«Homophobie»: Vorwürfe gegen Polizei wegen Ermittlungen zum Tod eines Studenten

Der Fall von Ed Cornes sorgt in Grossbritannien für Aufruhr

Edward Cornes mit seiner Mutter
Edward Cornes mit seiner Mutter (Bild: Informationsblatt: Civil Liberties, Inquests and Public Inquiries, London)

Die Londoner Polizei hat bei der Untersuchung des Todes des Studenten Ed Cornes im Jahr 2021 insgesamt 27 Fehler gemacht. Beweise gingen verloren und Zeug*innen wurden ignoriert, schreibt die Peter Tatchell Foundation.

Das Nachrichtenportal Pink News fasst die Ereignisse zusammen: Im Oktober 2021 wurde Cornes in einem Kellerzimmer eines Hotels in King’s Cross tot aufgefunden, nur zwei Tage nach Beginn seines ersten Semesters am University College London. Er war 19 Jahre alt.

Seine Mutter, Miriam Blythe, die ihren Sohn als «besten Freund» und «lustigsten, süssesten Menschen» bezeichnete, wirft der Met Police vor, sich auf die Sexualität ihres Sohnes konzentriert, wichtige Zeug*innen nicht befragt und entscheidende Beweise verloren zu haben, während sein Tod zunächst als potenzieller Mord behandelt wurde.

Blythe beschuldigte die Met zudem, den Fall mit «einem Element von Homophobie» behandelt zu haben. Der beste Freund ihres Sohnes, Sam Price, sagte gegenüber dem Fernsehsender ITV: «Die Homophobie war von Anfang an vorhanden.» (MANNSCHAFT berichtete über frühere Vorwürfe gegen die Polizei.)

Die Met bestätigte, dass eine umfangreiche Untersuchung stattfand und eine Beteiligung Dritter ausgeschlossen wurde – eine Schlussfolgerung, die auch bei der Obduktion bestätigt wurde. Das Gerichtsurteil besagte, dass Cornes seine Universitätsunterkunft verlassen und Matthew Butler getroffen hatte, den er vorher nie gesehen hatte.

36 Schnittwunden Butler brachte ihn in das Hotelzimmer, das nur fünf Minuten von seiner Unterkunft entfernt war. Im Zimmer befand sich ein weiterer Mann, Ian Casimir. Mehrere Stunden später wurde Cornes tot aufgefunden, mit 36 Schnittwunden und weiteren Verletzungen. In seinem Blut wurden hohe Mengen des GHB gefunden, eine Droge, die häufig bei Chemsex verwendet wird (MANNSCHAFT berichtete).

Butler und Casimir wurden wegen Mordverdachts verhaftet, später jedoch ohne Anklage freigelassen.

Die Polizei entschuldigte sich für die Art, wie der Fall behandelt wurde. Eine interne Überprüfung stellte später 27 Mängel fest.

Im Jahr 2023 untersuchte die von Baroness Casey nach dem Mord an Sarah Everard 2021 in Auftrag gegebene Überprüfung die Kultur und Standards der Londoner Polizei (MANNSCHAFT berichtete). Die Met Police wurde als institutionell homophob, rassistisch und sexistisch eingestuft.

Die Mutter von Cornes sagte gegenüber ITV: «Sie haben uns schrecklich behandelt. Sie hatten keine Todesursache und weigerten sich, seine Freund*innen zu befragen. Sie hatten also keine Ahnung, wer Ed war. Sie konzentrierten sich darauf, dass er schwul war und ob er Drogen nahm. Sein Lebensstil und seine Sexualität.»

Vier Jahre später möchten sowohl Blythe als auch Price, dass der Fall von einer anderen Polizeibehörde erneut untersucht wird und eine neue Obduktion für den 19-jährigen Studenten erfolgt.

«Wir entschuldigen uns» Stephen Clayman, Kommandant der Metropolitan Police, sagte: «Es fällt schwer zu hören, wie die Bearbeitung unserer Untersuchung zu Edwards Tod den Schmerz der Familie in dieser schwierigen Zeit noch vergrössert hat.

«Die umfangreiche Untersuchung, die anschliessend überprüft wurde, schloss eine Beteiligung Dritter am Tod von Edward aus, und diese Schlussfolgerung wurde später bei der Obduktion bestätigt.

«Wir akzeptieren jedoch, dass Aspekte der Art und Weise, wie der Fall behandelt wurde, nicht den hohen Standards entsprachen, die wir erwarten. Obwohl dies das Ergebnis der Untersuchung nicht beeinflusste, entschuldigen wir uns bei Edwards Familie und Freunden für jede zusätzliche Belastung, die dies verursacht hat.»

Homosexuelle als «krank» bezeichnet – Ermittlungen gegen Polizeischüler in Brandenburg (MANNSCHAFT berichtete).

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