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Führen und führen lassen: Mit Cha-Cha-Cha zum Regenbogenball

Im Gugg wird schon fleissig geübt

Tanzen
Foto: Veronika Reininger

Nach zwei Jahren Corona-bedingter Tanzpause fand Ende Februar wieder der jährliche Faschingstanzabend Gschnas des Vereins Resis.danse im Gugg statt.

Der Tanzsaal ist mit rund 50 weiblichen Tanzpaaren locker gefüllt, wenn auch nicht alle zeitgleich auf der Tanzfläche sind. Selbstverständlich hat die Obfrau des Vereins Resis.danse die eingehaltenen 2-G-plus-Corona-Testregeln, also vollständig geimpft oder genesen sowie PCR-getestet, beim Eingang des Lokals kontrolliert, um auch darauf zu achten, dass alle Tänzerinnen und Teilnehmerinnen des Frauentanzabends gesundheitlich auf der sicheren Seite sind.

«Heute ist endlich wieder beim Faschings-Frauentanzabend mit viel Spass und Tanz erstmals die Sperrstunde auf 24h um zwei Stunden angehoben», sagt Karin Erhart, Vereinsobfrau des Vereins Resis.danse. Manche der Tänzerinnen sind verkleidet gekommen, wie zum Beispiel auch die Obfrau in Polizeiuniform, andere sind aus Vorsicht vor dem Corona-Virus weiterhin dem Tanzabend noch fern geblieben oder bevorzugen in der Zwischenzeit, nach der langen Tanzpause, andere Freizeitaktivitäten wie zu wandern.

«Miteinander leben und miteinander tanzen, das erhöht schon enorm unsere Lebensqualität», sagt die sportlich aktive Elke, die nach zwei geschenkten Tanzstunden von ihrer Frau inzwischen jeden Freitagabend mit ihr ins Gugg, geht, um zu tanzen. Früher war sie vor allem fussballspielend in ihrer Freizeit anzutreffen, aber aus Gründen begrenztes freies Zeitkontingent konzentriere sie sich nun mit ihrer Frau zu tanzen. «Tanzen ist schliesslich auch eine Sportart, die dich körperlich gut auslastet und fit hält», sagt Elke, die beim Tanzen die motorischen Fähigkeiten genauso wichtig findet wie gute Empathie zu haben, also, sich mit der Partnerin darauf einzulassen und von ihr geführt zu werden.


Im Gugg, dem Vereinslokal der HOSI-Wien, erlebe sie stets eine schöne humorvolle unterhaltsame Atmosphäre mit vielen anderen tanzenden Frauen, wo sie dabei auch wirklich tanzen lernen. Vor allem Samba und Cha-Cha-Cha bevorzugt Elke zu tanzen. «Eine Figur zu tanzen findet auf der nonverbalen Ebene statt», sagt sie. Es sei für sie besonders reizvoll, genauso wie sie es unter tanzenden Frauen viel harmonischer erlebe, ohne unnötigen Wettbewerb oder Erklärungsbedarf, als in klassischen gemischtgeschlechtlichen Tanzschulen. Selbstverständlich ist Elke mit ihrer Tanzpartnerin beim Ball der Bälle, beim Regenbogenball in Wien, wieder dabei, aber ob sie miteröffnet, überlegt sie noch, wie gut fortgeschritten sie mit ihren Tanzkenntnissen dafür ist.

«Noch ist ja etwas Zeit und der sechste oder siebente Tanzworkshop steht noch an», sagt sie. Schliesslich ist dieses Jahr 2022 der Regenbogenball coronabedingt auch auf den 21. Mai verschoben (MANNSCHAFT berichtete), also wird es mehr ein Sommerball. «Statt langem Frack trage ich einen Damensmoking, während meine Frau wahrscheinlich ein Kleid anzieht, oder es wird eine Premiere und wir beide ziehen einen Damensmoking an», sagt sie, die auch nach stundenlangem Tanzen mit den richtigen Tanzsportschuhen keine Fussschmerzen bekommt. Jedoch nach vier Stunden tanzen beim Faschings-Frauentanzabend des ehrenamtlichen Frauentanzvereins Resis.danse geht sie müde, aber glücklich viel getanzt zu haben, mit ihrer Frau nach Hause.

Auch Sonja nimmt tanzbegeistert beim Faschings-Frauentanzabend des ehrenamtlichen Frauentanzvereins Resis.danse im Gugg teil. Bereits in ihrer Jugendzeit habe sie tanzen in einer Tanzschule gelernt, aber damals nur den sogenannten Damentanzschritt getanzt, sagt sie, die durch eine Freundin den Frauentanzabend des Vereins Resis.danse kennengelernt hat. «Hier ist es möglich als Frau auch den führenden Tanzschritt zu lernen, dabei ist es mein Ziel beide Positionen abwechselnd zu tanzen, also aktiv ihre Tanzpartnerin führen sowie in die passive Rolle der Wartenden zu verweilen, um geführt zu werden», sagt Sonja, die inzwischen sehr auf den Geschmack des Führens gekommen ist.


Diesen Rollentausch finde ich irrsinnig spannend.

«Diesen Rollentausch finde ich irrsinnig spannend, was mir gefällt», sagt Sonja, die begeistert ihre Tanzpartnerin aktiv führt. Wenn sie im Tanzsaal gerade nicht aktiv oder passiv tanzt, wartet sie dort auf passende Musik, die ihr die Entscheidung leicht mache, was und ob sie gleich wieder tanzen werde. So zum Beispiel bevorzuge sie Cha-Cha-Cha.

