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Knutschen, Koksen, Kreationen – Ewan McGregor ist «Halston»

Das neue Werk von Ryan Murphy bei Netflix

HALSTON
Foto: Netflix

Mit einer fünfteiligen Serie über den Designer Roy Halston Frowick, der vor mehr als 30 Jahren an den Folgen von Aids starb, huldigt Netflix der Modewelt und dem New York der 70er und 80er. Von Gregor Tholl, dpa

Der amerikanische Modeschöpfer Halston war der Mann, der Jacqueline Kennedy den stilprägenden Pillbox-Hut verpasste, Stars wie Lauren Bacall und Liza Minnelli kleidete, im New Yorker Nachtclub «Studio 54» mit Bianca Jagger und Andy Warhol feierte und den Disco-Look mitprägte. Mit nur 57 Jahren starb er 1990 in San Francisco. Seine luftigen Designs etwa im Wildleder-Ersatz Ultrasuede sind ein bisschen vergessen. Sein Name ist heute weniger Leuten ein Begriff als der von so unterschiedlichen Fashion-Ikonen wie Cristóbal Balenciaga, Hubert de Givenchy, Ralph Lauren oder auch Calvin Klein.

Netflix und der umtriebige Produzent Ryan Murphy («American Horror Story», «Ratched», «Glee», «Hollywood», «Pose») haben diesem Mann nun ein Denkmal gesetzt – in der womöglich höchsten Form, die es heutzutage gibt: als weltweit zu sehende Streaming-Produktion.

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Ewan McGregor («Moulin Rouge», «Star Wars») spielt die Hauptrolle in der fünfteiligen Miniserie (Gesamtdauer vier Stunden), die Aufstieg und Fall des einst berühmten Roy Halston Frowick zeigt. Hier stimmt praktisch alles: Darsteller, Dialoge, Tempo, Ausstattung.


McGregor ist sensationell, auch wenn es Kritik gab, dass ein Hetero den Schwulen spiele. «Pose»-Star und Mode-Fan Billy Porter fragte etwa, warum Nicht-Schwule oft Homosexuelle spielen dürften, umgekehrt aber offen schwule Schauspieler kaum «straight» besetzt würden. Regisseur Daniel Minahan, der lange für die Serie recherchierte, betonte, er könne sich niemanden besser als Halston vorstellen.

Berührungsängste mit der Rolle oder mit sexueller Deutlichkeit hat McGregor, der schon öfter männerliebende Männer mimte («Velvet Goldmine», «I Love You Phillip Morris») jedenfalls keine. Seine Figur knutscht, holt sich Callboys, prasst, raucht und kokst. Im Laufe der 70er und 80er gerät Halstons Leben aber ausser Kontrolle: Erst gerät er in den Drogensumpf, dann wird er ein Opfer der Aids-Pandemie.

Halston
David Pittu (l-r) als Joe Eula, Ewan McGregor als Halston, Krysta Rodriguez als Liza Minnelli und Rebecca Dayan als Elsa Peretti in «Halston» (Foto: Atsushi Nishijima/Netflix/dpa)

Anfangs treiben Halston Geldsorgen. Er könne doch mal weniger für Orchideen ausgeben, meint ein Assistent. Der Designer flippt aus: Ohne Orchideen laufe bei ihm nichts. An Inspiration spare man nicht.


Halstons gute Freundin und Muse Liza Minnelli (passgenau: Krysta Rodriguez) sagt einmal, sein anfänglicher Erfolg mit Jackie Kennedys Hut sei sozusagen seine Judy Garland, also ein Schatten wie bei ihr die Mutter, aus dem schwer herauszutreten sei.

Halston, der als Damenhut-Designer begann und für die Warenhauskette Bergdorf Goodman arbeitete, gerät als selbstständiger Unternehmer immer tiefer in die Abhängigkeit von Konzernen. Sein Einfluss auf die Kreationen und die Produkte, die seinen Namen tragen, schwindet.

Als Provinzler, der aus dem ländlichen Mittleren Westen stammt und sich in New York City neu erfand, überspielt er seine Herkunft mit übertriebener Weltgewandtheit, Glamour und einer Arroganz bis zum Gehtnichtmehr. Einige aus seiner Familie beschwerten sich über diese Darstellung. Doch es waren vor 31 Jahren auch Verwandte, die Halstons Ableben der Öffentlichkeit verschämt als Krebstod verkaufen wollten.



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