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Homophobe Schläger aus Berliner Tram weiter flüchtig

Seit drei Monaten sucht die Polizei mit Bildern aus der Überwachungskamera

Homophobie in Berlin
Fotos: Polizei Berlin

Mit Bildern aus einer Überwachungskamera bittet die Polizei um Mithilfe. Homophobe Schläger haben im November ein schwules Paar beleidigt und angegriffen. Doch drei Monate nach Veröffentlichung der Fotos ist die Polizei offenbar noch nicht weiter.

Seit Anfang des Jahres hat die Polizei Berlin 66 Fahndungen gestartet (Stand: 10. Juli 2019), davon 49 mit Bildern oder Videos aus Überwachungskameras. Davon konnten bisher 16 Fälle geklärt werden. Dazu gehört der Fall aus dem vergangenen November leider nicht.

Erfolgreiche Fahndung nach homophobem Trio

Die Fahndung laufe noch, bestätigte jetzt eine Polizeisprecherin gegenüber MANNSCHAFT. «Aus ermittlungstaktischen Gründen» wollte man uns aber nicht sagen, wie viele Hinweise seit der Fahndung eingegangen seien. Auf die Frage, warum oft erst nach Monaten Fahndungsfotos veröffentlicht werden, lautete die Antwort: Die Fahndung mit Bildern sollte immer das letzte Mittel sein, wenn alle anderen Massnahmen ausgeschöpft worden seien. Ein Beschluss zur Fahndung mit Fotos müsse vom Gericht erlassen werden, dies könne manchmal etwas dauern.

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Am Mittwoch, den 21. November 2018, waren gegen 22.30 Uhr zwei junge Männer am Rosenthaler Platz in die Strassenbahn der Linie M8 in Richtung Ahrensfelde eingestiegen. Nach etwa zehn Minuten Fahrzeit begann der vor den beiden Fahrgästen sitzende Tatverdächtige, die beiden homophob zu beleidigen. Schliesslich fasste er einem der jungen Männer mit der flachen Hand grob ins Gesicht und schlug kurz darauf mit der Faust zu.

Nur das Dazwischengehen eines unbekannt gebliebenen Zeugen konnte weitere Attacken verhindern. Die beiden Verliebten gingen in den hinteren Teil der Tram, bis sie an der Haltestelle Allee der Kosmonauten ausstiegen und auf einer Polizeidienststelle eine Strafanzeige erstatteten.

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen sehr kräftigen, etwa 35 Jahre alten Mann, etwa 180 cm gross. Sein Begleiter ist 50 bis 55 Jahre alt, 170 bis 175 cm gross und schlank.

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Die Kriminalpolizei fragt: Wer kann Angaben zur Identität und/oder zum Aufenthaltsort des Verdächtigen sowie seines Begleiters machen? Wer hat die Männer vor, bei oder nach der homophoben Attacke gesehen? Wer kann weitere sachdienliche Hinweise zur Tat oder den gesuchten Männern geben?

Homophobie in Berlin
Tatverdächtiger (Foto: Polizei Berlin)

Hinweise nimmt das Landeskriminalamt in Berlin-Tempelhof, Bayernring 44, unter der Telefonnummer (030) 4664–953124 oder per Email an LKA531@polizei.berlin.de, über die Internetwache Berlin sowie über jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Gewalt gegen LGBTIQ um fast ein Drittel gestiegen
Im Mai dieses Jahres hat das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin MANEO aktuelle Zahlen über Gewalt gegen LGBTIQ vorgelegt. Demnach stiegen die Fälle angezeigter Gewalt gegen LGBTIQ in der Hauptstadt um 58 auf 382 an. Gegenüber 2017 ist ein Zuwachs von fast einem Drittel zu verzeichnen.

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Am häufigsten wurden Beleidigungen registriert (123 – im Jahr 2016 waren es noch 45 Fälle), einfache und gefährliche Körperverletzung (67), Nötigungen und Bedrohungen (54) und Raubstraftaten (20). Die meisten Fälle registrierte Maneo in Schöneberg (49 – ein Rückgang von 69 im Vorjahr), gefolgt von Neukölln (38 – ein Zuwachs von 100 %), Mitte und Kreuzberg.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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