Biografie des schwulen Anarchisten John Olday
Klaus Sator schliesst eine Lücke in der LGBTIQ-Geschichtsschreibung
Beim Männerschwarm-Verlag hat Klaus Sator eine Biografie über den schwulen «Anarchisten» John Olday veröffentlicht.
Die meisten werden den Künstler, Zeichner und Revolutionär John Olday (1905–1977) nicht kennen. Er wurde als aussereheliches Kind einer deutschen Mutter und eines schottischen Vaters in London geboren. Nachdem seine Mutter nach New York gezogen war, wuchs er zunächst dort auf, später bei seiner Grossmutter in Hamburg.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs erlebte er dort die Hungersnot hautnah mit und später die Aufstände der Arbeiter*innen gegen explodierende Schwarzmarktpreise. Auch die Revolution in Deutschland, die das Kaiserreich beendete und die Weimarer Republik begründete, verfolgte er unmittelbar und nahm aktiv am Aufstand in Kiel teil. Diese Erlebnisse prägten ihn tief.
Schon als Teenager trat Olday der Kommunistischen Jugend Deutschlands (KJD) bei. Bald darauf flog er jedoch wegen «anarchistischer Abweichungen» wieder raus.
Seinen Namen machte er sich als Illustrator und Zeichner. Nach 1933, als die Gestapo auf ihn als schwulen Mann und politischen Linken aufmerksam wurde, floh er nach England. Dort veröffentlichte er weiterhin Artikel – teilweise auf Deutsch – und kreierte Anti-Nazi-Cartoons. In den 1950er-Jahren wanderte er nach Australien aus, kehrte aber Ende der 1960er-Jahre nach London zurück. Bis zu seinem Tod an Krebs 1977 blieb er politisch aktiv.
Der Historiker Klaus Sator wurde 2010 im Rahmen der Vorbereitungen zur Ausstellung «Aufgespiesst! Homosexualität in der Karikatur» erstmals auf Olday aufmerksam. «Ich habe damals festgestellt, dass es zu seiner Person und seinem künstlerischen Werk fast nichts in Deutschland gab und dann selbst recherchiert», sagt Sator zu MANNSCHAFT. «Neben der Tatsache, dass Olday schwul war, fand ich es spannend, dass er auch Anarchist war. Mir stellte sich die Frage, welches Verständnis die Anarchisten zu den vielfältigen Formen menschlicher Sexualität eingenommen haben. Und warum nur das Wirken bestimmter Personen gewürdigt wird, insbesondere jener, die sich im Mainstream verorten lassen. Das gilt auch für die queere bzw. schwule Community.»
Laut Sator würden Aussenseiter innerhalb der eigenen Reihen auch dort oft ignoriert.
Erste Ergebnisse seiner Recherchen erschienen 2009 als Kurzbiografie in der Zeitschrift Invertito. «Sowohl der langjährige ‹Lebensmensch› und später Wolfram Setz sind an mich herangetreten mit der Bitte, eine Biografie über Olday zu schreiben. Nach dem Tod von Oldays Lebensgefährten meldete sich dessen Bruder bei mir und teilte mit, dass sich der Nachlass bei ihm befinde», erzählt Sator. «Er wollte ihn loswerden und fragte, ob ich eine Institution kenne, die Interesse haben könnte. Ich dachte zuerst an das Schwule Museum in Berlin und an das IISG in Amsterdam, fragte aber zunächst beim SMU an. Dort war man interessiert, ist aber lange Zeit nicht in die Pötte gekommen, die Abholung zu organisieren.»
Mit dem Nachlass stand schliesslich ein grundlegender Materialbestand für eine grössere Biografie zur Verfügung. «Ich habe etwa 15 Jahre recherchiert und Material gesammelt. Mit dem eigentlichen Schreiben konnte ich allerdings erst nach meinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Bundestag Anfang 2022 beginnen», erklärt Sator.
Jetzt liegt das reich illustrierte 288-Seiten-Buch vor, als Teil der Bibliothek rosa Winkel.
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