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FDP will das Projekt Chemsex für die Community streichen

Geplant war eine definitive Aufnahme des Pilotprojekts 2022 im Angebot des Sozialdepartements der Stadt Zürich

Chemsex meth
Bild: iStockphoto

In Zürich klärte das Pilotprojekt Chemsex die queere Community in den vergangenen drei Jahren über den Substanzkonsum im Zusammenhang mit Sex auf. Die FDP will das Angebot nun streichen, obwohl sie kürzlich vermehrtes Drug-Checking gefordert hatte.

Der Zürcher Gemeinderat debattiert zurzeit über das Budget für das kommende Jahr – vorgesehen ist ein Defizit von 173 Millionen Franken. Die FDP will nun sparen, unter anderem auch beim Angebot für die queere Community. Der Sparhammer soll das Pilotprojekt Chemsex treffen, das 2022 in ein definitives Angebot umgewandelt werden soll. Es startetet vor drei Jahren und umfasst mehrere Massnahmen, darunter etwa die Bereitstellung von Materialien zu Safer-Use oder Drug-Checking. Zudem übernimmt das Projekt die Koordination der verschiedenen Akteure, darunter etwa der Checkpoint Zürich, Saferparty.ch und das Drogeninformationszentrum DIZ der Stadt Zürich.

Chemsex ist ein Begriff aus der schwulen Kultur. Darunter ist der Drogenkonsum in Zusammenhang mit Sex zu verstehen, meist unter Männern, die mit Männern Sex haben (MSM).

«Zürich ist schweizweit ein Hotspot der Chemsex-Szene», sagte Dominique Schori von Saferparty.ch gegenüber MANNSCHAFT bei der Lancierung des «Chemsex Drug Checkings» im Juli 2021, eines der Massnahmen des Projekts Chemsex. Wer die Einnahme illegaler Substanzen plant, kann diese einmal im Monat anonym und kostenlos testen lassen. Das Angebot solle einen niederschwelligen und moralfreien Zugang zu Informationen und eine Reduktion von Risiken verschaffen. «Es existieren wenige soziale Beratungsstellen für diese Zielgruppe.»


FDP-Gemeinderat Patrik Brunner will das Projekt Chemsex aus dem städtischen Budget streichen. «Für mich und die FDP ist es eine Frage der Eigenverantwortung», sagt er gegenüber MANNSCHAFT. «Wer solche Risiken eingeht, soll nicht die Allgemeinheit dafür bezahlen lassen. Wenn es eine private Stiftung oder ein Unternehmen gäbe, das diesen Dienst anbietet, würde ich das begrüssen.»

Inwiefern das Angebot bei der Zielgruppe angekommen ist, weiss Brunner nicht. «Es ist eben keine Frage der Nachfrage, sondern der Eigenverantwortung», sagt er. Pikant: Brunners Parteikollege Marcel Müller hatte im November 2020 gemeinsam mit der SP den Stadtrat in einem Postulat aufgefordert, eine bessere Ausrichtung der Öffnungszeiten des Drug-Checkings auf das Wochenende zu prüfen. «In den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag soll in der Nähe der Langstrasse ein niederschwellig zugängliches Testangebot zur Verfügung gestellt werden, mittels welchem Konsumentinnen und Konsumenten zumindest die geläufigsten Partydrogen umgehend analysieren lassen können.»

Gemäss Bastian Baumann, Leiter Checkpoint Zürich, sei es schade und kontraproduktiv, das Chemsex Drug Checking nur wenige Monate nach der Lancierung im Juli 2021 zu beenden. «Wir haben Personen, die vorbeikommen, um das Drug Checking in Anspruch zu nehmen. Es ist jedoch zu früh, jetzt schon irgendwelche Schlüsse zu ziehen», sagt er.


SP-Gemeinderat Alan David Sangines will sich in der Debatte für den Erhalt des Projekts Chemsex einsetzen. «Das Pilotprojekt hat zum Ziel, betroffene Personen über die Risiken des Substanzkonsums zu informieren und Massnahmen zur sicheren Nutzung von Substanzen und Verhütungsmitteln zu fördern», sagt er auf Anfrage von MANNSCHAFT. «Es ist bedauerlich, dass die FDP die Gelder für diese Umsetzung streichen will und damit direkt gegen die Prävention schiesst. Umso mehr, als dass die FDP eine Ausweitung der Drug-Checking-Öffnungszeiten mit uns gefordert hat. Aber sobald Massnahmen kosten, verabschiedet sich die FDP. Seriös ist das nicht.»

Das Chemsex Drug Checking sowie das Pilotprojet Chemsex als ganzes sei ein wichtiges Angebot, das weitergeführt werden müsse, ergänzt Baumann von Checkpoint Zürich: «Es trägt zur Schadensmilderung bei, indem Personen darüber informiert werden, wenn sie potenziell gefährliche Substanzen einnehmen.»

Durch das Chemsex Drug Checking erhoffen sich Präventionsarbeiter*innen rückwirkend einen Zugang zu einer Community, die nicht nur an Partys, sondern moft auch im Verborgenen hinter verschlossenen Türen konsumiert. «Durch ein solches Angebot möchten wir mehr über Chemsex-praktizierende MSM, deren Motivation, Motive und Problemstellungen erfahren, was uns erlauben wird, zukünftige Chemsex-Angebote zu entwickeln und weiterzuentwickeln», sagte Schori gegenüber MANNSCHAFT im Juli. «Zudem erhoffen wir uns durch den verbesserten Zugang und das vermehrte Wissen über diese Zielgruppe eine Versachlichung der teilweise sehr spekulativen Diskussion über diese Thematik.»

Im Sommer 2021 sorgte eine Doku zum Thema Chemsex für emotionalen Gesprächsstoff (MANNSCHAFT berichtete). In Deutschland nimmt die Zahl von sogenannten Chemsex-Partys seit Beginn der Pandemie zu.



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