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«treff.LGBT+» – Erste Anlaufstelle für Queers in Chur öffnet

Jugendliche können sich hier austauschen und beraten lassen

Chur LGBT
Foto: Rebekka Weber, Vorstand sozialwerk.LGBT+

Mit dem treff.LGBT+ in Chur öffnet das sozialwerk.LGBT+ im Februar die erste offene Anlaufstelle für LGBTIQ im Kanton Graubünden.

«In unseren Räumlichkeiten an der Goldgasse 4, inmitten der Churer Altstadt, finden endlich Angebote für queere Menschen und Interessierte statt. Den Anfang macht aufgrund der COVID Beschränkungen unser Jugendtreff mit LGBTIQ-Schwerpunkt. Jugendliche können sich hier zu LGBTIQ-Themen austauschen und beraten lassen. Auch Graubündens erste queere Jugendgruppe «whatever» ist bereits in den treff.LGBT+ eingezogen», so Holger Niggemann, Jugendarbeiter und ab 1. Februar Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins. Vorher traf sich die Gruppe in Räumen der Stadt, doch den Bedarf für häufigere Treffen konnte man dort nicht erfüllen.

Am kommenden Mittwoch geht es los. Geöffnet hat der treff.LGBT+ mittwochs und samstags ab 16 Uhr. Für Beratungsstellen ist eine Öffnung auch im Lockdown erlaubt, mehr als vier Jugendliche und eine Fachkraft dürfen sich aber nicht gleichzeitig hier aufhalten, so Holger Niggemann gegenüber MANNSCHAFT.


Neben dem Jugendangebot werden verschiedene weitere Informations-, Bildungs- und Kulturangebote in den Räumlichkeiten des treff.LGBT+ ihren Platz finden. «In der Schweiz konzentriert sich queeres Leben leider nur auf die Ballungsräume Zürich, Basel, Bern oder ins benachbarte Ausland. Daher haben es queere Menschen, eben vor allem Junge aus dem Kanton Graubünden schwer, ihren Bedürfnissen an queerer Kultur, Austausch und Treff nachzukommen», so Björn Niggemann, Vorstand des sozialwerk.LGBT+.

Chur LGBT
Holger und Björn Niggemann (Foto: Rebekka Weber, Vorstand sozialwerk.LGBT+)

«Für Menschen ausserhalb der heteronormativen und zweigeschlechtlichen Welt besteht ein höherer psychischer Stress. Dieser äussert sich bedauerlicherweise in einer bis zu sechsfach höheren Suizidrate. Um diesem Stress entgegenzuwirken ist es notwendig, dass es für LGBTIQ Menschen Angebote gibt, in denen sie nicht aufgrund ihrer Identität, Sexualität oder ihres Genders eine Minderheit bilden», so Björn Niggemann. Es braucht einfache Angebote für LGBTIQ, in denen sie ihre Lebenssituation nicht immer wieder erklären müssen, um Verständnis bei anderen Menschen zu bekommen- dies vor allem in ländlicheren Regionen fernab der grossen Städte.

«Wir wollen (junge) Menschen in der Region halten, Angebote vor Ort bieten und auch die wirtschaftlichen Auswirkungen abfedern. Dank der Unterstützung von Stadt und Kanton sowie Privaten und Firmenspendern bekommt die wichtige queere (Jugend-) Arbeit endlich das nötige Gewicht und Aufmerksamkeit», erklären Holger und Björn Niggemann.


Der finanzielle Aufwand bleibe aber hoch und so sucht der Verein weiterhin nach Förder*innen. Das sich das rentiert, zeigt der vor kurzem bereits erschienene Jahresbericht 2020, den der Verein auf seiner Website allen Interessierten zur Verfügung stellt. Denn trotz COVID hat der Verein seit Gründung im Februar 2020 bereits über 700 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet, über 60 Netzwerkpartner*innen etabliert und mehrere hundert Kontakte von LGBTIQ gefördert.

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«Wir planen bereits weitere Projekte, die wir realisieren wollen und sobald es die COVID Situation zulässt. So möchten wir in diesem Jahr mindestens eine weitere Arbeitsstelle schaffen, eine Fachtagung zum Thema Trans in Chur durchführen, eine Infohotline und Chat zur Beratung einrichten und weitere Gruppen den treff.LGBT+ nutzen lassen». Der Kanton sei bereits bunter geworden.

Das sozialwerk.LGBT+ setzt sich laut Eigenbeschreibung für die Belange von LGBTIQ, ihren Angehörigen und Freund*innen im Kanton Graubünden und der Ostschweiz ein. Insbesondere bietet das sozialwerk.LGBT+ mit dem neuen treff.LGBT+ Beratungs-, Bildungs-, Vernetzungs-, Kommunikations- und Kulturangebote an. Der Verein steht ein für Chancengleichheit des queeren Lebens in allen Belangen und streben die Zusammenarbeit mit anderen gleichgerichteten Organisationen an.


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