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So entspannt geht es bei der Malta Pride 2018 zu

Die Parade nebst Abschlussveranstaltung war übersichtlich – im positiven Sinne -, weil es möglich war, Dinge zu beobachten, die anderswo in der Menge untergehen

Was sagt es über eine Pride-Parade aus, wenn man feststellt, dass vier Wagen unterwegs waren – plus eine weiße Stretchlimousine? Oder dass der Veranstalter von insgesamt 5000 Besuchern spricht? Immerhin: Letztes Jahr waren es nur halb soviel.

Die Malta Pride 2018 war übersichtlich – im absolut positiven Sinne -, weil es möglich war, Dinge zu beobachten, die anderswo in der Menge untergehen. Oder selbstverständlich erscheinen. In Malta ist das anders.

Malta Pride 2018
Extra angereist aus Melbourne: Sam und Caleb (Foto: Kriss Rudolph)

Der Inselstaat zwischen Sizilien und Tunesien mit mehrheitlich katholischer Bevölkerung hat sich binnen weniger Jahren zum LGBTIQ-freundlichsten Land in der EU gemausert. Die erste Pride-Kundgebung fand überhaupt erst 2004 statt.

Malta Pride 2018
Malta Pride 2018: Diese Regenbogenflagge ist nicht zu übersehen (Foto: Kriss Rudolph)

2017 wurde die Ehe geöffnet, im Jahr zuvor hatte man Homoheiler-Therapien verboten – als erstes Land in der EU! Der 430.000-Einwohner-Staat könnte sich zu einem neuen Mekka für LGBTIQ-Reisende entwickeln.

Malta Pride 2018
Auch das war Teilnehmern der Malta Pride 2018 wichtig: Solidarität mit Flüchtlingen

Auf dem, was bisher erreicht wurde, will sich die Regierung aber nicht ausruhen. Am Freitag, einen Tag vor der Pride, stellte sie einen weiterführenden Aktionsplan vor, der bis 2022 umgesetzt werden soll. So plant man u.a., den rechtlichen Rahmen für Gleichberechtigung und Diskriminierungsfreiheit zu verbessern, etwa im Bildungssystem, aber ausdrücklich auch für Regenbogenfamilien, und bei der Verfolgung homophober Hassverbrechen will man erfolgreicher werden.

Malta Pride
Der Premierminister Joseph Muscat hat vor seinem Amtssitz die Regenbogenflagge gehisst

Da sind solche Bilder, wie man sie am Rande der Abschlussveranstaltung der Malta Pride 2018 sieht, einfach rührend – ein Elternpaar aus Gozo (der zweitgrößten Insel des Archipels der Republik Malta), das stolz ist auf seinen schwulen Sohn.

Malta Pride 2018
Stolze Eltern bei der Malta Pride 2018 (Foto: Kriss Rudolph)

Isabelle, eine gebürtige Malteserin in ihren Fünfzigern, die mich über die Insel führt, – elegant und sehr gebildet – bekreuzigt sich als gute Katholikin, wenn wir eine Kirche betreten. Aber für die vorvorgestrigen Christen, die am Vorabend der Pride gegen die Eheöffnung protestieren, hat sie kein Verständnis. Sie glaubt an Vielfalt. „Man kann doch nicht in den Garten gehen und sagen, diese Blume ist gut, sie gefällt mir, und jene nicht, bloß weil sie anders ist“, sagt sie.

Malta Pride 2018
Geheilt von Jesus? Die meisten Besucher der Malta Pride 2018 lachten ihn aus (Foto: Kriss Rudolph)

Dass am Rande ein junger Mann unterwegs war, der behauptete, Jesus habe ihn vom Schwulsein geheilt, interessierte kaum jemanden. Nicht mal eine Handvoll Leute ließ sich auf eine Diskussion ein – die meisten liefend lachend an ihm vorbei.

Auch das gehört zur neuen maltesischen Entspanntheit.

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