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Polen: Erste Stadt schafft «LGBT-freie Zone» wieder ab

Der Stadtrat von Nowa Dęba hebt den Beschluss aus dem Jahr 2019 wieder auf

Polen LGBTIQ Nowa Dęba
Foto: AdobeStock

Mit 15 zu 10 Stimmen beschliesst der Stadtrat von Nowa Dęba, nicht länger eine «LGBT-freie Zone» zu sein. Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass der Rat weniger homophob ist als noch beim Beschluss vor zwei Jahren. Vielmehr stehen wohl Sorgen um das Image der polnischen Stadt im Vordergrund.

Zum ersten Mal beschliesst eine Stadt in Polen, nicht länger offiziell als «LGBT-freie Zone» zu gelten. Die Ratsversammlung von Nowa Dęba besiegelte die Aufhebung des Beschlusses von 2019 mit 15 zu 10 Stimmen. Eine Person blieb der Abstimmung fern, vier weitere enthielten sich.

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Angst vor Imageschaden
Rund 100 Lokalregierungen Polens haben ihre Regionen mittlerweile zu «LGBT-freien Zonen» erklärt. Damit beabsichtigten sie, das «traditionelle Familienleben» zu stärken und Polen vor der «aggressiven und schädlichen Homopropaganda» zu schützen. Nun gehört also die Region Nowa Dęba mit ihren rund 18’000 Einwohner*innen im Südosten Polens nicht länger dazu.


Heisst das, der Stadtrat von Nowa Dęba ist toleranter und weniger homophob geworden? Die Umstände der Abstimmung deuten eher darauf hin, dass sich die Ratsmitglieder um das internationale Ansehen der Stadt sorgen. Der Vorsitzende Damian Diektiarenko, der die Abstimmung veranlasst hatte, spricht davon, dass der Rat damals «missverstanden» wurde. «Wir können niemandem länger erlauben, das Ansehen unserer Gemeinde wegen dieser Deklaration zu beflecken», sagte er.

International zum Thema geworden
Auch Kuba Gawron, Autor und polnischer LGBTIQ-Aktivist, hat diese Image-Sorgen schon festgestellt. Als die Lokalregierungen sich zu «LGBT-freie Zonen» erklärten, dachten sie, dass sie dadurch nur die lokalen Wähler*innen erreichen würden. «Sie glaubten nicht, dass sie damit zu einem internationalen Thema werden würden», sagt Gawron gegenüber dem Independent.

Es sei gut, dass die Ratsmitglieder den schändlichen Beschluss nun aufheben, findet er. «Nur sehen sie darin leider noch immer nichts Homophobes.» Die LGBTIQ-Gruppe Stop Bzdurom schrieb in einer Antwort an den Independent ausserdem, dass man bei der Freude über den Beschluss nicht vergessen dürfe, dass noch immer neue Regionen zu den «LGBTIQ-freien Zonen» hinzukämen.


Partnerstadt machte Druck
Vielleicht konnte die irische Kleinstadt Fermoy in der Grafschaft Cork entscheidend zur Aufhebung beitragen. Im vergangenen Oktober beendete Fermoy nämlich nach langen Diskussionen die Städtepartnerschaft mit Nowa Dęba (MANNSCHAFT berichtete).

Bereits im März sagte Noel McCarthy des zuständigen Komitees in Fermoy gemäss Irish Central: «Wir müssen solchen Leuten die Stirn bieten. Man darf nicht im Jahr 2020 so etwas tun und dann auch noch damit davonkommen.»

Auch Ex-Partnerstädte in Frankreich und in den Niederlanden machten mit selbsternannten «LGBT-freien Zonen» Schluss. Das hat unter anderem finanziell negative Konsequenzen für die betreffenden Regionen in Polen.


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