Sonja hat schon zwei Ballkarten gekauft und hofft, derb verschobene Regenbogenball findet wieder wie geplant statt. Jedoch den Regenbogenball eröffnen werde sie nicht, weil sie als Berufstätige dafür zu wenig Zeit zum Üben der Tanzschritte habe, sagt Sonja.

Resis.danse ist kein kommerzielles Unternehmen, sondern ein unabhängiger Verein, wo alle organisatorischen Arbeiten von einem rund zwanzigköpfigen Frauenteam auch ehrenamtlich gemacht werden. Bereits in den 1980er-Jahren auf einem Campingplatz mit einem improvisierten Tango hat die Geschichte des Vereins eigentlich begonnen. Für viele Frauen in Wien konnten sich dadurch die Standardtänze etablieren, aber auch die gleichgeschlechtliche, also lesbische und schwule Tanzkultur ist seit den 1980er Jahren europaweit erwacht und fordert mit internationalen Turnieren für sportliche Leistungen, bei denen auch der Verein Resis.danse als Frauentanzklub aktiv beteiligt ist, anerkannt zu werden, so ist es auf deren Webseite zu lesen. Bereits seit Mitte der 1990er-Jahre werden in verschiedenen europäischen Städten die Eurogames ausgetragen, bei denen SportlerInnen alle vier Jahre weltweit zusammenfinden, so gibt es auch sportliche Tanzturniere etwa bei den Eurogames in Kopenhagen.

Auch die Vereinsobfrau von Resis.danse Karin Erhart habe persönlich international mit verschiedenen Tanzpartnerinnen bis in die höchste Tanzklasse hinaufgetanzt, sagt sie, die auf diese sportliche Tanzleistung, die von internationalen WertungsrichterInnen ausgewertet werden, sehr stolz sei. «Vor allem freute ich mich besonders, als ich im Jahr 2010 sogar den ersten Platz zur österreichischen gleichgeschlechtlichen Tanzmeisterin bei den Standardtänzen mit Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstep, gewonnen habe. Für solche Leistungen bedarf es schon viel Zeit, Geld und Training», sagt Karin.

Schliesslich findet am 22. Oktober der nächste Vienna Dance Contest statt, zu dem auch wieder viele internationale Tanzpaare erwartet werden, während für die Tänzerinnen beim Verein Resis.danse das Besondere beim Tanzen pure Lebensfreude sei und tanzen sie glücklich mache. Es sei auch die Verbindung aus Sport und Spass, dabei sei Ausdauer wichtig, wenn man durchtanzt, aber es sei auch geistige Arbeit sich darauf zu konzentrieren, was der nächste Schritt sei, sagen andere tanzbegeisterte Frauen im Gugg. Manche dieser Tänzerinnen besuchen auch vorher klassische Tanzschulen, um die Tanzschritte zu lernen, aber bei den gemeinsamen Frauentanzabenden des Vereins Resis.danse mache es ihnen mehr Spass, und sie fühlen sich wohl unter Frauen zu tanzen. Um den  Wiener Regenbogenball mitzueröffnen brauche es schon mindestens zehn Sonntagnachmittage in Doppelstunden, um die Eröffnungsschritte gut einzustudieren.

Tanzen
Foto: Veronika Reininger

Normalerweise dauert die klassische Ballsaison von Dezember bis Februar oder März, aber Tanzbälle gibt es praktisch das ganze Jahr durchgehend. Bis zum Regenbogenball sind es noch ein paar Wochen. Mit den ersten Tanzworkshops ab März dieses Jahres 2022 haben sich schon viele Tänzerinnen angemeldet, was zeigt, wie motiviert die Frauen sind, wieder zu tanzen, an den Frauentanzabenden des Vereins Resis.danse teilzunehmen.

Seit rund 30 Jahren veranstaltet der Verein Resis.danse das besagte Wochenende «Fit für den Ball», damit Besucherinnen des Regenbogenballs sich wieder tanz-fit über die Tanzfläche bewegen können. Im Rahmen von zwei mal drei Stunden lernen die interessierten Tänzerinnen rund fünf Tänze wie Boogie, Cha-cha-cha, Walzer, Tango sowie Foxtrott oder Samba, die Tanzgrundschritte sowie ein bis zwei Tanzfiguren. Allerdings coronabedingt sind derzeit nur paarweise die Anmeldungen für diese Tanzabende möglich, nur Vorkenntnisse sind keine notwendig. Im Unterschied zu den Jahren davor findet dieses Jahr nur einmal das «Fit für den Ball»-Wochenende, am 14. und 15. Mai für alle Geschlechter statt.

Workshopleiterin und Obfrau Erhart hat seit dem ersten Regenbogenball viele Jahre die Veranstaltung eröffnet. Auch der Verein Resis.danse hatte rund zehn Mal eine eigene Tanzfläche dort, die sie stets mit Musik betreut habe. Jedoch inzwischen bevorzuge sie mehr die gemütlichen stressfreien Tanzmomente beim Wiener Regenbogenball privat und ohne organisatorische Aufgaben vor Ort zu leisten. Sie schaue dem Treiben der Tänzer*innen auf dem Regenbogenball entspannt zu, bildet Netzwerke und tanze nach Lust und Laune, je nachdem wie lange es ihr in der Nacht des Regenbogenballs im Wiener Parkhotel Schönbrunn gefällt.

Auch in Clubs darf nun wieder getanz werden: Mit der Entscheidung des Berliner Senats und der Möglichkeit zur Öffnung als Club fährt das Berliner SchwuZ wieder den Veranstaltungsbetrieb hoch (MANNSCHAFT berichtete).


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