Schiedsrichter Pascal Kaiser offenbar erneut angegriffen
Der Staatsschutz ermittelt
Pascal Kaiser wurde deutschlandweit bekannt, als er seinem Freund im vollen Fussball-Stadion einen Heiratsantrag machte. Seither wurde er offenbar mehrfach angegriffen.
Der bisexuelle Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser wurde in der Nacht zu Dienstag offenbar erneut angegriffen. Eine Sprecherin der Polizei bestätigte laut Kölner Stadtanzeiger, es liege eine weitere Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung vor.
Schon am Wochenende sollen ihn drei Unbekannte in seinem Garten angegriffen und verletzt haben. Im Vorfeld der Angriffe soll Kaiser laut seines Anwalts eine «Vielzahl an Drohungen erhalten» haben. Der Staatsschutz prüft, ob die Angriffe einen homophoben Hintergrund haben könnten.
Mittlerweile äusserte sich auch der 1. FC Köln und verurteilte die Gewalt gegen den Schiri: «Der blanke Hass, der hinter dieser feigen Attacke steckt, bestätigt auf abscheuliche Art und Weise, wie wichtig unser Engagement als FC‑Familie gegen jegliche Form von Gewalt ist», schrieb der Verein auf Instagram.
Kaiser gehört seit seinem Coming-out im Jahr 2022 zu den wenigen offen bisexuellen Personen im deutschen Fussball (MANNSCHAFT berichtete). Ende Januar machte er seinem Freund im Rhein-Energie-Stadion beim Köln-Heimspiel gegen Wolfsburg vor 50'000 Fans einen Heiratsantrag. Kurz danach erhob eine Kölner Bar Betrugsvorwürfe gegen den Schiedsrichter. Laut den Betreibern der Bar meldeten sich weitere Menschen mit Vorwürfen gegen Kaiser. Über seinen Anwalt liess Kaiser die Vorwürfe zurückweisen. Wie es heisst, soll auch seine Privatadresse in den sozialen Medien kursiert sein.
Zwischenzeitlich wurde auch über eine Fahndung nach Kaiser berichtet – dabei handelte es sich aber um eine Fehlmeldung der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen in dem Fall laufen allerdings weiterhin. Ob die Angriffe im Kontext der Betrugsvorwürfe gegen Kaiser stehen oder homofeindlich motiviert sind, ist aktuell noch unklar.
Die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch (SPD), verurteilte die mutmasslichen Angriffe auf Kaiser. «Er wurde Opfer feiger und menschenverachtender Gewalt», schrieb die Politikerin auf Instagram. «Aus hässlichen Worten werden noch hässlichere Taten.»
Es liege an allen, entschieden zu widersprechen, solidarisch zu handeln und weder verbale noch körperliche Gewalt zu akzeptieren.
Kaiser musste nach dem ersten Überfall im Krankenhaus behandelt werden (MANNSCHAFT berichtete). Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung.
Der Hafen der Ehe wartet mit allerhand Konventionen auf. Lohnt es sich, diese Tradition in der queeren Liebe fortzuführen? Die genderfluide Hochzeitsplanerin Cora Gäbel weiss Rat (MANNSCHAFT berichtete).