US-Botschaft in Moskau sorgt mit Regenbogenflagge für Aufregung
Bei Facebook schlug eine empörte Frau die Ausweisung amerikanischer Diplomaten vor und wetterte: «Schande!»
Die Moskauer US-Botschaft hat mit einer Regenbogenflagge zum Pride-Monat an ihrem Gebäude mitten im Zentrum der Stadt für Aufregung gesorgt.
«LGBTI-Rechte sind Menschenrechte», schrieb das Social-Media-Team der Botschaft in der russischen Hauptstadt am Donnerstag auf Facebook. Jeder Mensch habe es verdient, ein Leben frei von Hass, Vorurteilen und Verfolgung zu führen.
Zahlreiche Internetnutzer*innen begrüssten das Zeichen der diplomatischen Vertretung für Vielfalt und Respekt. Andere wetterten gegen die Flagge. Die Botschaft sei wohl besetzt worden, mutmasste jemand auf Twitter. Eine Nutzerin schlug in ihrer Empörung sogar die Ausweisung amerikanischer Diplomat*innen vor und schrieb: «Schande!»
Wer sich in Russland öffentlich und in Anwesenheit von Minderjährigen positiv über LGBTIQ-Themen äussert, macht sich strafbar. Demnach sind Prideanlässe, darunter vor allem Demonstrationsumzüge im öffentlichen Raum, verboten. In einem Urteil im November 2018 bezeichnete der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) dieses Verbot als menschenrechtswidrig. Es verletze die Demonstrationsfreiheit der Bürger*innen, die in Artikel 11 der Menschenrechtskonvention festgehalten ist. Zudem hätte die Bevölkerung Russlands gemäss Artikel 14 das Recht, «nicht diskriminiert zu werden» (MANNSCHAFT berichtete).
In eigener Sache: Wir stärken uns für die Zukunft
Seit Donnerstag läuft in Russland eine Abstimmung zu einer umstrittenen Verfassungsänderung. Dabei soll unter anderem verankert werden, dass eine Ehe nur zwischen Mann und Frau möglich sei. Kremlchef Wladimir Putin hatte betont, dass es in Russland niemals gleichgeschlechtliche Ehen geben werde, solange er an der Macht sei.
Putin hatte im vergangenen Jahr Kritik an seiner homofeindlichen Politik in Russland zurückgewiesen. Man habe gegenüber LGBTIQ eine ausgeglichene Haltung (MANNSCHAFT berichtete). Davon kann aber keine Rede sein.
YouTube sperrte kürzlich ein russisches Propaganda-Video für die von Präsident Putin angestossene grösste Verfassungsänderung in der Geschichte des Landes. Es strotzt nur so vor dem Ekel vor Schwulen (MANNSCHAFT berichtete).
Letztes Jahr soll das US-Aussenministerium Berichten zufolge seinen Auslandsvertretungen verboten haben, die Regenbogenflagge zum Pride Month an den Fahnenstangen der Botschaften zu hissen. Zahlreiche Diplomat*innen umgingen demnach aber das Verbot. In Tel Aviv wurde auch eine Regenbogenflagge an der US-Botschaft gezeigt (MANNSCHAFT berichtete).
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