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«Gayle» Pläne, Shots und Köttbullar in Zürich

«Shwule Grüsse vom Balkan» FOLGE 2: Balkan-Gay auf Tour

gay bar
Bild: Adobe Stock

Aleksandar aus unserer Kolumne «Shwule Grüsse vom Balkan» will zum ersten Mal durch die Shwulenbars in Zürich ziehen. Noch ist sich Aleks nicht ganz sicher, was passiert, wenn …

Was bisher geschah, kannst du hier lesen … Trotz des Outings hat Can seinen Kumpel Aleksandar so angenommen, wie er ist. Seither fühlt sich Aleksandar viel wohler in seiner shwulen Haut. Auch hat ihn sein bester Kumpel dazu ermutigt, sich mal in der Gay Szene umzuschauen. Allerdings hat Aleksandar einen zu grossen Bammel davor, sich dort umzuschauen, obschon er sich nach einem Partner sehnt.

Denn ihn plagen Ängste und Vorbehalte: ‹Was, wenn die Typen tratschen und mich bei meiner Familie oder bei meinem Chef outen? Oder wenn sie vor mir in High Heels und Glitzer herumstolzieren und mich anmachen? Ich bin doch ein Kerl und will mir den Shwuletten-Stempel ersparen.›

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«Ey, Shwuli – schon ‹gayle› Pläne für den Samstag?», unterbricht Can die innere Zerrissenheit seines besten Kumpels in einer klischeehaften Demonstration einer menschlichen Giesskanne und mit mindestens einer Oktave höheren, leicht frivolen Stimme. «Haha, du Quatschkopf! Ich schwitze Blut beim Gedanken, in einen Gay Club zu gehen», reagiert Aleksandar etwas entnervt und zugleich bedrückt.

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«Ach, komm’ Aleks – das wird gut: Lass uns vorher ein paar Shots kippen, dann kommst du bestimmt in Fahrt und wirst lockerer», versucht ihn Can zu beruhigen. «Was? Du kommst mit in die Gay Clubs?», staunt ihn Aleks ungläubig an. «Ja, warum denn nicht. Ich will doch dabei sein, wenn mein bester Kumpel seinen Flirt des Lebens erlebt», entgegnet Can.

Einige Stunden später treffen sich die beiden in der Stadt. Genauer gesagt im Niederdörfli – dem Ausgehviertel von Zürich. Den Anfang machen sie im Barfüsser – der heutigen kosmopolitischen Sushi-Bar, die in den 1950ern und 1960ern als Ort der Freiheit für Shwule und trans Menschen diente. Ein paar Fischhäppchen und Drinks später finden sie sich in der Bar vom Platzhirsch wieder.

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Doch irgendwie ist hier niemand in Flirtstimmung. Weiter geht’s zum Cranberry’s – einer Shwulenbar, die unter anderem Drinks wie den «Lattenknaller», die «Schlampe» oder das ominöse «Don’t tell Mama» serviert. Von denen könnte Aleks gleich mehrere vertragen, als er die Bar betritt und dabei wie ein saftiges Stück Grillfleisch begutachtet wird, das lange genug dafür herangereift war, um von ein paar brünstigen Typen verschlungen zu werden.

Can merkt das Unwohlsein seines Kumpels in dieser Situation und ist sichtlich amüsiert darüber:

Ey, Alter, die Typen stehen ja voll auf dich. Du brauchst ein Ganzkörperkondom, wenn du bei dem Auftritt nicht schwanger werden willst. Los, schnapp dir einen von denen.

Aleks zögert. Er will ja nicht nur Sex. Also, irgendwie schon. Aber nicht nur. Er will einen Mann an seiner Seite, der mit ihm sein Leben teilt – mit allem, was dazugehört, und nicht einen … Plötzlich taucht ein blonder Hüne auf und reicht Aleks die Hand. Sein Name: Lasse. Ein Theaterschauspieler aus Schweden, wie sich bei den ersten Wortfetzen herausstellt. Er hat schon in verschiedenen Musicals in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland gespielt.

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«Und wie heisst du?» Aleks fällt fast vom Barhocker, weil er es immer noch nicht glaubt, dass sich dieser Adonis im Körper eines Schwimmers für ihn interessiert – einen stämmigen Jugo-Bären: «Äh, ich bin Aleksandar.»

Lasse lächelt ihn an, nimmt ihn an der Hand und sagt in seinem schwedischen, beinahe IKEA-Werbespot-Akzent: «Freut mich. Du scheinst ein lieber Kerl zu sein. Ich würde dich gerne etwas näher kennenlernen. Und die Köttbullars gibt’s heute zum halben Preis!» Aleks lächelt zurück und zweifelt gerade, ob der letzte Satz sich nur in seinem Kopf abgespielt hat oder Lasse ihn zur Auflockerung rausgehauen hat.

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Aleks erwidert raunend: «Ich dich auch.» Kaum fertig gesprochen küsst ihn Lasse. Aleks weiss gar nicht, wie ihm geschieht. Verlegen lächelt er Lasse an, während Can daneben an seinem Drink breit grinsend nippt und sich zurückzieht: «Ich geh’ mal Zigaretten holen.» Aleks nickt ihm mechanisch zu, verliert sich aber gleich wieder unter der Glocke der Zweisamkeit mit Lasse.

*Wir schreiben in dieser Kolumne «shwul» statt «schwul», um den Balkan-­Slang wiederzugeben. Die ersten fünf Folgen sind nach und nach frei verfügbar, alle weiteren Texte danach nur mit MANNSCHAFT+ lesbar.

Martin Rosenberger

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