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Corona-Krise bremst HIV-Bekämpfung weltweit

Es gab 2020 einen deutlichen Rückgang bei Tests und Präventionsmassnahmen

HIV
Foto: Lukas Schulze/dpa

Die Corona-Krise hat dramatische Auswirkungen auf die Eindämmung des HI-Virus. Das mahnten bereits das UN-Programm UNAIDS, der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria, die Deutsche Aidshilfe sowie 100% Life an.

Wegen der Corona-Pandemie sind nach einem neuen Bericht deutlich weniger Menschen auf das Aids-Virus (HIV) getestet worden. Dies alarmiert Gesundheitsexpert*innen, weil weniger Tests bedeuten, dass neue Infektionen nicht entdeckt wurden. Wenn Infizierte nicht behandelt werden, steigt für sie die Lebensgefahr und ebenso das Risiko, dass sie andere Menschen anstecken.

«Das ist eine alarmierende Situation, wenn man bedenkt, dass es bei den neuen HIV-Infektionen in der WHO-Europaregion in den vergangenen zehn Jahren einen Aufwärtstrend gab», teilten das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und am Dienstag  mit.

Expert*innen halten es für möglich, dass sich Coronavirus-Variante Omikron bei einem HIV-Infizierten entwickelt hat.

Das hat auch Folgen für andere Krankheiten, wie gerade die neue Coronavirus-Variante Omikron nahelegt. Expert*innen halten es für möglich, dass sich Omikron bei einem HIV-Infizierten entwickelt hat. Bei schlecht therapierten HIV-Patienten ist das Immunsystem sehr geschwächt, und in Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann sich ein Virus wie das Coronavirus über viele Wochen vermehren. Die unfaire Corona-Impfstoffverteilung führt dazu, dass Menschen im südlichen Afrika, wo die Mehrheit der HIV-Infizierten lebt, bislang mangels Impfstoff kaum gegen das Coronavirus geimpft werden konnten.


Die Zahl der gemeldeten HIV-Neuinfektionen sei in der Europa-Region 2020 um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, teilten die Behörden mit. Die Region umfasst 53 Länder, darunter neben der EU auch die Türkei, Turkmenistan, Russland und Israel. Erhebungen legten nahe, dass die Zahl der Menschen, die von ihrer Infektion nichts wissen, steige. In der EU und Island, Liechtenstein und Norwegen (EWR – Europäischer Wirtschaftsraum) seien 2020 insgesamt 14 971 Infektionen gemeldet worden, in der gesamten WHO-Europaregion 104 765. Im EWR werde das Virus vor allem bei gleichgeschlechtlichem Sex unter Männern übertragen, im östlichen Teil der Region infizierten Menschen sich vor allem durch heterosexuellen Kontakt und Drogenspritzen.

Aufgrund von Covid-19 sind aber auch personelle und finanzielle Ressourcen für HIV umgelenkt, Präventionsprogramme kompromittiert und Lieferketten – einschliesslich für überlebenswichtige Medikamente – unterbrochen worden. Die Bekämpfung von HIV sei zwar schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie weltweit zu langsam fortgeschritten. Doch aufgrund von Covid-19 habe die HIV-Eindämmung einen weiteren Rückschlag erlitten, sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Aidshilfe Silke Klumb vor dem Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember.

Mit HIV infizierte Menschen haben nach Angaben von UNAIDS ein doppelt so hohen Risiko als die Allgemeinbevölkerung, an einer Corona-Erkrankung zu sterben. Die meisten Menschen mit HIV hätten jedoch noch immer keinen Zugang zu Corona-Impfstoffen. Zwei Drittel aller Menschen mit HIV leben in Afrika südlich der Sahara – dort hatten bis Mitte des Jahres erst drei Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfdosis erhalten. «Pandemien verstärken die Ungleichheit», sagte der Exekutivdirektor des Globalen Fonds, Peter Sands. «Wir befinden uns in einer Zeit beispielloser Herausforderungen.»


Rückgang von HIV-Tests und HIV-Präventionsmassnahmen
Nach Angaben des Globalen Fonds habe es im vergangenen Jahr weltweit einen mehr als zehnprozentigen Rückgang von HIV-Tests und HIV-Präventionsmassnahmen gegeben. Als Folge hätten viele mit HIV-infizierte Menschen ihre Behandlung spät begonnen. Die Corona-Pandemie habe zudem «katastrophale Auswirkungen» auf die weltweite Bekämpfung von Tuberkulose (TB) gehabt. Die Zahl der HIV-positiven TB-Patienten, die sowohl eine antiretrovirale als auch eine TB-Behandlung erhielten, sei 2020 um 16 Prozent zurückgegangen.

Weltweit haben sich nach UN-Angaben rund 80 Millionen Menschen seit der Meldung der ersten AIDS-Fälle 1981 mit dem HI-Virus infiziert, 36,3 Millionen infizierte Menschen sind gestorben.

Die Bangerz bringen mit dem vielfach ausgezeichneten Countertenor Nils Wanderer bringen mit «St. Petersburg» einen Charity-Song zum Welt-AIDS-Tag heraus (MANNSCHAFT berichtete).

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