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Nach Kritik: Zurich Pride zieht Motto «trans*normal» zurück

Dem Verein wurde u.a. «Assimilationspolitik» vorgeworfen

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(Symbolbild: iStockphoto)

Erstmals in der 27-jährigen Geschichte der Zurich Pride sollte der Fokus auf die rechtliche Situation und die Herausforderungen von trans Menschen gelegt werden. Doch dann hagelte es Kritik.

Die Vielfalt innerhalb der trans Community ist gross, der Weg zu Anerkennung im Alltag, bei der Arbeit und im Umfeld ebenfalls. Die wichtigste Botschaft ist jedoch, dass der Mensch hinter der Transition der gleiche bleibe, eben «trans*normal – Mensch bleibt Mensch», erklärten die Veranstalter*innen der Zurich Pride vergangene Woche (MANNSCHAFT berichtete)

Es sei höchste Zeit die Gesellschaft in der Sprache und im Umgang mit trans Menschen aufzuklären, hiess es. Die Zurich Pride sehe sich verpflichtet, eine tragende Rolle einzunehmen, wichtige Themen anzusprechen und allen trans Menschen ein hoffentlich sorgenfreieres Leben zu ermöglichen.

Doch dann kam schnell die Kritik. Dem Verein wurde «Assimilationspolitik» vorgeworfen. «Cisnormativität soll nicht erhalten sondern gesprengt werden!», hiess es beispielsweise auf Twitter.


Der Schriftsteller Donat Blum etwa erklärte via Facebook, er halte das gewählte Motto gleich mehrfach problematisch. «Normal sein müssen wir bereits an den anderen 364 tagen im jahr. Ich möchte mich daher dem appell an die grösse der organisator*innen anschliessen, das motto zurückzunehmen und so zu überarbeiten, dass es ohne ‚internalisierte queerfeindlichkeit‘ (zitat Hannes Rudolph hier auf FB) auskommt.»

Zuerst erkärte man, das Motto, von trans und nicht-binären Personen entwickelt, besser erklären zu wollen.

Am Sonntag dann haben die Organisator*innen dem Druck schliesslich nachgegeben: Man werde das Motto ändern.


Doch aus der Community kommt weiter Kritik. User*in «stettleeer» etwa erklärt in einem Kommentar: «Fühle ich mich als Teil der trans Community ernst genommen, nach dem mehrheitlich cis-Personen auf die Kritik-Kommentare geantwortet hatten? Nachdem eure erste offizielle Reaktion war, dass ihr das Motto noch besser erklären wollt? Nachdem ihr ununterbrochen diese Arbeitsgruppe bestehend aus 10 trans Menschen vorgeschoben habt, und basically gesagt habt ’sie haben das so gewollt‘ und dann weitere trans Stimmen fast ignoriert habt? Nö.»

Die nächste Zurich Pride Week findet vom 6. bis 19. Juni 2022 statt. Geplante Höhepunkte sind unter anderem der politische Demonstrationsumzug durch die Zürcher Innenstadt am 18. Juni und das Festival auf dem Zürcher Kasernenareal und Zeughaushof am 17. und 18. Juni. Mit dem Pride
Gottesdienst am Sonntag, 19. Juni, endet der grösste queere Anlass der Schweiz. Alle Anlässe sollen unter Einhaltung der zu diesem Zeitpunkt geltenden Schutzmassnahmen stattfinden.

Für viele trans Menschen war der 1. Januar 2022 ein historischer Tag: Neu können trans Menschen ihr amtliches Geschlecht unkompliziert auf einem Zivilstandsamt ändern lassen und müssen nicht mehr mittels Gerichtsverfahren ihre Geschlechtsidentität beweisen.

Diese Änderung ist jedoch nicht ohne Beigeschmack, denn das Mindestalter 16 Jahre wurde ins
Gesetz aufgenommen, anstatt des Kriteriums der Urteilsfähigkeit. Auch bei der Erweiterung der
Antirassismus-Strafnorm, worüber das Stimmvolk am 9. Februar 2020 zugestimmt hatte, war nur die
Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung im Gesetzestext verankert. Die zusätzliche
Erweiterung der Geschlechtsidentität wurde in der Beratung des Ständerats vom November 2018
wieder herausgestrichen (MANNSCHAFT berichtete).

Vor zwei Jahren musste auch die Cologne Pride ein umstrittenes Motto zurückziehen: Es gab viel Streit um «Einigkeit! Recht! Freiheit!» (MANNSCHAFT berichtete).


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