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25. Todestag: Heiner Carow drehte den einzigen DDR-Schwulenfilm

«Coming out» wurde bei der Berlinale 1990 ausgezeichnet

Heiner Carow Todestag
Heiner Carow, eine Szene aus «Coming Out» (Bilder: Twitter/90souviens; Twitter/wendemuseum)

Er drehte Angela Merkels Lieblingsfilm und auch den ersten und letzten Schwulenfilm der DDR: Heiner Carow. An diesem Montag jährt sich der Todestag des bedeutenden Defa-Regisseurs zum 25. Mal.

Wenn es einen Kultfilm aus der DDR-Zeit gibt, dann hat zweifellos Heiner Carow ihn geschaffen – mit der anarchisch anmutenden, aber tragisch endenden Romanze «Die Legende von Paul und Paula». Später drehte der Regisseur den ersten Schwulenstreifen der DDR. «Coming Out» feierte am Abend des Mauerfalls Premiere, als sozusagen das ganze Land herauskam und sein Coming-out erlebte.

Regisseur von «Paul und Paula»
Vor 25 Jahren starb der Filmemacher im Alter von 67 Jahren in Potsdam an den Folgen eines Schlaganfalls. Er hinterliess seine Frau Evelyn Carow, mit der er seit 1954 verheiratet war und zwei Kinder hatte, und die fast alle seine Filme schnitt.

Zu den Fans von Carows legendärem Liebesfilm aus dem Ost-Berlin der 70er gehört Altkanzlerin Angela Merkel. In «Paul und Paula» – das Drehbuch schrieb Carow gemeinsam mit dem Autor Ulrich Plenzdorf («Die neuen Leiden des jungen W.») – verlieben sich eine alleinerziehende Mutter und ein unglücklich verheirateter Staatsbeamter ineinander.


Während Paula für das gemeinsame Glück bereit ist, soziale Normen zu brechen, zögert Paul und wahrt lieber den Schein. Paula löst die Liebelei nach dem Unfalltod ihres Kindes. Paul erkennt nun seine tiefe Liebe und kämpft um Paula. Er belagert ihre Wohnungstür, was heute viele übergriffig nennen würden. Das vermeintliche Happy End ist keines: Ein gemeinsames Kind, Paulas drittes, bringt ihr den Tod.

Unkonventionelles Werk
«Das war damals sensationell, dass die Realität so im Kino erschien – natürlich exemplarisch, aber dass man alles mal sah, was man jeden Tag selbst erlebt hat», sagte 2013 die damalige Kanzlerin Merkel bei einer Veranstaltung der Deutschen Filmakademie, bei der Prominente ihren Lieblingsfilm vorstellen sollten. «Da ist nichts depressiv, sondern es zeigt die Lebenskraft – und hat trotzdem ein Stück Ironie, wunderbar.» Der Film wurde 1973 zum Kassenschlager, Merkel sah ihn damals in Leipzig, wo sie gerade ihr Physikstudium begann.

Bauchweh bereitete das unkonventionelle Werk dogmatischen Parteikreisen. Als die beiden Hauptdarsteller Angelica Domröse und Winfried Glatzeder Anfang der 80er «Republikflüchtlinge» wurden und in den Westen gingen, zeigte das DDR-Fernsehen den Film nicht mehr.


Ärger mit Oberen bekam Carow auch mit «Bis dass der Tod euch scheidet» über die Zerrüttung einer Ehe. Dass der Mann hier trank und ein brutaler Bauarbeiter war, polarisierte 1979 auch das Publikum.

«Integriert und privilegiert»
Seine wohl bitterste Erfahrung mit der offiziellen DDR-Filmpolitik machte Carow bei seinem Film «Die Russen kommen», den der Regisseur später eines seiner wichtigsten Werke nannte. Der Film über einen 15-jährigen Hitlerjungen, der noch in den letzten Kriegstagen ums Leben kommt, war 1968, im Jahr des Einmarsches der Warschauer-Pakt-Truppen in die damalige Tschechoslowakei, schon allein vom Titel her eine Provokation. Der Film blieb nahezu 20 Jahre verboten. Die Erstaufführung der Urfassung 1987 wurde für Carow zum späten Triumph, der ihm auch internationale Anerkennung verschaffte.

Carow resümierte damals: «Die haben nicht recht, wenn sie dich loben, und sie haben nicht recht, wenn sie dich tadeln.» Dennoch betonte die Zeitung «Neues Deutschland» zum 65. Geburtstag Carows im Jahr 1994, der Nationalpreisträger sei kein Verfolgter des SED-Regimes gewesen. «Er war integriert und privilegiert, Präsidiumsmitglied des Filmverbandes, Vizepräsident der Akademie der Künste.»

Carow stand jedoch für auffällig andere Geschichten. Stets zeigte er Sehnsüchte, Individuen mit Problemen gab es nach seinem Verständnis eben auch in der angeblich «klassenlosen Gesellschaft».

Einziger DDR-Schwulenfilm
In «Coming Out» unterdrückt Lehrer Philipp (Matthias Freihof) seine Homosexualität. Kollegin Tanja (Dagmar Manzel) verliebt sich in ihn, er zieht zu ihr. Er trifft einen früheren Geliebten wieder, den er einst auf Drängen seiner Eltern verliess. Beim heimlichen Besuch einer Schwulenkneipe verliebt er sich in den jungen Matthias (Dirk Kummer). Er verschweigt sowohl Tanja als auch ihm seine Zweigleisigkeit.

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«Coming out» ist das erste und einzige Werk der DDR-Filmgeschichte, das sich mit dem Thema Homosexualität auseinandersetzte. Gedreht wurde damals an authentischen Orten der Ost-Berliner Schwulen-Szene, etwa in Friedrichshain. Für die Umsetzung seines Films hatte Carow über sieben Jahre lang kämpfen müssen.

Sein Streifen erhielt im Rahmen der Berlinale 1990, der ersten nach dem Mauerfall, den Silbernen Bären in der Kategorie Besondere künstlerische Leistung sowie den Teddy Award in der Kategorie Bester Spielfilm.

Nach der Wende drehte Carow noch ein paar Fernsehfilme; sein letzter Defa-Film «Verfehlung» kam indes 1992 heraus, spielte jedoch in der DDR 1988. Die Putzfrau Elisabeth Bosch (Angelica Domröse) verliebt sich in den westdeutschen Hafenarbeiter Jacob (Gottfried John), der zu Besuch im Ort ist. Der eifersüchtige Bürgermeister lässt Jacob ausweisen, Elisabeths oppositioneller Sohn landet in der Psychiatrie. Daraufhin übt die gebrochene Elisabeth Rache: Sie erschiesst den Bürgermeister.


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