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So unterschiedlich wählen Schwule und Hetero-Männer

Das fand das österreichische Meinungsforschungsinstitut IFQM heraus

Österreich Wahlen
Innsbruck mit Regenbogenflaggen (Foto: AdobeStock)

Am 29. September finden in Österreich die Wahlen zum Nationalrat statt. Während bei der Gesamtwählerschaft die konservative ÖVP vorne liegt, würden die meisten schwulen und bisexuellen Männer für die Grünen stimmen. Bei der rechtspopulistischen FPÖ gäbe es überraschenderweise keinen Unterschied.

Wen wählen eigentlich die Homo- und Bisexuellen in Österreich? Das wollte Günther Moser genau wissen. Er ist der Präsident von Network-Gate und Mehrheitseigentümer der Joy Network, vormals Pink Marketing GmbH, die sich wirtschaftlich um die Zielgruppe Schwuler und bisexueller Männer bemüht. Also beauftragte er das Institut IFGM mit einer Studie. Schliesslich, das hat die Wiener Zeitung ausgerechnet, dürften von den 6,4 Millionen Wahlberechtigten zwischen 320.000 bis 640.000 Wählerinnen und Wähler lesbisch oder schwul sein. Doch lesbische oder bisexuelle Frauen wurden bei dieser Umfrage nicht berücksichtigt – «mangels Erreichbarkeit», wie es heisst.

UMFRAGE: Wie schwul ist Umweltschutz?

IFQM hat nun jedenfalls 120.000 schwule und bisexuelle Männer, die auf Dating- und Eventplattformen gayboy, -net, -guide- und rainbow aktiv sind, per Mail befragt. 24 Prozent gaben an, die Grünen zu wählen, gefolgt von der SPÖ mit 22 und der FPÖ mit 21 Prozent. Die ÖVP kam auf 19, die liberalen Neos auf 10 und die Partei des früheren Grünen-Politikers Peter Pilz Jetzt auf 2 Prozent.

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2017 stürzten Grüne ab
Das unterscheidet sich deutlich von den Männern generell: Verglichen wurden die Angaben mit dem Ergebnis, das das Peter Hajek Public Opinion Strategies-Institut für das Magazin Profil herausgefunden hat. Dort wollten 34 Prozent der ÖVP ihre Stimme geben, der SPÖ 20, der FPÖ 22, 10 stimmten für Neos und nur ein Prozent für Jetzt. Die Grünen aber schnitten deutlich schlechter ab als bei homo- und bisexuellen Männern und kämen nur auf elf Prozent. Bei der letzten Wahl 2017 waren die Grünen insgesamt auf 3.8 Prozent abgestürzt, von davor 12,4 Prozent.

Grünen-Kandidatin Ewa Ernst-Dziedzic führt das laut Wiener Zeitung auf das bisherige Engagement für LGBTIQ zurück. Nico Marchetti, ÖVP-Nationalratsabgeordneter, der dieses erstmals dafür sorgte, dass die Junge ÖVP (JVP) bei der Wiener Regenbogenparade teilnahm, ist sich bewusst, dass seine Partei bei queeren Wähler*innen nicht die erste Wahl. Er sei «der Letzte, der die Partei nicht kritisiert». Seine Aufgabe sei es aber auch nicht, die Partei «reinzuwaschen“. Ohnehin seien die Wahlmotive von Schwulen nicht monothematisch, «Schwule sind genauso Arbeitnehmer und Unternehmer».

Gefragt nach den Gründen, warum schwule und Bi-Männer der ÖVP ihre Stimme geben oder warum sie es nicht tun, ist in beiden Fällen Spitzenkandidat Sebastian Kurz die Antwort. Was die FPÖ betrifft: Wer sie wählt, begründet es am häufigsten mit deren Ausländerpolitik. Wer sie ablehnt, nennt deren homophobe Positionen. Die FPÖ hatte in Österreich lange versucht, die vom Verfassungsgerichtshof geöffnete Ehe aufzuschieben und zu verhindern.

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Das Wahlverhalten von Homosexuellen in Österreich wurde bereits 2017 zur Nationalratswahl untersucht, damals durch Michael Hunklinger, Politikwissenschafter der Donau-Uni-Krems, gemeinsam mit der Giessener Politikwissenschaftlerin Dorothée de Nève. Vor zwei Jahren lagen SPÖ und Grüne mit jeweils 31 Prozent noch deutlicher vor ÖVP und FPÖ mit fünf und vier Prozent.

In der Umfrage zeigte sich auch, dass Lesben mit 37 Prozent deutlich häufiger für die Grünen stimmen als Schwule (26 Prozent). Die SPÖ aber schnitt bei lesbischen Frauen um 3,5 Prozentpunkte schlechter ab als bei schwulen Männern. «Die Grünen sind in diesem Bereich thematisch schon länger breiter aufgestellt als die SPÖ, die bis vor Kurzem zum Beispiel noch gegen die Ehe für alle gestimmt hat», erklärt Hunklinger in der Wiener Zeitung.

Kurz sprach lieber vor Christen
Für die schlechteren Werte für ÖVP und FPÖ, die in den letzten zwei Jahren Österreich regierten, hat Hunklinger eine Erklärung: Die schwiegen LGBTIQ-Themen lieber tot oder hätten dazu nichts anzubieten. Als Beispiel nannte sie den Auftritt von Kanzler Kurz vor Christen in der Stadthalle, während zeitgleich die Europride in Wien stattfand: Darin sieht der Wahlforscher «indirekt die Ablehnung von Schwulen- und Lesbenrechten». Ein Wahlmotiv für die FPÖ sei auch unter Homosexuellen, «dass die Partei suggeriert, gute Schwule gegen böse Ausländer muslimischen Glaubens zu schützen, also LGBTI-Themen instrumentalisiert».

Kritik an Wiener Auszeichnung für serbischen Homohasser

Das am 17. Mai veröffentliche Ibiza-Video hatte zum Ende der konservativ-rechtspopulistischen Koalition unter Kanzler Kurz (ÖVP) geführt. Vizekanzler Strache (FPÖ) hatte darin gegenüber der vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen ein korruptes Vorgehen, etwa bei der Vergabe von Staatsaufträgen, angeboten.

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