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«Sexuelle Befreiung»? Doku über Chemsex emotionalisiert im Netz

Vor allem Schwule versuchen mit harten Drogen beim Sex länger geil zu sein, den Druck zu vergessen und sexuelle Normen zu sprengen

In Metropolen wie Berlin, Zürich oder London treffen sich Schwule und bisexuelle Männer, um auf harten Drogen Sex zu haben – zum Chemsex. Eine Reportage darüber stösst im Internet auf grossen Widerhall.

Im wahrsten Sinne hautnah: Seit Tagen ruft eine Doku des Y-Kollektivs über das selten öffentlich diskutierte Thema «Chemsex» starke Reaktionen hervor. In dem Video bei Youtube geht es um Geschlechtsverkehr auf Drogen. Hunderttausendemal wurde der Film der Reporter Nico Schmolke und Philipp Katzer in der ersten Woche angeklickt. Die Redaktion Y-Kollektiv sitzt in Bremen bei der Firma Sendefähig und ist Teil des öffentlich-rechtlichen Inhalte-Angebots Funk. Sie hat seit 2016 etwa 280 Reportagen online gestellt.

Redaktionsleiterin Lea Semen sagt der Deutschen Presse-Agentur, dass sie das Chemsex-Video für «eine der mutigsten Reportagen» der letzten fünf Jahre halte. Auch viele User*innen bei YouTube nennen sie in den Kommentaren eine «wirklich klasse Reportage» oder bedanken sich für den «spannenden Einblick».

In dem 30-minütigen Video erzählt das Berliner Männerpaar Tadzio und Wolf offen von seiner Suche nach sexueller Befreiung mittels Drogenkonsum. Die Reporter und das Publikum bekommen intime Einblicke – Motto: Verstehen, ohne zu verurteilen. Es geht um Orgien, Hemmungslosigkeit und das Verschieben von Grenzen.


Die meisten Reaktionen auf die Chemsex-Doku sind sehr emotional, viele loben die Offenheit der Reporter und Protagonisten. Ausgespielt wird sie über Funk von ARD und ZDF, das sich an 14- bis 29-Jährige richtet, wobei das Y-Kollektiv Leute von 24 bis 29 ansprechen will.

Mit «Chemsex» ist (meist stundenlanger) Sex unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen gemeint wie etwa Kokain, Ketamin, Marihuana, Liquid Ecstasy (GHB), Ecstasy (MDA oder MDMA) oder Crystal Meth (gerne auch «Tante Tina» genannt).

In den ersten sieben Tagen bis Donnerstag hatte die Reportage «Chemsex – Warum einige Schwule auf Drogen Sex haben» bei Youtube schon mehr als 350 000 Aufrufe.


Das sind in etwa genausoviele wie die zwei Jahre alte Y-Kollektiv-Doku «Rassismus an Clubtüren? Haben es ausländisch aussehende Männer schwerer reinzukommen?». Andere Dokus haben nach einigen Jahren Millionen Abrufe, darunter «Die Sucht nach Pornos».

Das Phänomen Chemsex ist seit Jahren vor allem in Metropolen wie New York, Los Angeles, London, Madrid, Mailand, Paris, Wien, Zürich oder auch Berlin Thema bei Schwulen beziehungsweise MSM – also Männern, die mit Männern Sex haben.

Dabei spielt oft auch die Geschlechterrolle des stets geilen, immer könnenden Kerls eine Rolle und der Druck, den sich Männer gegenseitig machen. Genau dies wird im Video auch thematisiert.


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