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Die deutschen Katar-Pläne: Zwischen Luxus und Menschenrechten

Es seien Gespräche mit Menschenrechtsorganisationen geplant

WM 2022 in Katar
März 2021: Die Spieler der deutschen Nationalelf bilden den Schriftzug: Human Rights (Foto: Tobias Schwarz/AFP-Pool/dpa)

Die heisse Phase der Vorbereitung auf die WM kann beginnen. Die deutsche Nationalmannschaft kennt ihre Vorrundengegner, zumindest teilweise. Die gesellschaftlichen Themen in Katar werden den DFB weiterhin begleiten – auch in die Abgeschiedenheit des Nordens.

Bundestrainer Hansi Flick sass schon wieder im kalten Deutschland auf der Tribüne, als im Nirgendwo von Katar die WM-Planungen vorangetrieben wurden. Das luxuriöse Zulal Wellness Resort ganz im Norden des Emirats erwartete am Wochenende weiteren Besuch des Deutschen Fussball-Bundes, die grosse Anlage ist von der Hauptstadt Doha aus nur mit dem Auto in etwas über einer Stunde zu erreichen. Hier will Flick mit der deutschen Nationalmannschaft dem Vernehmen nach vor den Vorrundenkrachern auch gegen Ex-Weltmeister Spanien einziehen. Weit weg vom Trubel dieser höchst umstrittenen WM 2022.

Ein Ressort im Norden
«Das hat nichts mit abschotten zu tun, sondern es geht einfach darum, wo wir die besten Voraussetzungen haben», sagte Flick nach der Auslosungsshow am Freitagabend, die Deutschland als dritten Gegner den Gewinner der Playoffpartie zwischen Costa Rica und Neuseeland brachte. Noch gebe es zwei Alternativen. Das Ressort im Norden, das liess sich auch bei DFB-Direktor Oliver Bierhoff raushören, ist aber klarer Favorit.

Die Strasse dorthin führt zu dem Hotelkomplex, der kleinen Hafenstadt Ruwais – und sonst ins Nichts. Die braunen Hinweisschilder stehen noch in der Wüste, grün wird es erst an der Einfahrt der abgeschirmten Anlage. Das benachbarte Trainingsgelände gleicht einer Burg, die Bedingungen scheinen auf höchstem Standard. Nebenan ist ein übergrosser Fussball mit den goldenen Zahlen «2022» aufgebaut.


Das würde zum DFB passen, der das Quartier Campo Bahia in Brasilien heute noch gerne als Faktor für den WM-Titelgewinn 2014 nennt. Vier Jahre später ging die Basiswahl mit dem Watutinki-Komplex weit ausserhalb Moskaus grandios schief.

Wie viel Wohlfühlatmosphäre ist nötig für eine erfolgreiche WM? Und kann sich Luxus in Katar überhaupt gut anfühlen? Für die am Wochenende noch in Doha verbliebene DFB-Delegation waren weitere Gespräche zur Menschenrechtsfrage geplant. Der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte angekündigt, sich vor Ort ein Bild machen zu wollen.

Gespräche geplant
Der WM-Gastgeber steht seit Jahren wegen der Menschrechtslage und den Bedingungen für ausländische Arbeiter in der Kritik, die in der Auslosungswoche lautstark erneuert worden war. Beim FIFA-Kongress am Donnerstag stand die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness auf und sprach die Missstände deutlich an (MANNSCHAFT berichtete).


«Das ist für die nächsten Monate unsere Aufgabe, dass wir uns klar positionieren», sagte Flick. Er und Bierhoff kündigten weitere Gespräche mit den Nationalspielern an, die zuletzt von Vertretern von Menschenrechtsorganisationen einen ersten Überblick bekommen hatten. Im Sommer seien Diskussionsrunden geplant, sagte Bierhoff. «Nicht nur mit Menschenrechtsorganisationen, sondern mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, auch mit Menschen, die hier gearbeitet haben, um ganz authentische Berichte zu haben und ein Bild davon zu bekommen, wie dieses Land funktioniert.»

Keine acht Monate vor dem WM-Beginn stellen immer wieder Aussagen von Experten – aber auch aus Katar selbst – die Tauglichkeit des Emirats als Gastgeber infrage. Ein katarischer Sicherheitsverantwortlicher sprach sich gegen das Zeigen von Regenbogenfahnen aus, weil er mögliche Angriffe befürchtet (MANNSCHAFT berichtete). Die Regenbogenfahne steht weltweit als Symbol für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Wie gross dieses Thema ist, hatte die vergangenen Europameisterschaft gezeigt. Homosexualität ist in Katar gesetzlich verboten.

«Seriös und gut positionieren»
Die FIFA teilte auf Anfrage erneut mit, dass Regenbogenfahnen im Stadion erlaubt seien. Und die katarischen WM-Organisatoren erklärten, dass sie Richtlinien des Weltverbandes diesbezüglich respektieren würden. Fanverbände schrieben in einer gemeinsamen Stellungnahme: «Wir können unseren Mitgliedern, LGBTIQ-Menschen und Verbündeten nicht guten Gewissens sagen, dass dies eine WM für alle ist.»

Im Spannungsfeld dieser Fragen bewegt sich auch der DFB, der sich laut Neuendorf nach dem Sammeln von Eindrücken und Informationen «seriös und gut positionieren» wolle. Den Nationalspielern sind diese Themen längst nicht mehr fremd, Führungsspieler wie Leon Goretzka gehen voran. Beim Turnier selbst werden die sportlichen Ziele überwiegen, die Verantwortung für die richtige Haltung trägt der Verband.

Vieles wird anders
Am sportlichen Ziel liess Flick am Freitagabend kurz vor seiner Abreise keinen Zweifel. «Wir wollen so weit wie möglich kommen», sagte der 57-Jährige, der am Samstag schon wieder das Bundesliga-Spiel der TSG 1899 Hoffenheim gegen den VfL Bochum verfolgte. Beim Gruppenfoto der Nationaltrainer war der goldene WM-Pokal schon in Reichweite.

Die Japan-Partie wird am 23. November um 14.00 Uhr deutscher Zeit angepfiffen, das Schlagerspiel gegen Spanien vier Tage später am ersten Advent folgt zur besinnlichen Anstosszeit um 20.00 Uhr. Ebenso das dritte Gruppenspiel am 1. Dezember. Vieles wird anders bei dieser WM, die auch nicht mit dem ersten Spiel des Gastgebers beginnt. Katar bestreitet zwar am 21. November das offizielle Eröffnungsspiel gegen Ecuador, zuvor sind aber die Partien Senegal gegen die Niederlande und England gegen den Iran angesetzt.

Die Abstellungsperiode beginnt am 14. November, unmittelbar nach dem 15. Bundesliga-Spieltag. Der DFB plant ein Testspiel in der heissen Vorbereitungsphase, wie Bierhoff am Freitagabend bestätigte. Der Gegner steht noch nicht fest, dürfte aber aus dem WM-Teilnehmerfeld kommen. «Wir haben uns eine Wenn-dann-Strategie erarbeitet. Jetzt schauen wir mal, wie wir es fixieren», sagte Flick.


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