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«Ich mach dich platt!» – Lesbenfeindlicher Angriff nach Berliner CSD

Am Samstag kam es in Berlin zu homophoben Beschimpfungen

Lesbenfeindlicher Angriff
Foto: «Rad und Tat»

Am 27. Juni zog eine CSD-Demonstration mit Tausenden Teilnehmer*innen durch Berlin. Am selben Tag wollte der Verein Rad und Tat e.V. (RuT) ein Video zur diesjährigen Pride-Kampagne aufnehmen – doch ein lesbenfeindlicher Angriff störte das Team und versuchte die Beteiligten einzuschüchtern.

Der lesbenfeindliche Angriff auf den Verein Offene Initiative Lesbischer Frauen «Rad und Tat» und das Kampagnen-Team passierte in Berlin-Neukölln. Vor allem die Geschäftsführerin des Vereins, Ina Rosenthal, aber auch der Kamera-Mann wurden von einer Gruppe junger Männer beleidigt und mit körperlicher Gewalt bedroht. Neben Ina Rosenthal war mit Daniel Bache auch einer der Bundessprecher*innen von DIE LINKE.queer vor Ort.

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«Mir wurde Gewalt angedroht, ich wurde angefeindet», berichtet Rosenthal auf Facebook in einem Video. Die drei Männer gingen durchs Bild, beschimpfen die Frauen als «Scheiss Lesbe», drohten: «Ich mach dich platt!» Eine Stunde lang hätten sie den Dreh blockiert.

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Passant*innen hätten zugeschaut, sich weggedreht und seien weitergegangen. Geholfen habe niemand. «Da habe ich Angst bekommen», sagt Rosenthal. Und mahnt: «Schweigen und Wegsehen haben noch nie zu etwas Gutem geführt.»

Dreimal habe man die Polizei angerufen, bis endlich jemand kam, berichtet Rosenthal. Die bestätigte gegenüber MANNSCHAFT, dass um 16.50 Uhr die Meldung eingegangen sei. Allerdings taucht der Vorfall bisher nicht im offiziellen Polizeibericht auf – obwohl Straftaten mit LGBTIQ-feindlichem Hintergrund dort üblicherweise erwähnt werden.

«Aus dem Verhalten der Männer ging eindeutig hervor, dass es sich nicht um einen einfachen Dummejungenstreich handelte, sondern um einen bewussten Angriffe», heisst es in einer gemeinsamen Presserklärung von Rad und Tat und LINKEqueer. «In der jüngeren Vergangenheit ist es vermehrt zu Angriffen auf die Räume des Vereins und seine Mitarbeiterinnen gekommen.»

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Offen sichtbares, lesbisches Leben stelle für rechtsextreme und extrem konservative Kreise verschiedener kultureller und religiöser Prägung offensichtlich eine besondere Bedrohung dar, heisst es in der Erklärung weiter. «Lesbische Strukturen, die ohnehin mit strukturellen Benachteiligungen zu kämpfen haben, verdienen unsere Solidarität und vor allem politische Unterstützung, auch über solche Vorfälle hinaus.»

Man verurteile die feige Attacke und ermutige alle Betroffenen, sich rechtlich gegen Angriffe zu wehren und diese öffentlich zu machen. «Gewalt gegen queere Personen und Strukturen sind in Deutschland Alltag und müssen endlich entschlossen bekämpft werden.»

Homofeindlicher Angriff: Lesbisches Pärchen verletzt

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 559 Fälle mit homo- und transphobem Hintergrund in Berlin erfasst. Damit hat sich die Anzahl der erfassten Fälle gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel (32%) bzw. 177 Fälle erhöht (MANNSCHAFT berichtete). In keinem Jahr zuvor wurden so viele Fälle von Gewalt gegen LGBTIQ in der Hauptstadt erfasst wie in 2019, wie MANEO, das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin, kürzlich berichtete.

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