«Zürich ist wie Streicheln, Berlin: voll in die Fresse»

Der Technopapst Sandro will die Comedybühnen erobern

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Vom Bub zum Technopapst: Sandro aus Graubünden (Bild: Tobias Dörer)

3+ startet eine neue Staffel der Auswanderer-Doku-Soap «Adieu Heimat», über Menschen, die ihr Glück im Ausland suchen und sich ein neues Leben aufbauen möchten. Diesmal ist der queere Comedian Sandro dabei.

Der Ex-Zürcher erzählt im MANNSCHAFT-Interview, was er an seiner neuen Heimat Berlin mag bzw. hasst und wie er als Technopapst die Comedy-Bühnen erobern will.

Sandro hat es nach Berlin gezogen. Als Barmanager war er früher in Zürich in der Gastronomie tätig und arbeitet in Berlin nun als Eventmanager. Vor allem aber will sich der 32-Jährige eine Bühnen-Karriere aufbauen: «Es ist mein grosser Traum, mir als Stand-up-Comedian einen Namen zu machen.» Bei Instagram firmiert er als Technopapst.

«Ich komme aus Graubünden, aus dem kleinen Dorf Rodels, war dann 12 Jahre in Zürich und ich habe mich da zuletzt so ein bisschen lost gefühlt. Irgendwie konnte ich mich nicht richtig entfalten und nicht so kreativ sein, wie ich eigentlich bin.»

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Technopapst Sandro lebt jetzt in Berlin

Sandro, der seit 10 Jahren einen festen Freund hat, bezeichnet sich als rastlosen Menschen: «Ich brauche Action!»

Berlin kannte er schon von Wochenendtrips, vom Feiern und wusste: Es ist schon eine ganz andere Welt mit ganz eigenen Herausforderungen: «Es gibt auch Momente, wo ich Berlin hasse, wo mir einfach wirklich alles zu viel ist. Da sitze ich in der U-Bahn, und neben mir spritzt sich einer Heroin, die andere ist am Rumschreien. Dann denke ich: ,Oh mein Gott, ich will einfach weg!’ Aber im Grossen und Ganzen Berlin liefert so viele Geschichten, auch für Comedy.»

All die Geschichten, die er in seinen Comedy-Auftritten erzählt, sind tatsächlich passiert, sagt Sandro im Gespräch mit MANNSCHAFT. «Natürlich wird das Ganze ein bisschen überspitzt und dramatisiert, aber das sind tatsächlich alles wahre Geschichten, die ich erlebt habe.»

Immer wieder hat seine verrücktesten Erlebnisse aufgeschrieben, und als er sie später wieder durchlas, dachte er: «Das ist eigentlich das perfekte Material für Comedy-Nummern.»

Er hat mittlerweile ein ganzes Programm zusammen: Comedy mit Videoinstallation und Karaoke. «Berlin brutal - Vom Schwiizer Buab zum Technopapst», soll es heissen.

Technopapst Sandro aus Graubünden
Sandro beim 3+-Dreh

«In der Show starte ich tatsächlich als Schweizer Junge mit dem Schweizer Techno, den ich früher gehört habe, Gigi D’Agostini und Faithless sowas, und auf der Bühne verwandle ich mich dann in diesen Technopapst, der Hohenpriester des Techno.»

Eine Weile ist er in Zürich als Dragqueen aufgetreten und hat dort eine Schlagershow gehostet und moderiert. Das bezeichnet er rückblickend als Findungsphase. «Wenn ich jetzt lese was ich dort für Witze gebracht habe ... also das ist schrecklich», sagt er lachend.

Dazu kommt: Das Publikum in Zürich unterscheidet sich durchaus von dem in Berlin. «Meine Erfahrung in der Schweiz, auch als Zuschauer, ist: Die Leute klatschen, auch wenn sie es nicht witzig finden, das ist die Schweizer Höflichkeit. In Deutschland merkst du ganz krass, wenn du nicht ankommst, dann lacht auch niemand.»

Diese Art von Reaktion hat er lieber. «Die Berliner Schnauze ist so direkt und knallhart. Und wenn du gut ankommst, wirst du auch richtig gefeiert.»

Er schätzt die direkte Verbindung, das direkte Feedback sehr, weil er weiss: Nur so kann man seine Texte optimieren und sich verbessern.

«Ich will, dass mich jemand zerknüllt auf den Boden schmeisst, und ich muss wieder aufstehen.»

Technopapst Sandro

«Ich sage immer: Zürich, oder die Schweiz insgesamt, ist so ein bisschen wie Streicheln, Berlin ist voll in die Fresse.» Bei einigen seiner Auftritte hat ihn das Team von «Adieu Heimat» begleitet.

Als ihn mal jemand gefragt, warum er nach Berlin ausgewandert ist, sagte er: «Ich will einfach, dass mich jemand zerknüllt auf den Boden schmeisst, und ich muss wieder aufstehen.»

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Technopapst Sandro in Action

Mit seinen Geschichten mit Techno-Ansatz würde er in der Schweiz eher anecken, glaubt er. «Gerade in meinem Heimatdorf würden viele es auch gar nicht verstehen. Bei ,Adieu Heimat’ bin ich gespannt, was sie an Material drinlassen: Es ist ja sinnlos, wenn ich Witze mache, und du musst da immer ein Piep drüber legen.»

Politische Witze will er auf der Bühne jedenfalls nicht machen. «Die Leute sitzen da, um zu lachen und einfach kurz aus dem Alltag rauszukommen.»

«Adieu Heimat» startet am 12 Januar bei 3+.

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