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«Ich habe so viel Zeit damit verschwendet, einen Mann zu daten»

Die 28-jährige Newcomerin Naomi Lareine über ihre Teilnahme in der Sendung «Sing meinen Song Schweiz»

naomi lareine
Bild: Andrea Camen, 3+

Mobbing in der Kindheit und Herausforderungen mit der eigenen Sexualität: Die R&B-Newcomerin Naomi Lareine spricht stolz über ihre Vorbildfunktion in der Sendung «Sing meinen Song».

Am 2. März startete die dritte Staffel von «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert» auf 3+. Dabei covern Künstler*innen gegenseitig Songs voneinander. Mit dabei sind Stress, Melanie Oesch, Dabu Bucher von Dabu Fantastic, Caroline Chevin und Noah Veraguth. Mit von der Partie ist auch Naomi Lareine, neben Tiziana Gulino eine weitere offen lesbische Schweizer Künstlerin. Die R&B-Sängerin spricht im Interview über ihre Erfahrungen in der Sendung, wieso sie Mobbing und Sexualität thematisieren möchte und woher ihre Musikalität stammt.

Naomi, was ging dir durch den Kopf als du für die Sendung «Sing meinen Song» angefragt wurdest?
Ich hatte es nicht erwartet und freute mich sehr. Es ist eine grosse Chance für mich und eine sehr coole Erfahrung! Ich hatte auch etwas Respekt, weil ja doch sehr unterschiedliche Künstler*innen teilnehmen. Melanie Oesch, zum Beispiel, die Volksmusik macht— sie jodelt. Einen Song von ihr zu covern, und dann auch noch auf Englisch: Das war nicht ganz einfach.

Warum?
Man möchte es ja perfekt machen und ihr etwas Gutes tun, der Song soll ein Geschenk sein. Aber ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat. Auch Stress war definitiv eine Herausforderung, weil er auf französisch rappt.


Was wird mit dir in der Sendung sichtbar?
Man erfährt viel über mich, über meine Kindheit, meine Vergangenheit — allgemein darüber, wer ich bin. Ich will Verständnis schaffen für Herausforderungen, die sich einem Menschen stellen kann. Ich habe in meinem Leben viel durchgemacht und will Awareness schaffen. Die Sichtbarkeit von Frauen ist mir ebenfalls wichtig. Als Künstlerin nimmt man eine Vorbildfunktion ein. Ich erreiche viele Menschen, auch durch Social Media. Mich sehen junge Menschen und vor allem auch Menschen, die ich mit meinem Vorbild retten kann. Ich bin auf jeden Fall stolz darauf, diese Funktion übernehmen zu können.

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Du singst am liebsten über Sex, hast du mal gesagt. Wieso?
Weil Sex eine extrem starke Emotion ist, und Künstler*innen über Emotionen singen oder schreiben. Ausserdem komme ich vom R&B. Da ist es typisch, über Sex zu singen.

Musstest du dir Gedanken über deine sexuelle Orientierung machen?
Ich habe sehr lange nicht kapiert, was meine sexuelle Orientierung ist. Ich wusste, ich bin anders, aber als Kind kannst du das nicht wirklich einordnen. Ich habe sehr viel Zeit verschwendet, weil ich geglaubt habe, dass ich einen Mann daten muss. Durch Selbstliebe habe ich mich gefunden — ich bin lesbisch und das ist ganz okay.


Hattest du Vorbilder, die dir dabei geholfen haben?
Ja, definitiv: Jessie J. Sie ist offen bisexuell und hatte einen Song «Do It Like A Dude», der mich inspirierte. Jessie J zeigte mir Selbstsicherheit und Kraft. Sie hat mir Mut gegeben, in einer Zeit, als ich in Bezug auf meine Sexualität sehr verwirrt war.

Du erzählst von Mobbing-Erfahrungen. Was möchtest du damit erreichen?
Ich möchte zeigen, dass niemand alleine ist. Ich schlug einen Weg ein, der mir ein gewisses Selbstvertrauen gegeben hat. Früher gehörte ich nicht zu den coolen Typen, mochte meinen Körper nicht und hatte viele Probleme mit mir selbst. Aber man kommt aus dieser Situation raus. Wer Mobbing erfährt, wird extrem stark. Ich kenne viele — die bringt man nicht mehr klein!

Wer mobbt, ist bestimmt kein selbstsicherer Mensch.

Was würdest du den Menschen sagen, die dich gemobbt haben?
Kinder können manchmal sehr brutal sein. Ich wünsche mir, dass sie die Möglichkeit hatten, davon zu lernen. Wer mobbt, ist bestimmt kein selbstsicherer Mensch.

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Dein Vater war Hockeyspieler und du Profifussballerin. Was bedeutet Sport für dich?
Sport bedeutet mir sehr viel, denn ich bin mit ihm aufgewachsen. Es ist etwas, das ich immer machen kann — danach fühle ich mich immer sehr gut. Ich verbinde Sport sehr stark mit meinem Grossvater. Er war immer dabei, als ich trainierte oder spielte — wenn ich Sport treibe, habe ich das Gefühl, er wäre immer noch da.

Woher kommt das Musikalische?
Mein Grossvater spielte Klavier, aber ich glaube, das kommt von meiner afrikanischen Seite. Meine Mutter ist Senegalesin und Mauretanierin. Ich kenne meine afrikanischen Verwandten eigentlich nicht, aber ich stelle mir sie gerne sehr musikalisch vor. Ich machte schon immer Musik: Zuhause sang ich und spielte Ukulele. Wir hatten eine Kassette von der Kelly Family — da sang ich immer mit! Es lief oft auch viel MTV, vor allem Hip-Hop oder Justin Timberlake gefielen mir sehr.

Was können wir von Naomi Lareine noch erwarten?
Eine neue Single und vor allem eine geile Show!

«Sing meinen Song» ist jeweils mittwochs um 20:15 auf dem Sender 3+ zu sehen.


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