Staatsballett Berlin zeigt von Moskau verbotenen «Nurejew»

Der schwule Tänzer war an Aids gestorben

ARCHIV - 12.03.2025, Berlin: Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow steht anlässlich der Pressekonferenz des Staatsballetts Berlin zum Programm der Saison 2025/26 in der Deutschen Oper. (zu dpa: «Staatsballett Berlin zeigt von Moskau verbotenen «Nurejew»»)
Kirill Serebrennikow (Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Das Ballett über Tanzlegende Rudolf Nurejew wurde am Bolschoi-Theater in Moskau unter politischem Druck abgesetzt. Jetzt präsentiert der geflohene Regisseur Serebrennikow das Stück in Berlin.

Das Staatsballett Berlin zeigt ab diesem Samstag (21. März) die in Moskau verbotene Produktion des russischen Star-Regisseurs Kirill Serebrennikow über die Tanzlegende Rudolf Nurejew. Das weltberühmte Moskauer Bolschoi Theater hatte 2023 unter politischem Druck Serebrennikows Ballett «Nurejew» über den an Aids gestorbenen schwulen russischen Tänzer aus dem Spielplan gestrichen. Serebrennikow (56) war in seiner Heimat für das Stück ausgezeichnet worden, bevor es dort aus politischen Gründen verboten wurde.

Nun zeigt der Regisseur die Produktion mit dem Choreographen Yuri Possokhov für das Staatsballett erstmals ausserhalb Russlands, wie das Staatsballett schon vor einem Jahr angekündigt hatte. Sie ist an der Deutschen Oper Berlin zu sehen. Das Tanzereignis vereine Ballett, Oper und Schauspiel, um eine Hommage an das Leben von Nurejew (1938-1993) zu schaffen. Er gilt als einer der besten Balletttänzer des 20. Jahrhunderts.

2023 aus Spielplan in Moskau gestrichen 2017 war «Nurejew» am Bolschoi Theater uraufgeführt worden. 2023 wurde das Ballett nach Bolschoi-Angaben wegen des Verbots von Propaganda «nicht traditioneller Werte» aus dem Repertoire genommen. Die Produktion, die zu den beliebtesten Aufführungen der weltgrössten Balletttruppe gehörte, zeichnet den Lebensweg des zu Sowjetzeiten geflohenen Weltstars Nurejew nach.

Zu sehen waren in Moskau auf der Bühne etwa homosexuelle Szenen und Männer in Frauenkleidern und auf Stöckelschuhen. Derartige Verstösse gegen das von Kremlchef Wladimir Putin unterzeichnete Gesetz, das etwa positive Darstellungen von Homosexualität verbietet, werden mit hohen Geldstrafen geahndet (MANNSCHAFT berichtete). Auch Verlage und Buchhandlungen haben deshalb Werke, darunter Klassiker der Weltliteratur, aus dem Angebot genommen. Homosexualität selbst ist in Russland nicht verboten.

Viele Künstler*innen haben Russland verlassen Serebrennikow, der Russlands Krieg gegen die Ukraine scharf kritisiert hatte, verliess angesichts der politischen Verfolgung seine Heimat. Mit seinem stets ausverkauften Ballett «Nurejew» hatte er gleich vier Auszeichnungen beim renommierten Tanzpreis Benois de la Danse erhalten. Ihm selbst sprach die internationale Jury in Moskau den Preis für die beste Ballettregie zu. Heute sieht er sich von Staatspropaganda totgeschwiegen oder verunglimpft.

Im Zuge der wachsenden Repressionen gegen Kunstschaffende in Russland war auch Serebrennikow bei den kremltreuen Kulturfunktionären, die etwa Werte der russisch-orthodoxen Kirche hochhalten, in Ungnade gefallen. Aus Angst vor Verfolgung haben viele Künstler Russland verlassen, um frei arbeiten zu können.

«Nurejew war ein riesiges Arschloch» – Im Film «The White Crow» spielt Oleg Iwenko den Balletttänzer Rudolf Nurejew, der 1961 aus der damaligen Sowjetunion flüchtete (MANNSCHAFT berichtete).

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