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Scharfe Kritik am Nein des Vatikan zur Segnung homosexueller Paare

Queere Katholik*innen appellieren an Bischöfe, sich der Entscheidung aus Rom zu widersetzen

Segnung homosexueller Paare
Köln, 2017: Ein Arbeiter hängt nach der Entscheidung im Bundestag über die Eheöffnung vor der Kulisse des Doms und der Kirche Gross St. Martin (r) eine Regenbogenfahne auf (Foto: Oliver Berg/dpa)

Nach dem Nein der vatikanischen Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Paare appellieren schwule und lesbische Katholik*innen an die deutschen Bischöfe, sich der Entscheidung aus Rom zu widersetzen.

«Wir fordern alle unsere katholischen Bischöfe in Deutschland auf, dem römischen Versuch des Ausschliessens entgegenzutreten», sagte das Vorstandsmitglied der ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK), Thomas Pöschl, der Deutschen Presse-Agentur in Nürnberg als Reaktion auf die Ablehnung der Segnung homosexueller Paare. Die Starrheit der römisch-katholischen Kirche habe diese «vor den Abgrund geführt, wo sie heute steht».

Hier werden Motorräder und Tiere und letztes Jahr sogar ein Gitter vor dem Kölner Dom gesegnet. Aber homosexuelle Menschen nicht.

Auch die Komikerin Carolin Kebekus hat das Nein des Vatikans kritisiert. «In dieser Entscheidung offenbart sich erneut die mannigfaltige Menschenfeindlichkeit der katholischen Kirche», sagte Kebekus am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Die Kirche beweise einmal mehr, dass sie sich nicht bewegen wolle, am allerwenigsten in ihrer Sexualmoral. «Hier werden Motorräder und Tiere und letztes Jahr sogar ein Gitter vor dem Kölner Dom gesegnet. Aber homosexuelle Menschen nicht. Ein Armutszeugnis.»

Die 40-Jährige ist schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten, unter anderem aus Protest gegen die Diskriminierung von Frauen. Sie betrachtet sich aber nach wie vor als Katholikin. Immer wieder hat sie sich in ihren Programmen mit der Kirche auseinandergesetzt.


Am Montag hatte die Glaubenskongregation des Vatikans klargestellt, dass die katholische Kirche aus ihrer Sicht nicht befugt sei, homosexuelle Partnerschaften zu segnen (MANNSCHAFT berichtete). In dem sogenannten Responsum ad dubium (Antwort auf einen Zweifel) heisst es, Segnungen menschlicher Beziehungen seien nur möglich, wenn damit den Plänen Gottes gedient sei. Unzulässig sei jede Segnungsform, die homosexuelle Partnerschaften anerkenne. Die christliche Gemeinschaft sei aber aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen zu respektieren.

Mit Enttäuschung reagierte auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, auf die Entscheidung aus Rom. Sie reihe sich ein in «eine Folge von Störungen des Synodalen Weges» – gemeint ist ein hierzulande laufender innerkirchlicher Reformprozess. Auf diesem gemeinsamen Weg der deutschen Bischöfe und des ZdK werde die Segnung von Menschen weiter ein Thema sein, sagte Sternberg.

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Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern der Weltkirche werde über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paarbeziehungen diskutiert – auch in der Schweiz (MANNSCHAFT berichtete). Eine «Verheutigung» der katholischen Lehre, wie sie Moraltheologen seit langem fordern, dürfe nicht einfach abgelehnt werden, sagte er. Es müsse eine Weiterentwicklung der Lehre mit tragfähigen Argumenten geben. Das Zentralkomitee befürwortet schon seit längerem, Liebesbeziehungen von Homosexuellen zu segnen.


Der ehemalige Benediktinermönch Anselm Bilgri, der sich kürzlich als schwul geoutet und erst am Freitag seinen langjährigen Lebensgefährten geheiratet hatte (MANNSCHAFT berichtete), sieht sich in seiner Entscheidung bestätigt, der römisch-katholischen Kirche den Rücken zu kehren: «Genau diese starre Haltung der Kurie war für mich der Grund, zur alt-katholischen Kirche überzutreten. Dort ist eine offizielle kirchliche Segnung einer homosexuellen Ehe möglich.»

Er sieht in der Mitteilung aus Rom einen «Affront» gegen Katholiken in Deutschland und den laufenden Reformprozess «Synodaler Weg».


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