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Die Pedestrians für einen Tabubruch im Reggae

Die Schweizer Reggae-Pop-Band «Pedestrians» spielt diesen Sommer an mehreren Festivals. Wir verlosen zwei von Loïc und Mike signierte CDs «What’s The Difference?».

Mike und Loïc, mit Pedestrians habt ihr heuer zum zweiten Mal in Folge am Gurtenfestival gespielt. Wie erlebt ihr das Festival?
Mike: Viel intensiver. Die Bühne ist grösser, wir performen draussen und viel mehr Leute hören uns zu. Letztes Jahr spielten wir in der Bamboo Bar, dieses Jahr war es die Waldbühne. Wir stehen sogar mit Beschrieb im offiziellen Programm.

Mike, du tanzt jeweils ausgelassen und immer barfuss. Was hat das auf sich?
Mike: Ich fühle mich beim Singen einfach wohler, wenn ich barfuss bin. Es ist einfacher zum Tanzen und ich fühle mich geerdet und freier.


Loïc: Auch beim Proben singt er barfuss oder in den Socken.

Hat das etwas mit eurem Bandnamen zu tun?
Mike: Nein. Obwohl das Barfusssein extrem gut zu unserem Namen passt, kam «Pedestrians» zuerst.

Loïc: Dass Mike ohne Schuhe auf der Bühne steht, merkten wir erst, als uns jemand danach fragte. Für uns war es selbstverständlich (lacht). Ich würde auch gerne barfuss spielen, wir gehen aber mit Effektgeräten um, da braucht es die Schuhe.


Woher kommt denn der Name «Pedestrians»?
Mike: Er drückt etwas Simples, Bodenständiges aus. Wie du jeweils sagst, Loïc, der Name kommt vom Schritt, vom Weitergehen, wie ein Fussgänger. So soll auch unsere Musik sein. Sie soll einfach weiterziehen und dabei mitziehen, ohne zu viel zu wollen.

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Mit dem Preisgeld eines Bandwettbewerbs habt ihr in England eure EP «What’s the difference» aufgenommen. Wie habt ihr die Zeit in England erlebt?
Mike:Die Band «Will and the People» hat uns eingeladen, dort zu produzieren. Sie verfügt über sehr viel Erfahrung und Know-how. Das Studio war grossartig und fühlte sich an wie ein Wohnzimmer.

Loïc: Einfach wegzufahren war cool. Man geht und kommt mit einer EP im Gepäck wieder nach Hause.

Wie geht ihr das Songwriting an? Arbeitet jeder für sich oder ist es ein gemeinsames Unterfangen?
Loïc: Zu fünft, obwohl es schon sein kann, dass jemand eine Idee hat, die er im stillen Kämmerlein erarbeitet hat. Gemeinsam «jammen» wir dann rum, bis etwas entsteht. Ein Song entsteht erst, wenn wir zusammenkommen.

Mike:Alle steuern einen gleichen Teil dazu bei. Wir sind alle involviert und das ist das Schöne.

Ihr habt schon mehrere Konzerte im Ausland bestritten, darunter auch in Deutschland und in Holland. Wie wurde eure Musik dort aufgenommen?
Mike: Im Grossen und Ganzen sehr gut, obwohl das für uns ein Sprung ins kalte Wasser war. Alle hatten immer Freude – wir wurden nicht falsch verstanden. Es ist nämlich nicht selbstverständlich, dass unsere Botschaft auch im Ausland ankommt. Wir konnten also den Funken überspringen lassen.

Ihr habt einen vollgepackten Terminkalender. Vom Gurtenfestivals gehts ans Moon & Stars und nach Holland. Worauf freut ihr euch besonders?
Mike: Schwierig, dieses Wochenende war schon ein grosses Highlight. Wir haben noch den ganzen Sommer vor uns und ich freue mich aufs Unterwegssein, sei es jetzt Montreux oder Holland. Wir sind zusammen unterwegs und können auf der Bühne sein. Einfach gehen und abgemeldet sein, das ist toll.

Loïc: Als Badener freuen wir uns besonders auf die Badenfahrt, das ist ein Fest bei uns in Baden Ende August.

