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Palästina-Fahne bei der Zurich Pride spaltet queere Politiker

Der Verein Zurich Pride gibt sich offiziell neutral

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Eine Pro-Palästina-Gruppe bei der Edmonton Pride 2011. (Bild: Kurabaya, Flickr, CC BY-SA 2.0)

«Queers for Palestine» wollen bei der Zurich Pride mit Palästina-Fahnen mitmarschieren. FDP-Nationalrat Hanspeter Portmann droht mit einem Boykott, SP-Kantonsrat Alan David Sangines findet, es müsse für alle Fahnen Platz haben.

Beim Demonstrationsumzug der Zurich Pride am 15. Juni wollen «Queers for Palestine» auf den Krieg im Gazastreifen aufmerksam machen. Auf Instagram ruft die Gruppe dazu auf, neben Regenbogenfahnen auch Palästina-Flaggen zur Kundgebung mitzunehmen. «In Palästina gibt es genauso viele LGBTIQ-Menschen wie überall», schreiben die Organisator*innen. «Unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrer Sexualität werden sie durch die Bomben Israels ermordet. Wir fordern Frieden, jetzt!»

Die Teilnahme von «Queers for Palestine» beim Demonstrationsumzug der Zurich Pride ärgert den offen schwulen FDP-Nationalrat Hanspeter Portmann. Er fordert in einem Artikel von 20 Minuten einen Ausschluss von Palästina-Fahnen, die «aktuell die Hamas repräsentierten» und dass neben dem Verein Zurich Pride auch sämtliche Schweizer LGBTIQ-Vereine hinter einem solchen Verbot stehen. «Ansonsten boykottieren ich und sicher viele andere aus der Community die Veranstaltungen», sagt er. Die Tage rund um die Pride seien «ein Gedenken an die Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen und sollen nicht für andere politische Zwecke missbraucht werden», sagt er weiter.

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Nationalrat Hanspeter Portmann (Links) und SP-Kantonsrat (ZH) Alan David Sangines. (Bild: parl.ch/kantonsrat.ch)

SP-Kantonsrat Alan David Sangines (ZH) widerspricht. «Eine Pride war schon immer tolerant. Solange kein Aufruf zu Hass kommt oder die Existenz Israels aberkannt wird, sehe ich kein Problem», sagt er gegenüber MANNSCHAFT. Die Palästina-Flagge repräsentiere die Hamas nicht. «Bei jeder Pride sind Menschen mit Flaggen ihrer Länder gelaufen. Es soll sowohl für Israel- als auch für Palästina-Flaggen Platz haben, zumal Palästina nicht gleich Hamas ist. In beiden Ländern gibt es queere Menschen.»


Portmann ist Präsident der parlamentarischen Freundschaftsgruppen Schweiz-Katar und Schweiz-Saudiarabien. Katar hat diversen Medien zufolge gute Kontakte zur Hamas. Sowohl in Saudiarabien als auch in Katar ist Homosexualität verboten. (Anfang Juni ist ein Mann in Katar nach einer Verabredung über die Dating-App Grindr zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.)

Sangines nimmt Portmann in die Pflicht, was dessen leitenden Position in den Freundschaftsgruppen für Katar und Saudiarabien angeht. «Gerade mit dieser Funktion sollte er differenzieren können», sagt Sangines. «Ich schlage vor, Herr Portmann engagiert sich dafür, dass Katar die Hamas nicht länger untersützt. Da macht er sich nützlicher, als Boykottaufrufe gegen die Zurich Pride zu lancieren.»

Portmann selbst sieht sich als «Brückenbauer» und betont gegenüber dem Blick, dass es in den Freundschaftsgruppen nicht nur um Wirtschaftsthemen gehe, sondern auch um klimaneutrale Energie, Frieden und Menschenrechte. «Bei der Gleichstellung von Mann und Frau gibt es Fortschritte», lobt Portmann im Blick. «Neutrale Dialogvermittlung ist besser als ständige Schuldzuweisungen.»



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«Queers for Palestine» nicht offiziell bei der Zurich Pride angemeldet
Gruppierungen, die sich «Queers for Palestine» nennen, gibt es in vielen Ländern und Städten, unter anderem in Irland oder Rumänien, Winnipeg oder Los Angeles. Der Zürcher Ableger scheint nicht gross zu sein, der entsprechende Informationskanal beim Messenger-Dienst Signal zählte am 11. Juni rund 27 Mitglieder. Wie die NZZ schreibt, sei nicht bekannt, wer hinter «Queers for Palestine» steckt, Medienanfragen würden nicht beantwortet.

Der Verein Zurich Pride, der den Demonstrationsumzug und das Zurich Pride Festival organisiert, gibt sich im Streit um die Palästina-Flaggen neutral. «Grundsätzlich wollen wir, dass unsere queere Themen im Fokus stehen und unsere Flagge gezeigt wird», sagt Co-Präsident Alexander Wenger gegenüber MANNSCHAFT. Er verweist auf das Motto «Frei in jeder Beziehung – seit 30 Jahren», das auf verschiedene Beziehungsformen fokussiere (MANNSCHAFT berichtete). Im Sinne der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit dürften alle Personen und Gruppen mitlaufen, die friedlich seien, schreibt der Verein in seiner am 12. Juni veröffentlichten Haltung zu Demo und Festival auf Instagram. Die besagte Gruppe habe sich jedoch nicht offiziell angemeldet, so Wenger weiter.

Weniger neutral gibt sich Wengers Kollegin, Co-Präsidentin Jill Nussbaumer, die als FDP-Kantonsrätin (ZG) eine Parteikollegin von Hanspeter Portmann ist. «Es gibt genug Demonstrationen, an denen man sich für Nahost-Themen positionieren kann», sagt sie gegenüber Watson. «Wir werden nicht zulassen, dass diese Interessensgruppe unseren Anlass für ihre Anliegen instrumentalisiert, anstatt den Raum queeren Anliegen zu überlassen. Als Verein stehen wir für LGBTIQ-Anliegen und nicht für Gruppierungen des Nahostkonfliktes.»

Der Demonstrationsumzug der Zurich Pride ist der grösste seiner Art in der Schweiz. Letztes Jahr nahmen über 50’000 Menschen bei der Kundgebung durch die Zürcher Innenstadt teil (MANNSCHAFT berichtete).

Mehr: Wiener U-Bahn­fahrer will Pride-Besucher*innen nicht mit­nehmen (MANNSCHAFT berichtete)


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