Gendern – nicht schön, aber notwendig
Die SPÖ in Kärnten hat bewiesen, wie man es den Gegner*innen von geschlechtergerechter Sprache sehr einfach macht
In Kärnten ist ein Gender-Leitfaden gescheitert. Zu Recht, erklärt unser Autor in seinem Kommentar* – auch wenn er das Gendern nicht grundsätzlich ablehnt.
Was André Rieu für die Klassik ist und Richard David Precht für die Philosophie, das ist die SPÖ in Kärnten für die deutsche Sprache. Jedenfalls hat man sich nach Kräften als Abrissbirne versucht, mit einem Gender-Leitfaden, der es ordentlich in sich hatte (MANNSCHAFT berichtete). Was er nicht in sich hatte, waren Verstand und Mass.
Man beschwor «Buntheit» und «Respekt» herauf, trieb es aber viel zu bunt und liess es an Respekt für die deutsche Sprache deutlich vermissen.
Man dachte sich für den «gesamten Schriftverkehr der Verwaltung» Folgendes aus: Der «Gast» sollte nun «Besuchsperson» heissen, aus dem «Hausmeister» sollte eine «Fachkraft für Gebäudemanagement» werden, und statt «Täter» sollte man «Unrechtsperson» sagen.
Was mich besonders an dem ärgert, was die Kärntner Unrechtspersonen vorgelegt haben, die gewiss keine Fachkräfte für Sprachmanagement sind: Wie leicht man es dem politischen Gegner gemacht hat, den «Freiheitlichen» vor allem. Die haben die Vorlage natürlich verwandelt, und so wurde der Gender-Leitfaden zurückgezogen.
Man muss die deutsche Sprache schon sehr hassen, um sie derart zu zerlegen und zu verunstalten. Liebe SPÖ, nimmt bei Euch niemand solche Texte ab? Prüft das? Liest es sich mal laut vor? Lässt es wenigstens eine Nacht liegen, dann schaut man am nächsten Morgen nochmal drauf, mit etwas Abstand. Versuchsweise schreckt man die Eier damit an. Nein? Dachte ich mir.
Ja, geschlechtergerechte Sprache ist ein wichtiges Anliegen. Denn, guck an, es gibt nicht nur Männer und – jetzt kommt’s! – nicht nur Frauen. So binär, wie viele die Welt gerne hätten, ist sie nicht.
Darum mache ich auch mit beim Gendern, aber – Hand aufs Herz: schön finde ich es nicht. Notwendig: ja. Es ist ein bisschen wie mit Besuchen bei meiner Mutter …
Ich hoffe übrigens, dass wir für die Geschlechtergerechtigkeit noch eine bessere Lösung finden, gerne ohne Zeichen und Symbole, die nicht nur das Wort spalten, sondern auch die Gesellschaft.
Ich selber habe übrigens eine gewisse Tendenz zur Endung -auf «ende». Am Wort «Reisende» stört sich ja auch kein Mensch. An «Teilnehmenden» schon. Schwierig wird es nachts, wenn die Menschen zu Schlafenden werden – nicht zu Schläfer*innen wohlgemerkt. Nicht dass Schläfer*innen nicht auch Schlafende sein können. Denn man weiss ja als Schläfer*in nie, wann man dran ist. Da kannste nicht die ganze Zeit wach bleiben; du musst dich ja konzentrieren bei deinem Job. Auch wenn es der letzte ist.
Apropos das Letzte: Was gar nicht geht, sind «Gäst*innen». Es gibt nunmal Worte im Deutschen, die sind neutral, auch wenn sie den männlichen Artikel der vor sich hertragen. Da beisst die Maus keinen Genderleitfaden ab.
Zum Glück ist mir die «Menschin» noch nicht untergekommen, und lieber als die Gästin ist mir auch fast noch die «Besuchsperson» aus Kärnten. Problem an der Sache: Der Gast für Frauen ist offenbar nicht mehr akzeptabel, die Person für Männer aber schon?
Merkste selbst, SPÖ, oder? Irgendwas habt Ihr da beim Ringen um Gerechtigkeit nicht verstanden.
*Jeden Samstag veröffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar zu einem aktuellen LGBTIQ-Thema. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.
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