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China: Familien zwingen LGBTIQ zu Konversionstherapien

Zu den Methoden gehören Akupunktur, Hypnose oder gar Elektroschocks

Bild: iStockphoto

In China müssen LGBTIQ-Personen oft unfreiwillig brutale Konversionstherapien über sich ergehen lassen, die aus Akupunktur, Hypnose, fragwürdigen Medikamenten oder gar aus Elektroschocks bestehen. Meist sind es ihre Angehörigen, die sie dazu zwingen.

Konversionstherapien zur «Umpolung» der Homosexualität oder Geschlechtsidentität sind in China weit verbreitet und werden sowohl von öffentlichen Krankenhäusern als auch von Dienstleistern ohne medizinische Zulassung angeboten. Die Behörden verschliessen gemäss einem neuen Bericht von mehreren Organisationen Augen und Ohren.

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Einer dieser Organisationen ist die «Public Interest Law Center on Equal Rights for LGBTI». Konversionstherapien sind «nicht nur eine Verkaufsmasche, sondern auch eine Menschenrechtsverletzung», sagt Geschäftsleiter Wang Zhenyu gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Es seien vor allem die Familien der LGBTIQ-Personen, die sie zu den «Therapien» zwingen würden.



Der Bericht kommt zum Schluss, dass in China mindestens 96 Zentren in 25 Städten eine Konversionstherapien durchführen. Die Organisationen befragten die Gesundheitsämter der jeweiligen Städte, ob sie gegen die Anbieter vorgegangen seien. In 17 Städten habe man keine Massnahmen ergriffen. Vier Städte, darunter die Hauptstadt Peking und die Metropole Changsha, sanktionierten zwischen 2017 und 2018 medizinische Einrichtungen, weil diese ohne Zulassung psychiatrische Dienste anboten.

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2011 strichen die chinesischen Behörden Homosexualität aus ihrer Liste psychischer Erkrankungen. Obwohl zwei Gerichte 2014 und 2016 bereits zugunsten von Betroffenen entschieden und die verabreichten Konversionstherapien als illegal bezeichneten, ist die Praxis in China immer noch legal. Eine Anfrage zur Stellungnahme von Reuters an die nationale Gesundheitskommission blieb unbeantwortet.

Amnesty International machte im Mai 2019 auf die prekäre Lage von LGBTIQ-Menschen in China aufmerksam (MANNSCHAFT berichtete). Die Organisation machte die Geschichte der trans Frau Huiming öffentlich, die lieber Hormone vom Schwarzmarkt als vom Krankenhaus bezog, da Letzteres eine Zustimmung der Eltern vorausgesetzt hätte. 2016 versuchte sie, ihre männlichen Geschlechtsorgane eigenhändig zu entfernen. Die Selbstoperation schlug fehl und Huiming musste in die Notaufnahme gebracht werden.


Der Einsatz von Elektroschocks zur «Heilung» der Homosexualität oder Geschlechtsidentität ist in China nicht neu. 2017 berichtete Human Rights Watch von 17 Betroffenen, die in privaten und öffentlichen Krankenhäusern festgehalten wurden, oft in psychiatrischen Abteilungen (MANNSCHAFT berichtete). «Der Psychiater hat zu meiner Mutter gesagt: ‹Homosexualität ist wie alle anderen Geisteskrankheiten, wie Depressionen, Angst- oder bipolare Störungen. Sie kann geheilt werden (…). Vertrauen Sie mir, er ist hier in guten Händen›», berichtete ein Betroffener.

In Deutschland machte Gesundheitsminister Spahn kürzliche nähere Angaben zum geplanten Verbot von Konversionstherapien (MANNSCHAFT berichtete). In der Schweiz sprach sich der Bundesrat im September gegen ein Verbot aus, gefragt ist nun das Parlament (MANNSCHAFT berichtete).


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