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Steht Chile kurz vor der Ehe für alle?

Seit Jahren wird um die Gleichstellung gerungen

ehe für alle
Symbolbild: AdobeStock

Das Unterhaus in Chile hat einen Gesetzentwurf genehmigt, der die Ehe für schwule und lesbische Paare öffnet.

Der vom Oberhaus ausgehende Entwurf wurde am Dienstag im Abgeordnetenhaus des Landes mit 97 Ja- und 35 Nein-Stimmen genehmigt, berichtete Reuters. Da das Unterhaus einige Änderungen am Gesetzentwurf vorgenommen hat, muss er vom Oberhaus erneut genehmigt werden, bevor er an den Mitte-Rechts-Präsidenten Sebastian Piñera geht, der aber bereits seine Unterstützung angekündigt hat.

Chile mit seinen 19 Millionen Einwohner*innen gilt als besonders konservativ, selbst im Vergleich zu den tief religiösen lateinamerikanischen Nachbarländern. 1999 wurde in Chile Homosexualität entkriminalisiert – 2015 genehmigte die chilenische Regierung die Eingetragene Partnerschaft. 2018 hatte der Senat für einen Gesetzentwurf für verbesserte trans Rechte gestimmt: Menschen sollen ihr rechtliches Geschlecht und ihren Namen selbstbestimmt anpassen dürfen (MANNSCHAFT berichtete).

Vergangenen Sonntag hatte der ultrarechte Kandidat José Antonio Kast die erste Runde der Präsidentenwahl in Chile gewonnen. Der Sohn deutscher Einwanderer kam bei der Wahl am Sonntag auf 27,91 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt mitteilte. Der frühere Studentenführer Gabriel Boric erhielt 25,83 Prozent. Die beiden Vertreter der äusseren Ränder des politischen Spektrums werden nun in der Stichwahl am 19. Dezember aufeinandertreffen.


Der Bewerber von der Republikanischen Partei, Kast, will Steuern senken, die Zuwanderung begrenzen und hart gegen Kriminelle vorgehen. Er hat sich nie deutlich von der Militärdiktatur von General Augusto Pinochet (1973-1990) distanziert und sympathisiert mit dem ultrarechten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Einige Beobachter stufen Kast als Rechtsextremisten ein.

Der gerade einmal 35 Jahre alte Kandidat Boric vom linken Wahlbündnis «Apruebo Dignidad» (Ich stimme der Würde zu) wirbt für den Ausbau des Sozialstaats, Klimaschutz und Frauenrechte. Eine dritte Amtszeit ist für Piñera laut Verfassung ausgeschlossen.

Was die Öffnung der Ehe betrifft, so hatte schon Präsidentin Michelle Bachelet 2017 einen Gesetzesentwurf unterzeichnet (MANNSCHAFT berichtete). Damals erklärte sie, dass sie sowohl die Definition der Ehe als auch die Rechte für homosexuelle Paare erweitern wolle, sodass ihnen die Adoption offen steht. «Wir können Vorurteile nicht stärker gelten lassen als die Liebe», so die Präsidentin.



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