt werden. SMU-Vorstand Birgit Bosold sagte, sie wolle das Konfetti am liebsten per Fön in einer Vitrine wirbeln lassen, damit es immer in Bewegung bleibe, wie queerer Aktivismus eben auch. «Es ist schon ein sehr queerer Aspekt dieser Geschichte, dass ausgerechnet eine so alltägliche Sache wie Konfetti einen historisch so bedeutenden Moment erzähle», so Bosold.

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