«Heated Rivalry»: Keine Zensur für schwulen Sex

Serienschöpfer Jacob Tierney verrät, dass Produzenten Angst vor Pornovorwürfen hatten - und die Geschichte ändern wollten, die am 10. Januar auch nach Deutschland kommt

Szene aus der 6. Folge von «Heated Rivalry» mit Shane (l.) und Ilya
Szene aus der 6. Folge von «Heated Rivalry» mit Shane (l.) und Ilya im Cottage (Bild: Crave/HBO Max)

Die TV-Produzenten der internationalen Seriensensation «Heated Rivalry» hatten zunächst Bedenken wegen der ausufernden Menge an schwulen Sexszenen. Serienschöpfer Jacob Tierney widersetzte sich Änderungswünschen und blieb dem Ton der Originalromane von Rachel Reid treu.

Zur Erinnerung: Die kanadische Dramaserie folgt den professionellen Eishockeyspielern Shane (Hudson Williams) und dem russischen Rivalen Ilya (Connor Storrie). Ihre Beziehung entwickelt sich zu einer geheimen sexuellen Affäre. Die Serie feierte Premiere am 28. November und wurde schnell zu einem der meistgesehenen Titel auf Crave und HBO Max. Die fünfte Folge erreichte auf der IMdb (International Movie Data Base) sogar die perfekte Bewertung von 10 Punkten – ein seltenes Ereignis, das in Branchenportalen ausführlich analysiert wurde. Die letzte Folge wird am 26. Dezember ausgestrahlt.

Serienschöpfer Jacob Tierney ist zuvor vor allem für seine Arbeit als Schauspieler und Regisseur kanadischer Komödien bekannt geworden, etwa für Filme wie «The Trotsky». Mit «Heated Rivalry» wagt er sich erstmals an eine explizit erotische MM-Romance-Adaption und kombiniert Drama mit sexueller Direktheit, die im Mainstream-TV selten zu sehen ist.

Tierney erklärte gegenüber Slate, dass einige Verantwortliche beim Netzwerk Crave mit der ausufernden Menge an gezeigten schwulen Sexszenen Probleme hatten. Ein ranghoher Executive schlug sogar vor, diesen Aspekt der Beziehung zwischen Ilya und Shane auf eine mögliche zweite Staffel zu verschieben.

Tierney reagierte entsetzt: «Ich dachte nur: ‹Wovon redest du?!› Diese Bücher sind Pornografie. Du glaubst doch nicht, dass das Publikum trotz oder ohne diese Szenen hier ist. Genau dafür kommen sie. Das wollen sie!»

Der US Comedian Jordan Firstman hatte die Intimität der Hauptfiguren in einem Interview als unrealistisch oder nicht «wie echte schwule Menschen Sex haben» bezeichnet, was eine Debatte über Authentizität auslöste; später entschuldigte er sich teils bei der Besetzung, als ihm eine Welle des Protestes von Fans entgegenschwappte.

Bemerkenswert ist, dass die Fan-Base zu sehr grossen Teilen aus heterosexuellen Frauen besteht, die von der Liebesgeschichte mit sexueller Grundlage nicht genug bekommen können. Das haben viele schwule Influencer ausführlich kommentiert, ebenso etliche lesbische Filmexpertinnen, die ebenfalls begeistert auf die Serie reagierten. Diese hat übrigens eine Altersfreigabe von 18+, genau wegen der sexuellen Freizügigkeit.

Letzte Woche wurde angesichts des überwältigenden Erfolgs offiziell bestätigt, dass «Heated Rivalry» eine zweite Staffel erhält. Diese wird auf dem sechsten Band der Game-Changers-Reihe, «The Long Game», basieren. Darin versuchen Shane und Ilya, ein Leben miteinander zu führen, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt – was spektakulär schief läuft.

Und wenn überhaupt, gibt es im zweiten Buch noch mehr Sex als im ersten, allerdings – und das ist das Spannende – mit neuen Rahmenbedingungen.

Aktuell laufen weltweit intensive Verhandlungen zwischen Sendern, um «Heated Rivalry» ebenfalls zu übernehmen von Crave, allerdings waren für den deutschen Sprachraum lange keine Ergebnisse bekannt. Denn bei einem solchen Hit geht es letztlich - um viel Geld. Aber am Dienstag vor Weihnachten gab der kleine Second Chances Verlag, bei dem die deutschsprachige Ausgabe des Buchs erschienen ist, auf Instagram bekannt, dass die Serie am 10. Januar bei Sky Deutschland und Now TV starten soll, wozu es aber noch keine weitere Informationen von den Sendern selbst gibt. Einen Parallelstart in der Schweiz wurde noch nicht bestätigt.

Second Chances verhandelt aktuell darüber, die Lizenz für den deutschen Sprachraum für alle sechs Bücher zu bekommen. Vermutlich ist das inzwischen ebenfalls ein Bieter*innen-Krieg geworden, und es ist leicht vorstellbar, dass mit Verspätung nun doch ein deutschsprachiger Grossverlag aufspringt, obwohl alle entsprechenden Verlage das Buch bisher ignoriert hatten - wegen des schwulen und stark sexuellen Inhalts, der angeblich niemanden interessieren würde. Das Buch und die ganze Reihe sind aktuell ein weltweiter Bestseller und vieler Orts ausverkauft, was doch sehr eindeutig das Gegenteil bewiesen hat.

Und dann verrieten die beiden Stars kurz vor Weihnachten in einem GQ-Interview, dass sie einen Vertrag für eine dritte (!) Staffel unterschrieben hätten, während Rachel Reid angedeutet hat, dass sie an einem dritten Teil der Shane/Ilya-Geschichte arbeite, der im Sommer 2026 als zusätzliches Buch jenseits der bisherigen Game-Changers-Reihe herauskommen solle. Man darf also gespannt, wie sich der Hype im neuen Jahr fortsetzen wird. Und wie die deutsche Mainstreammedienlandschaft auf das Phänomen reagieren wird. (Oder auch nicht.)

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