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Hollywoods Hintermänner

Greg Berlanti
Greg Berlanti hinter der Kamera bei «Life As We Know It». (Bild: © 2010 Warner Bros. Entertainment Inc. - U.S., Bahamas & Bermuda)

Während schwulen Schauspielern in Hollywood noch immer häufig dazu geraten wird, ihre Sexualität geheim zu halten, revolutioniert eine Riege offen schwuler Männer hinter der Kamera seit einigen Jahren das Serien­business.

Namen wie Alan Ball, Greg Berlanti, Michael Patrick King, Jeff Davis oder auch Ryan Murphy sagen sicherlich nur den wenigsten etwas. Die Serien, für die diese Männer verantwortlich zeichnen, haben aber riesige Fangemeinden. Wer also den Vorspann seiner Lieblingsserie aufmerksam studiert, statt sich am Kühlschrank erst noch einen Snack zu holen, der wird mit grosser Wahrscheinlichkeit einen dieser Namen entdecken. Die Berufsbezeichnung der erwähnten Herren nennt sich «Showrunner».

Ihr enormer Erfolg gibt diesen kreativen Köpfen Recht.

Als solche sind sie die Hauptverantwortlichen für die jeweilige Fernsehserie, haben Entscheidungsgewalt und das letzte Wort in allen inhaltlichen sowie produktionstechnischen Belangen. Über die Jahre konnten sich immer mehr offen schwule Showrunner in einem ansonsten recht heteronormativen Arbeitsumfeld behaupten und ihre Erfahrungen in ihre Arbeit einfliessen lassen.

Ihr enormer Erfolg gibt diesen kreativen Köpfen recht, weshalb die Studiobosse zunehmend gewillt scheinen, die Wünsche ihrer Showrunner umzusetzen. Eine Entwicklung, die unter anderem dazu geführt hat, dass sich gegenwärtig mehr LGBT-Charaktere in Fernsehserien tummeln als je zuvor.


Allan Ball (Bild: © Warner Bros. Television)

Zu Beginn ihrer Karrieren trugen schwule Showrunner, Schreiber oder Produzenten zaghaft dazu bei, dass LGBT-Charaktere ihren Weg ins Fernsehen fanden. Vorreiter waren Männer wie Kevin Williamson, der in seiner Serie «Dawson’s Creek» den schwulen Charakter Jack McPhee platzierte. Oder auch Darren Star, der dafür sorgte, dass Themen rund um Homosexualität in den Serien «Melrose Place» oder «Sex and The City» Einzug hielten.

Heute scheinen den erfolgsverwöhnten Männern hinter der Kamera nahezu keine Grenzen mehr gesetzt zu werden. Ryan Murphy, der bereits mit der Serie «Nip/Tuck» grosse Erfolge feierte und gegenwärtig mit «American Horror Story» nicht weniger erfolgreich ist, liess in seiner Musicalserie «Glee» nicht nur schwule und lesbische Schüler und Schülerinnen an der McKinley High die Schulbank drücken, sondern bot mit der Figur des Wade Adams auch Transmenschen ein Forum.

Denkwürdig sind auch Figuren wie der extravagante Koch Lafayette oder Vampirkönig Russel Edgington, die Alan Balls Serie «True Blood» so liebens- und sehenswert gemacht haben.


Ryan Murphy (Bild: © Dominick D.)

Besonders hoch im Kurs steht derzeit der ebenfalls offen schwule Showrunner Greg Berlanti, der sich als Spezialist in Sachen Comicadaptionen hervorgetan hat. In den von ihm verantworteten Serien stehen regelmässig geoutete Schauspieler wie Colton Haynes oder Andy Mientus vor der Kamera. Letzterer spielte in «The Flash» sogar den schwulen Bösewicht Pied Piper, und erst unlängst heiratete der Chef von Hauptfigur Barry in der Serie seinen Freund.

Auch in Berlantis Serie «Arrow» fand mit der Figur des Mr. Terrific ein schwuler Charakter Einzug ins Superheldenteam, während in «Supergirl» gerade erst eine lesbische Figur auf der Bildfläche erschien. Der neueste Streich des gebürtigen New Yorkers ist einmal mehr eine Comicadaption. «Riverdale» basiert auf den in Amerika sehr beliebten Archie-Comics und lässt sich wohl am besten als eine Art «Twin Peaks» für Teenager beschreiben. In einer Nebenrolle verführt ein überaus selbstbewusster und schwuler High-School-Schüler regelmässig die Footballspieler des Schulteams.

Darren Star (Bild: © Dimitrios Kambouris, WireImage.com)

Erwähnenswert ist, dass es sich bei den genannten Serien nicht um Nischenproduktionen für ein vorwiegend homosexuelles Publikum handelt, sondern um Serien, die auf den grossen Networks zur besten Sendezeit ein Millionenpublikum begeistern. Die erwähnten Showrunner leisten somit einen wichtigen Beitrag, um die Fernsehlandschaft vielfältiger zu machen, Vorurteile abzubauen und zu mehr Akzeptanz beizutragen. Vielfach sorgen sie durch ihre Arbeit auch dafür, dass endlich mit althergebrachten Rollenklischees gebrochen wird.


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