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Nach Soldaten-Video: Diskriminierung Homosexueller im Heer nicht vertuschen!

Heeressprecher Bauer weist den Vorwurf der Homophobie zurück

Diskriminierung Homosexueller
Foto: AdobeStock

Der Wehrsprecher der Grünen kritisiert die Äusserungen des Heeresprechers Bauer anlässlich eines Videos junger Soldaten. Die Diskriminierung Homosexueller dürfe nicht vertuscht oder verneint werden, meint David Stögmüller.

«Homophobie und die Offenlegung der sexuellen Orientierung im Bundesheer ist ein grosses Thema. Die Reaktionen des Bundesheeres dazu zeigt, dass darüber breiter diskutiert werden muss und es dringend eine Strategie braucht, um das Bundesheer in das 21. Jahrhundert zu holen. Ich bin entsetzt darüber, dass der Pressesprecher des Bundesheeres, Michael Bauer, in seiner Reaktion das Problem nicht nur verneint, sondern es gleichsetzt mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs», zeigt sich David Stögmüller, Wehrsprecher der Grünen, am Mittwoch empört.

«Sexuelle Belästigung, sexueller Missbrauch und Homophobie sind unterschiedliche Problemfelder, die alle gerade im Bundesheer brodeln, dazu sind in der letzten Zeit vermehrt Fälle an die Öffentlichkeit gedrungen. Dass Bauer diese Problemfelder verknüpft und mit seiner Aussage in der Tageszeitung Der Standard homosexuelle Menschen allgemein zu Tätern macht, ist nicht in Ordnung. Es zeigt, wie tief die Wurzel des Problems im Bundeministerium für Landesverteidigung liegt», sagt Stögmüller weiter.

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Bauer wird in Der Standard mit der Aussage, «Es gibt schon Fälle, wo Menschen homosexuell sind und andere zu Handlungen zwingen. Dann wird es ein Thema» – zitiert und bringt damit das Thema Missbrauch in direkte Verbindung mit Homosexualität.

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«Allen Problemfeldern liegt zu Grunde, dass eine Verneinung oder ein Vertuschen das Problem nur vergrössern. Es braucht eine Strategie zum richtigen Umgang in solchen Situationen und auch konkrete Massnahmen und Grenzen, die auch durchgesetzt werden. Dazu müssen aber alle Mitarbeiter*innen des Bundesheeres diese Probleme ernst nehmen», so Stögmüller.

Kürzlich waren Videos von einer Party junger Soldaten aufgetaucht, bei der auch sexuelle Handlungen zwischen Männern zu sehen waren. Bundesheersprecher Michael Bauer hatte die Videos als «das Widerlichste, was ich in meiner 35-jährigen Dienstzeit beim Bundesheer sehen musste» bezeichnet. Über die Videos wurde in Österreich viel berichtet und geredet. Wenige Tage später wurde einer der beteiligten Männer tot aufgefunden. Er dürfte sich um Suizid handeln, berichtet der Standard.

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Heeressprecher Bauer weist den Vorwurf der Homophobie entschieden zurück. Ihm sei es um den Kontext des Videos gegangen, dass dort in einer grossen Gruppe «diese Handlungen durchgeführt» werden. «Ich stehe nach wie vor dazu, dass das widerlich ist, das in einer Öffentlichkeit zu machen», sagt er.

In Deutschland hat sich im letzten Sommer Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer für die jahrzehntelange systematische Diskriminierung homosexueller Soldaten in der Bundeswehr entschuldigt. Nun folgt ein Gesetz zur Rehabilitierung (MANNSCHAFT berichtete).

Das geplante «Gesetz zur Rehabilitierung der wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen, wegen ihrer homosexuellen Orientierung oder wegen ihrer geschlechtlichen Identität dienstrechtlich benachteiligten Soldatinnen und Soldaten» (SoldRehaHomG) sieht eine pauschale Entschädigung von 3.000 Euro für jedes aufgehobene wehrdienstgerichtliche Urteil vor und einmalig 3.000 Euro für andere Benachteiligungen wie der Versagung von Beförderungen. Das Kabinett hat schon zugestimmt; laut Bundesverteidigungsministerium könnte es bis Ende Mai beschlossen werden.

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