Wanda Sykes trollt Ricky Gervais: Award für Trans-Community
Komiker Ricky Gervais ist Atheist und macht gerne transfeindliche Witze. Als Laudatorin für Stand-up Comedy im TV nahm Wanda Sykes seinen Golden-Globe-Award stellvertretend entgegen – und widmete ihn der Trans-Community und Gott.
Bei den Golden Globe Awards setzte Komikerin Wanda Sykes einen der deutlichsten politischen Akzente des Abends. Sie war als Laudatorin für die Kategorie «Best Performance in Stand-Up Comedy on Television» auf der Bühne, als Ricky Gervais gewann – selbst aber nicht anwesend war. Sykes nahm den Preis stellvertretend entgegen und nutzte den Moment für eine klare Botschaft.
Auf der Bühne nahm Sykes den Golden Globe stellvertretend für Ricky Gervais entgegen. In ihrer spontanen Dankesrede erklärte sie, der Preis gehe an «Gott und die Trans-Community». Die Bemerkung war ein gewollter Seitenhieb gegen Gervais, der bekennender Atheist ist und in den vergangenen Jahren wegen transfeindlicher Witze kritisiert wurde. (Mit Connor Storrie und Hudson Williams von «Heated Rivalry» gab es bei den diesjährigen Golden Globes übrigens noch einen weiteren queeren Moment).
Gervais hat sich zu der Kritik an diesen Witzen nie öffentlich geäussert. Netflix-CEO Ted Sarandos stellte sich damals hinter ihn und erklärte, Komiker würden herausfinden, wo die Grenze liege, indem sie diese «ab und zu überschreiten». Freie Meinungsäusserung sei wichtig für die amerikanische Kultur. Ausgezeichnet wurde Gervais für sein aktuelles Netflix-Special «Morality». Er setzte sich damit gegen Bill Maher, Sarah Silverman, Kumail Nanjiani, Kevin Hart und Brett Goldstein durch. Die Kategorie für Stand-up-Specials ist noch vergleichsweise neu bei den Golden Globes.
Schon vor der Preisverkündung nahm Wanda Sykes alle Nominierten humorvoll ins Visier. Zu Bill Maher sagte sie: «Du gibst uns so viel, aber ich hätte gerne ein bisschen weniger. Versuch es mal mit weniger.» Über Kevin Hart witzelte sie: «Kevin ist der reichste Typ in dieser Kategorie, und trotzdem weiss ich, dass er den Award am meisten will. Du bist ein echter Amerikaner.» Als sie Ricky Gervais ankündigte, bereitete sie den späteren Moment bereits vor: «Ich liebe dich dafür, dass du nicht hier bist. Ich liebe dich, Ricky, aber wenn du gewinnst, nehme ich den Preis für dich entgegen und du wirst Gott und der Trans-Community danken.» Nach seinem Sieg löste sie dieses Versprechen ein.
Dass ausgerechnet Gervais’ Award symbolisch zwei Dingen gewidmet wurde, an die er nach eigenen Aussagen nicht glaubt, verlieh dem Moment zusätzliche Schärfe. Gleichzeitig setzte Sykes ein sichtbares Zeichen der Solidarität mit trans Menschen. Die Komikerin hatte sich in den vergangenen Jahren wiederholt gegen Transfeindlichkeit in der Comedy positioniert. 2023 sagte sie über entsprechende Witze anderer Kollegen: «Was gesagt wurde, war so verletzend und schädlich für die Trans-Community.» Zugleich reflektierte sie auch ihre eigene Arbeit: «Im Bereich Trans musste ich ein paar Dinge zurücknehmen, die missverstanden werden könnten.» Im Herbst 2025 warf sie US-Präsident «übermässige Zensur» vor (MANNSCHAFT berichtete).
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