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«Problemista» – surreal, queer und mit Ver­stärkung von Tilda Swinton

Neu in den deutschen Kinos

PROBLEMISTA
Foto: Jon Pack / FreezeCorp / A24 Films

In den USA gehört der schwule Comedian Julio Torres schon zum komischen TV-Establishment. Für seinen ersten Kinofilm «Problemista» holte er sich mit Tilda Swinton prominente Verstärkung.

Julio Torres, diesen Namen sollte sich dringend jeder merken, der es humortechnisch gerne ein wenig absurd und abseitig mag. Der aus El Salvador stammende und seit dem Studium in Manhattan lebende Komiker, Autor und Schauspieler begann seine Karriere wie so viele in der Comedy-Branche bei der legendären Sketchshow «Saturday Night Live». Doch nach ein paar Jahren als Gag-Schreiber dort macht er längst sein eigenes, ziemlich schräges Ding. Erst mit einer eigenen Serie namens «Los Espookys» und nun auch noch mit seinem «Problemista» betitelten Spielfilmdebüt, das nun endlich in den deutschen Kinos zu sehen ist. (Für die Schweiz und Östereich liegen noch keine Starttermine fest.)

Die Geschichte ist dabei, zumindest sehr lose, autobiographisch inspiriert. Torres spielt Alejandro, ebenfalls aus El Salvador und als Student nach New York gekommen. Er träumt von einer Karriere als Spielzeugdesigner und jobbt unterdessen bei einer Firma, die ihrer Kundschaft anbietet, sie einzufrieren bis in der Zukunft neue Technologien ein Weiterleben möglich machen.

Als Alejandro dort rausfliegt, ist plötzlich sein Arbeitsvisum und damit die gesamte Aufenthaltsgenehmigung in Gefahr. Einen Ausweg könnte die temperamentvolle Kunstkritikerin Elizabeth (Tilda Swinton) bieten, deren Maler-Gatte zu jenen Eingefrorenen gehört: Sie will unbedingt eine Solo-Ausstellungen mit seinen zu Lebzeiten wenig beachteten Ei-Bildern auf die Beine stellen und bietet Alejandro einen Job als Assistenten an. Doch das heisst noch lange nicht, dass die ebenso aufbrausende wie unberechenbare Chefin auch wirklich seinen Visumsantrag sponsert.



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Dafür, dass «Problemista» gleichermassen ein Film über die geradezu kafkaeske Bürokratie US-amerikanischer Einwanderungsbehörden wie eine Satire über das Künstlerdasein und die Kunstbranche allgemein ist, fällt die eigentliche Handlung dieser Komödie vergleichsweise schmalspurig aus. Zwischendurch erinnert Torres‘ Arbeit immer mal wieder eher an eine Aneinanderreihung von Sketchen, und man darf wohl festhalten, dass der schwule Mittdreissiger als Autor von Pointen und Dialogen – sicherlich aus mangels Erfahrung – deutlich überzeugender vorgeht denn als Regisseur.

Wunderbar charmant und vor allem herrlich komisch kommt der knallbunte Film, dessen Humor mal surrealistisch und exzentrisch (und darin ausgesprochen queer, ohne das die sexuelle Identität des Protagonisten wirklich eine Rolle spielt), mal albern und verspielt ausfällt, trotzdem daher. Selten gab es in diesem Jahr auf der Leinwand so viel zu lachen, was neben dem sympathischen Torres selbst nicht zuletzt einer rotgelockten Tilda Swinton zu verdanken, die hier komödiantisch ordentlich aufdrehen darf. (Noch mehr zu lachen: Matteo Lane gilt als eine der wichtigsten schwulen Stimmen im amerikanischen Stand-up-Comedy-Business – MANNSCHAFT berichtete).


Dass sich Torres mit «Problemista» endgültig als eine der aussergewöhnlichsten und witzigsten Stimmen in Sachen queerer Comedy etabliert, ist jedenfalls unbestritten. Wer kann sollte auf jeden Fall auch versuchen, irgendwo «Los Espookys» oder sein fantastisches Comedy-Programm «My Favorite Shapes» zu gucken. Und die Daumen drücken, dass es seine neue Serie «Fantasmas», die dieser Tage in den USA gestartet ist (und mit Gastsstars wie Emma Stone, Bowen Yang, Paul Dano oder Kim Petras aufwartet) bald zu uns schafft.

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