Dr. Gay – Drogen im Freundeskreis: Wie komme ich von Chemsex los?
Ich habe immer öfter Chemsex und mag nicht, was mittlerweile aus meinem Leben geworden ist und wie mein Tagesrhythmus aussieht. Auch meine Arbeit beginnt darunter zu leiden. Ich weiss nicht, ob ich es schaffe, davon loszukommen und wohin ich mich wenden kann. Auch habe ich Angst, alle meine Freunde zu verlieren, weil fast mein ganzer Freundeskreis ähnlich unterwegs ist wie ich, entweder mit Drogen und Sex oder mit Clubbing und Alkohol. Was rätst du mir? Jan (29)
Hallo Jan, es klingt, als würdest du gerade eine sehr schwierige und belastende Zeit durchmachen, und es ist verständlich, dass du dir Sorgen um dein Leben und deine Beziehungen machst.
Du bist dir bewusst, dass dir etwas nicht gefällt und du etwas an deinem Leben verändern möchtest. Diese Erkenntnis und das Eingestehen sind der erste, wichtigste Schritt. Chemsex und die damit verbundenen Lebensweisen können tiefgreifende Auswirkungen auf dein Wohlbefinden haben, sowohl körperlich als auch emotional. Es kann zu schönen Momenten führen, aber auch zum Exzess und zum Abstieg.
Der Wunsch nach einem «Ausweg» ist nicht ungewöhnlich, besonders wenn die eigenen Beziehungen und der Arbeitsalltag darunter leiden. Suche dir Unterstützung. Du musst das nicht allein durchstehen. Es gibt Fachstellen, die sich auf Suchtberatung und die Unterstützung von Menschen spezialisiert haben, die mit Drogen oder Verhaltensweisen wie Chemsex kämpfen, in der Schweiz zum Beispiel die Checkpoints oder andere anonyme Beratungsstellen. In Deutschland bieten viele grössere Städte ein Chemsex-Beratungsangebot an, darunter Berlin, Köln und München. In Österreich gibt es das Chemsex-Netzwerk.
Auch online gibt es zahlreiche Anlaufstellen, etwa Suchtberatungsdienste oder Therapieplattformen, die sich mit den Themen Drogen und Verhaltenssucht beschäftigen. Es ist auch verständlich, dass du Angst hast, Freunde zu verlieren. Doch es kann hilfreich sein, dich langsam von einem Umfeld zu distanzieren, das diese Verhaltensweisen unterstützt. Das bedeutet nicht, dass du deine Freunde komplett aufgeben musst, aber vielleicht könntest du neue Kontakte knüpfen, die dich auf deinem Weg unterstützen. Manchmal hilft es, sich mit Menschen zu umgeben, die ähnliche Ziele haben, wie etwa ein suchtfreies Leben oder ein gesünderer Lebensstil.
Falls dir das hilft, könnte dir vielleicht auch eine professionelle Therapie helfen, die tieferliegenden Gründe für dein Verhalten zu erkennen und besser zu verstehen. Gruppentherapien oder Selbsthilfegruppen für Menschen, die mit Suchtverhalten kämpfen, können dir auch dabei helfen, dich mit anderen auszutauschen und zu sehen, dass du nicht allein bist. Das Gefühl von Gemeinschaft und Unterstützung ist oft sehr fördernd.
Beachte dabei, dir genügend Zeit dafür zu lassen. Es kann zu viel sein, alles auf einmal ändern zu wollen. Überlege dir kleine, realistische Schritte, die dir helfen, nach und nach ein neues, gesünderes Leben aufzubauen. Du musst nicht sofort alles aufgeben, aber erkenne die Teile, die du verändern möchtest, und arbeite Schritt für Schritt daran. Veränderungen brauchen Zeit. Bedenke, dass auch Rückschläge dazu gehören. Wichtig ist, dass du dranbleibst und dir selbst vergibst, wenn du einen schwierigen Moment hast.
Es ist klar, dass du dich in einer schwierigen Situation befindest, aber es ist auch klar, dass du den Wunsch hast, etwas zu ändern. Das zeigt Stärke und den Willen zur Veränderung. Auch wenn der Weg nicht einfach wird, gibt es viele Menschen und Ressourcen, die dir helfen können, ihn zu gehen.
Alles Gute wünscht dir Dr. Gay
Auf drgay.ch findest du viele Infos und kannst eigene Fragen stellen. Hinter Dr. Gay stehen Mitarbeiter*innen der Aids-Hilfe Schweiz. Wir engagieren uns für die sexuelle Gesundheit von schwulen, bi & queeren Männern. Hier kannst du deine Frage stellen: www.drgay.ch
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