in

Schwules saudisches Paar aus Asylhaft entlassen

Internationale Proteste sorgten für die Freilassung der beiden in Australien inhaftierten Journalisten.

LGBTIQ-Geflüchtete sub
Symbolbild: Pixabay

Zwei schwule Journalisten aus Saudi-Arabien flüchteten aus Angst vor einer Inhaftierung nach Australien. Doch dort landete das Paar als illegale Migranten in einem Flüchtlingslager. Dank LGBTIQ-Organisationen und internationalen Medien sind die beiden nun endlich in Freiheit.

Im Herbst suchten zwei schwule Journalisten aus Saudi-Arabien Asyl in Australien. Das Paar kam mit Touristenvisa am Flughafen an, wo Zollbeamte sie sofort festhielten und befragten. Nachdem sie zugegeben hatten, dass sie planten, Asyl zu beantragen, kamen sie in ein Flüchtlingslager.

Brutaler Angriff der Polizei auf LGBTIQ-Flüchtlinge in Kenia

«Australien ist bekannt dafür, ein sicherer Ort für LGBTI-Menschen zu sein. Sie waren daher sehr überrascht und verängstigt», sagt die Anwältin des Paares gegenüber AFP. In Saudi-Arabien drohen homosexuellen Menschen lange Haft, Körperstrafen und im schlimmsten Fall ein Todesurteil.

Werbung


Flucht nach Morddrohungen 
Einer der Männer arbeitete für das saudische Medienministerium und geriet unter Druck, als ein Dissident internationalen Medien heikle Informationen preisgab. Regierungsbeamte machten dann Andeutungen, dass sie von seiner Partnerschaft wüssten und verboten ihm die Arbeit mit der ausländischen Presse. Das Paar hatte jedoch in Wahrheit nichts mit diesen Enthüllungen zu tun.

Im August erhielt einer der Männer von einem Verwandten einen Anruf. Sie wüssten von seinem Partner und würden ihn ermorden, wenn er die Beziehung nicht sofort beendete. Anrufe der Polizei mit Vorladungen zu Verhören bewogen die beiden Männer dann schliesslich zur Flucht.

Was das Paar wohl unterschätzte: Australiens konservative Regierung verfolgt eine äusserst restriktive Migrationspolitik. Einer der Männer landete zusammen mit verurteilten Verbrechern in Einwanderungshaft, während sein Partner an einem anderen Ort ärztliche Behandlung erhielt. Beide beklagten sich über den schlechten Zustand des Flüchtlingslagers und gaben an, «wie Verbrecher» behandelt worden zu sein.

Werbung

Freilassung gefordert
Als die Geschichte von den Medien aufgegriffen wurde, startete die australische LGBTIQ-Organisation «Just Equal» eine Petition. In einem offenen Brief an den zuständigen Minister forderte sie die Freilassung der beiden Journalisten.

Auf Druck von LGBTIQ-Organisationen und internationalen Medienanstalten entliess die Regierung einen der Männer am Freitag aus der Haft. Der Migrationsminister versäumte es jedoch, die Papiere für die Freilassung des zweiten Journalisten zu unterschreiben, bevor er unerwartet auf unbestimmte Zeit in den Urlaub ging.

Queere Gedenkplatte für Kölner Park der Menschenrechte

Wie eine neue Familie
Seit Dienstag ist das Paar endlich wieder vereint – und bedankt sich bei der LGBTIQ-Community, ohne die das nicht möglich gewesen wäre. «All die Liebe, die wir auf Twitter und Facebook gesehen haben! Es fühlt sich an, als wäre das eine neue Familie, die uns adoptiert hat.»

Das Paar, das mittlerweile seit 16 Jahren zusammen ist, kann nun in Freiheit und ohne Angst in Australien leben. Jeder von ihnen bekam ein Übergangsvisum für die Dauer ihres Asylverfahrens. «Wir wollen in die Clubs, wir wollen sehen, wie die australische Community aussieht. Und wir wollen einfach atmen und uns frei fühlen.»

Probleme trotz anerkanntem Asylgrund
Die rücksichtslose Migrationspolitik Australiens war bereits in einem ähnlichen Fall 2016 ein Thema. Damals wollten zwei schwule Iraner in Australien eine sichere Heimat finden. Australische Behörden brachten sie in ein Flüchtlingslager auf Nauru, wo Homosexualität noch illegal war. Das Paar wurde von den Erlebnissen dort schwer traumatisiert.

Auch wenn Homosexualität in vielen Ländern als legitimer Asylgrund gilt, müssen schwule Männer oft ein erniedrigendes Prozedere durchmachen. Wie etwa in Österreich, wo die zuständigen Behörden zuweilen eine erschreckende Vorstellung von Homosexualität an den Tag legen. Weil beispielsweise «Gang und Gehabe» eines jungen Afghanen «nicht darauf hingedeutet» haben, dass er homosexuell sein könnte, erhielt er kein Asyl (MANNSCHAFT berichtete). Daraufhin kündigte das Innenministerium LGBTIQ-Schulungen für die Interviewer im Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl an (MANNSCHAFT berichtete).

PRINCE CHARMING

Prince Charming: «Mehr als nur eine kleine Schwärmerei»

69 % wollen Diskriminierung von Homo- und Bisexuellen bestrafen