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Kaaba mit Regenbogenflagge – Haftbefehl gegen zwei Studenten in Istanbul

Innenminister Soylu nannte die Festgenommenen «LGBT-Perverse»

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Archivbild der Kaaba (Foto: Saudi Press Agency/dpa)

Ein Istanbuler Gericht hat gegen zwei Studierende Haftbefehl erlassen, die im Zusammenhang mit einem Bild des islamischen Heiligtums Kaaba und einer Regenbogenflagge religiöse Werte beleidigt haben sollen.

Zwei weitere Studenten seien unter Auflagen freigelassen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Samstagabend. Details waren zunächst nicht bekannt.

Die Istanbuler Polizei hatte die Studenten zuvor festgenommen und den LGBTIQ-Club der Universität durchsucht. Nach Angaben des Gouverneursamts wird gegen die Studenten ermittelt, weil sie ein Bild gezeigt haben sollen, auf dem die Kaaba in Saudi-Arabien mit einer mythischen Figur und der Regenbogenflagge zu sehen sei. Nach Angaben der Zeitung Cumhuriyet wurde die Kaaba in dem Bild durch die mythische Figur verdeckt. Die würfelförmige Kaaba im Hof der Grossen Moschee von Mekka ist die heiligste Stätte für Muslime.


Berichten zufolge war das Bild Teil einer Ausstellung, mit der Studierende am Freitag auf dem Campus der Bogazici–Universität friedlich gegen den neuen Direktor demonstriert hatten. Nach Angaben von Anadolu lag das Bild auf dem Boden.

Für Aufregung sorgte ein Tweet von Innenminister Süleyman Soylu, der die Festgenommenen am Samstag unter anderem als «LGBT-Perverse» bezeichnet hatte. Die Interessenvertretung Kaos GL kritisierte daraufhin, es werde eine Kampagne gegen LGBTIQ geführt.

Seit Anfang Januar wehren sich Studenten der Bogazici-Universität gegen den von Präsident Recep Tayyip Erdogan eingesetzten neuen Direktor Melih Bulu, der der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP nahesteht.


Der Aktivist für Atheismus und LGBTIQ-Menschenrechte, Amed Sherwan, hat Fotomontagen auf seinen Profilen geteilt, die ihn und den säkularen Aktivisten Mohamed Hisham küssend zeigen, u. a. vor der Kaaba in Mekka. Seine Fotos wurden offenbar massenhaft von fundamentalistischen Muslimen gemeldet, er erhielt zahlreiche Beleidigungen und Morddrohungen und: Wegen der Bilder wurden Ameds Profile auf Facebook und Instagram gesperrt (MANNSCHAFT berichtete).

Ende 2020 forderte Sherwan, vertreten durch seinen Rechtsanwalt, Facebook zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auf, die Facebook Ltd. dazu verpflichtet, es zu unterlassen, den am 18. Dezember 2020 veröffentlichten Beitrag zu löschen und das Profil von Sherwan zu deaktivieren. Außerdem wurde Facebook aufgefordert, das Instagram-Profil wieder zu entsperren. Als Frist wurde der 4. Januar 2021 gesetzt. Dies geschah erst 11 Tage später. Das Landgericht Flensburg hat eine mündliche Verhandlung für den 18. Februar 2021 anberaumt.


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