Ende Jahr erscheint euer neues Album. Was könnt ihr schon verraten?
Mike: Wir haben noch viel Songwriting vor uns. Ganz ehrlich: Wir wissen nicht, was dabei rauskommt. Soviel passiert, bevor man ins Studio geht, man steigt in diese grosse kreative Blase ein.

Loïc: Aber es wird kommen. Wir spüren es. Es wächst aus uns heraus.

[perfectpullquote align=“full“ cite=““ link=““ color=““ class=““ size=““]«Reagge ist noch sehr formbar, man kann viel damit machen. Das Genre ist noch lange nicht ausgereizt.»[/perfectpullquote]

Mike, du hast eine unglaublich tiefe Stimme, die perfekt zum Reggae passt. Hast du schon immer Reggae gesungen?
Mike: Nein, überhaupt nicht. Ich hatte nie Gesangstunden oder so, sondern habe immer so Singer-Songwriter-Sachen gemacht. Erst später habe ich gemerkt, dass meine Stimme gut zum Reggae passt.

Was fasziniert euch an der Reggae-Kultur?
Mike: Reagge ist noch sehr formbar, man kann sehr viel damit machen. Das Genre ist noch lange nicht ausgereizt.

Loïc: Wie Bauklötze kann man verschiedene Elemente anders anordnen. Bei anderen Musikstilen wurde das von vielen Künstlern schon gemacht. Im Reggae hat es noch viel Platz dafür.

Habt ihr auch schon negative Stimmen gehört? Zum Beispiel, was verstehen fünf weisse Jungs vom Reggae?
Mike:Das kann ich gut nachvollziehen. Wir machen keinen Roots-Reggae. Wir sind keine Rastafaris, die sich dem spirituellen Kult vom Reggae verschrieben haben. Wir sind eine bekennende Reggae-Pop-Band. Wir bedienen uns einzelner Reggae-Elemente. Ich verstehe voll und ganz, wenn jemand sagt, dass wir keine Reggae-Künstler sind, die in die Rootsbewegung von Jamaika verliebt sind.

[perfectpullquote align=“full“ cite=““ link=““ color=““ class=““ size=““]«Die Schweizer Reggae-Szene ist sehr tolerant und geht offen mit Homosexualität um.» [/perfectpullquote]

Bei uns im Magazin war Reggae ein Thema, weil er zum Teil homophobe Texte enthält oder Künstler wie Bounty Killer zur Gewalt gegen Schwule aufrufen. Ist der Reggae heute toleranter geworden?
Mike: Die Schweizer Reggae-Szene ist sehr tolerant und geht offen mit Homosexualität um. Es herrscht ein richtiger Hippie-Vibe. Mir und uns allen ist bewusst, dass der Reggae früher explizit dagegen war. Und ich finde es gut, wenn wir da ausbrechen und dafür einstehen können, dass es nicht so sein muss. Daher habe ich keine Mühe, nicht als jamaikanischer Künstler zu gelten, denn das bin ich auch nicht. Das Tabu breche ich also gerne.

Was bedeutet Reggae für euch?
Loïc: Es ist ein Musikstil, der mit viel positiver Energie geladen ist. Immer wenn ich ihn höre, gibt er mir einen Schub. Die Energie, die drin steckt, wollen wir reproduzieren und weitergeben. Der Rap fehlt bei uns, denn er ist nicht das, was uns am Reggae gefällt.

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Ihr habt am Konzert eine tolle Interpretation von Adeles «I’m Addicted To You» hingelegt. Warum gerade Adele?
Mike: Die Lyrics sind sehr stark und gewieft. Gerade die Thematik der Liebe, die wie eine Drogensucht sein kann.

Loïc: Der Song geht einfach ab! Es macht Freude, Cover zu spielen. Hie und da spielen wir einen der grossen Pophits.

Mannschaft Magazin verlost zwei signierte CDs «What’s The Difference?» von den Pedestrians.

Der Wettbewerb ist jetzt geschlossen.
(Teilnahmebedingungen: Teilnahmeschluss: 31. Juli 2017. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.)


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