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Papst hilft trans Sexarbeiterinnen in Not

Franziskus hat Geld an eine transfreundliche Gemeinde in Italien überweisen lassen

Foto: Vatican News

Papst Franziskus hat eine kleine Gemeinde in der Nähe von Rom unterstützt, die ein Zufluchtsort für trans Sexarbeiterinnen ist. Zur transphoben Rhetorik des Vatikans will das nicht so recht passen.

In der kleinen Stadt Torvaianica, knapp 40 Kilometer von Rom entfernt, hat Pastor Andrea Conocchia seine Gemeinde zu einem Zufluchtsort für etwa 20 trans Frauen gemacht, die meisten davon aus Lateinamerika und im Alter zwischen 30 und 50 Jahren.

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Vor zwei Wochen habe erstmals eine Transfrau Conocchia in der Nähe des Eingangs zu seiner Pfarrei der Heiligen Jungfrau der Unbefleckten um Hilfe gebeten. Er gab ihr Essen und Dinge zur Grundversorgung aus den Pflegepaketen der katholischen Caritas. Am Tag danach kehrte die Frau mit einer Freundin zurück, und dann kamen immer mehr Menschen, sogar aus nahe gelegenen Städten, zu Conocchia, um um Hilfe zu bitten.


«Was mir wichtig war, war die offene Tür der Pfarrkirche und die Möglichkeit, die Person, die ich wirklich und konkret vor mir hatte, willkommen zu heissen, zuzuhören und zu akzeptieren», sagte Conocchia am Donnerstag in einem Telefoninterview gegenüber dem Religion News Service .

Viele der Frauen sind Sexarbeiterinnen und haben kein Einkommen mehr, um Miete oder ihre Rechnungen zu bezahlen, seit Italien Anfang März eine nationale Quarantäne erlassen hat, um die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu verhindern. Einige von ihnen seien HIV-positiv oder hätten sexuell übertragbare Krankheiten, sagte der Priester.

Aufgrund eines nationalen Verbots öffentlicher Messen und damit auch kirchlicher Opfergaben war Conocchia nicht in der Lage, den Frauen genügend finanzielle Unterstützung anzubieten, und schlug daher vor, Papst Franziskus um Hilfe zu bitten. Der habe daraufhin den päpstlichen Sozialbeauftragten Kardinal Konrad Krajewski, angewiesen, Geld an die Gemeinde zu überweisen. Über die genaue Summe ist bisher nichts bekannt.


«Was für eine grossartige Antwort des Heiligen Vaters!», sagte  Conocchia . «Es gab uns die Möglichkeit, konkrete Hilfe für ihre Bedürfnisse zu leisten.» Auch die Frauen bedankten sich mit einer Audiobotschaft beim Papst. «Möge Gott Sie segnen» hätten sie Franziskus laut Religion News Service ausgerichtet, und: «Möge die Jungfrau Sie beschützen».

Italien gehört zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern. Sexarbeiterinnen stehen vor noch grösseren Problemen, da sie keinen Zugang zu bestimmten Formen der Beschäftigungshilfe haben, insbesondere wenn sie keine Dokumente haben.

Die päpstliche Spende steht im Widerspruch zur transphoben Rhetorik der Katholiken. Erst 2019 hatte sich der Vatikan in dem neuen Dokument «Als Mann und Frau schuf Er sie» gegen eine «Gender-Theorie» ausgesprochen, nach der Menschen ihr Geschlecht angleichen können. Es richtet sich an katholische Lehrer*innen, Eltern, Schüler*innen
und Geistliche.

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Darin kritisierte die katholische Kirche erstmals offiziell unter Franziskus die Konzepte Intersexualität und Transsexualität. Zwar warben die Autoren für einen Dialog zwischen Anhängern und Kritikern der «Gender-Theorie» und wollen an Schulen eine „positive und umsichtige sexuelle Aufklärung» ermöglichen – gleichzeitig aber erteilen sie der Transsexualität allgemein eine Absage (und nicht wenige Katholiken wie Leiter der Priesterausbildung im Erzbistum Köln halten Homosexualität für heilbar – MANNSCHAFT berichtete).

Fliessende Grenzen zwischen Geschlechtern seien ein Symptom eines «konfusen Konzepts der Freiheit», Männlichkeit und Weiblichkeit als Basis der Familie solle so verwischt werden. Im Unterricht, so die Empfehlung, solle daher auf Begriffe wie Transgender und Intersexualität verzichtet werden.


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