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James-Bond-Kinostart: Luke Evans oder Jonathan Bailey nächster 007?

Am Dienstagabend feiert «No Time To Die» Weltpremiere. Und sofort geht die Diskussion los, wer als nächstes den Doppel-Null-Agenten spielen sollte

James Bond
Daniel Craig (l.) als Geheimagent mit Lizenz zum Töten und seine beiden möglichen Nachfolger: Jonathan Bailey (Mitte) und Luke Evans (Fotos: Universal Pictures / Netflix / Instagram / @thereallukeevans)

Heute geht in London der neue James-Bond-Film «No Time To Die» mit Verspätung in der Royal Albert Hall in Premiere. Sogar das britische Königshaus steht auf der Gästeliste, ebenso Billie Eilish, die den Titelsong singt.

Im Vorfeld gab Ben Whishaw als Darsteller des Technologie-Genies Q dem LGBTIQ-Magazin Attitude ein Interview. Darin wurde er, als einer der grossen offen schwulen Stars des britischen Kinos, nach der Möglichkeit eines offen schwulen Bond-Darstellers für die Zukunft gefragt. Denn der 53-jährige Daniel Craig hat bekanntlich als Geheimagenten seinen letzten Auftrag erledigt. So dass die Diskussion um seine Nachfolge (neuerlich) entbrannt ist.

Für Whishaw markieren die fünf Bond-Filme mit Craig die «Transition eines Old-School-Agenten in die moderne Zeit», wie er sagt. Er ergänzt, dass die Filme «Fantasieprodukte» seien: «Man geht nicht zu einem James-Bond-Streifen, um das echte Leben zu sehen. Es ist ein Spektakel, Adrenalin und Eskapismus. Trotzdem muss, meiner Meinung nach, die Geschichte mit der realen Welt verbunden sein. James Bond hat so lange überlebt, weil sich die Filme immer den Zeitläufen angepasst haben. Wenn man sich alte 007-Filme anschaut, spiegeln sie immer die Epoche wider, in der sie entstanden sind.» (MANNSCHAFT berichtete darüber, dass Schwule beim britischen Geheimndienst MI6 bis 1991 ausgeschlossen waren.)

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Unsere aktuelle Epoche ist u.a. gekennzeichnet von Diskussionen über LGBTIQ-Repräsentation und der Frage, ob sich offen homosexuelle Schauspieler*innen nicht auch grosse Action-Rollen «sichern» könnten, wie es Attitude formuliert. Die Zeitschrift fragt Whishaw deshalb, ob es einen offen homosexuellen britischen Schauspieler gäbe, der seiner Meinung nach die Rolle von 007 übernehmen könnte – und ob er sich solch eine Besetzung überhaupt vorstellen könne.


«Das wäre wirklich aufregend, und natürlich würde ich es gern sehen. Ich glaube daran, dass wir uns zu einer Welt vorarbeiten sollten, wo jeder alles spielen kann. Es wäre wirklich toll, wenn die sexuelle Orientierung eines Schauspielers bei der Auswahl für eine Rolle wie James Bond nicht mehr wichtig wäre. Das wäre Fortschritt», so Whishaw. Er erwähnt, dass er überrascht sei, wie viel sich diesbezüglich in den letzten fünf oder sechs Jahren verändert habe.

«Will man diese Rolle überhaupt spielen?»
Konkret nach möglichen Namen gefragt, sagt Whishaw, dass es «ja nicht so viele offen schwule britische Schauspieler» gäbe, die in Frage kämen. Doch als Attitude Luke Evans und «Bridgerton»-Shootingstar Jonathan Bailey ins Spiel bringt, meint Whishaw: «Die sind beide wunderbar und absolut geeignet für diese Rolle. Beide wären Idealbesetzungen. Es wäre auch aufregend zu erleben, wie einer von den beiden das machen würde.»

Bridgerton
Jonathan Bailey (l.) mit Regé-Jean Page in der Erfolgsserie «Bridgergton» (Foto: Liam Daniel/Netflix)

Allerdings fragt Whishaw, ob seine beiden Kollegen das überhaupt wollen würden. «Es geht ja nicht nur darum, die Rolle zu spielen, sondern für die ganze Welt James Bond zu verkörpern, also alles, wofür er steht.» Das sei etwas, was das eigene Leben radikal verändere. Weshalb man sich fragen müsse, ob man das ernsthaft wolle.


Er selbst jedenfalls würde es nicht wollen. Er sehe sich auch nicht als «Bond-Material», meint Whishaw. «Ich bin glücklich, dass ich das nicht bin, sondern ein Q-Typ.» Er findet es wichtig, dass es ein «Spektrum an maskulinen bzw. männlichen Identitäten» gibt und «nicht alle der Bond-Typ sein müssen» oder diesem Ideal nacheifern.

«Vielleicht wird Bond in Zukunft ja ein bisschen anders definiert», meint Whishaw. Zweifelt allerdings, ob die Franchise weiter funktionieren würde, wenn man 007 zu weit vom Original entferne, also «vom Frauenheld und allem, was er tut». (MANNSCHAFT berichtete darüber, dass bei einer Umfrage 52 Prozent der Befragten gegen einen schwulen James Bond waren.)

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«Eine Art guter, alter Held, der böse Dinge tun muss»
Daniel Craig selbst sagt dazu: «Der Neue muss Bond neu erfinden.» Craig denke, laut NZZ, tief im Inneren sei James Bond ein guter Mensch. Er wolle die Menschheit beschützen. Aber dafür tue er zweifelhafte Dinge. «Das ist sein ewiger Konflikt: Er ist eine Art guter, alter Held, der böse Dinge tun muss. Aber er tut sein Bestes. Das muss auch der neue Bond machen, sein Bestes geben.»

Ob demnächst Evans oder Bailey im Dienste Ihrer Majestät ihr Bestes geben und böse Dinge auf der Kinoleinwand tun werden, bleibt abzuwarten. Auch, ob das alternativ künftig eine Frau übernimmt oder ein*e nicht-weisse Darsteller*in, was ebenfalls als Option intensiv diskutiert wurde. (MANNSCHAFT berichtete über Lashana Lynch als weiblicher schwarzer Bond-Alternative.)

Am Dienstagabend in der Royal Albert Hall werden jedenfalls erst einmal Thronfolger Prinz Charles mit seiner Frau Herzogin Camilla und sein Sohn Prinz William mit Herzogin Kate erwartet. William hatte erst unlängst erwähnt, dass er kein Problem damit hätte, wenn eines seiner Kinder homosexuell wäre und sich gegen die Diskriminierung von LGBTIQ ausgesprochen (MANNSCHAFT berichtete).

Oben ohne auf Ibiza
Jonathan Bailey ist derweil in einem allerersten Teaser für die von vielen heiss ersehnte zweite Staffel des Netflix-Superhits «Bridgerton» zu sehen, wo er einen heterosexuellen Verführer spielt.

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Und Luke Evans postet zeitgleich oben-ohne-Fotos von sich auf Ibiza, wo er seinen potentiellen James-Bond-Körper ins perfekte Casting-Licht rückt.

 

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Für Daniel Craig beginnt, nach dem Ausstieg als James Bond, der «dritte Akt» seines Lebens. Auf den er sich freue, wie die NZZ schreibt: «Es ist ein massiver Thrill in meinem Leben. Ich werde spielen, solange ich kann. Ich liebe das Kino.»

Ob nach den langen Corona-Lockdowns und mehrfach verschobenen Premieren die Fans «No Time To Die» im Kino ebenfalls lieben werden, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.



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